Wie die Demenz-WG Waldmühle Alltag und Corona zu stemmen

aus Leseraktion "Echo hilft"

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In der Waldmühle tragen die Pfleger Maske. Doch für die demenzkranken Bewohner sind die Corona-Regeln oft schwer in den Alltag zu integrieren. Hier kümmert sich Alltagsbegleiterin Petra Ludwig um Bewohner Klaus Müller. Foto: Guido Schiek

Abstand halten, das ist bei der Pflege vielen Demenzkranker kaum möglich. Ein veränderter Alltag ist für diese Menschen ein Problem. Die Waldmühle hat Wege gefunden.

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OBER-RAMSTADT. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich der Alltag kräftig verändert. Doch in der Demenz-WG Waldmühle in Ober-Ramstadt läuft das meiste laut Betreuungskraft Conny Szeszak-Abel fast genauso ab wie zuvor. „Wir machen keine Ausflüge mehr und unser arbeitender Bewohner muss zuhause bleiben, sonst merkt man im Haus kaum, dass draußen alles anders ist.“ Am Anfang der Pandemie habe es weniger Besuche gegeben, ein Teil der Angehörigen sei aber nach wie vor fest gekommen. „Die Bewohner könnten es gar nicht verstehen, wenn ihr gewohnter Rhythmus geändert würde.“

So werde ein Herr jedes Wochenende von seiner Ehefrau nach Hause geholt, eine Bewohnerin bekomme regelmäßig Besuch von ihren beiden Töchtern. „Das kann man den Menschen nicht nehmen, es würde sie komplett durcheinanderbringen“, weiß Szeszak-Abel. Alle Änderungen den Alltag betreffend täten demenzkranken Menschen nicht gut, dies merke man am Verhalten. „Sie ziehen sich dann zurück, rutschen in depressive Stimmungen ab und sind demotiviert.“ Daher seien Struktur und ein geregelter Tagesablauf in der WG von größter Wichtigkeit, betont sie. „Wir arbeiten mit Menschen, nicht mit Gegenständen und müssen täglich schauen, wie die Tagesform der einzelnen Bewohner ist und individuell darauf eingehen.“

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In der privat geführten Einrichtung entscheiden die Angehörigen, wie sie den Umgang handhaben, berichtet Conny Szeszak-Abel. Seitens des Pflegedienstes Hessen Süd, der für das Haus zuständig ist, gibt es dagegen Regeln: „Wir Pfleger sind an Maßnahmen wie Abstand halten, Maskenpflicht, regelmäßiges Händewaschen und Lüften gebunden.“ So herrsche im Aufenthaltsraum Maskenpflicht und die sonst regelmäßigen Angehörigen-Abende würden seit dem Frühjahr nur noch online organisiert. Das Abstand halten ist laut Szeszak-Abel dagegen nicht so einfach: „Die Bewohner werden von uns geduscht und angezogen, wir müssen teilweise das Essen anreichen oder Personen nachts lagern – das ist mit Sicherheitsabstand nicht machbar.“ Trotzdem tue man das Beste, die Vorgaben umzusetzen, achte darauf, dass, wenn möglich, immer dasselbe Pflegepersonal im Wechsel da ist, dass keine Fremden ins Haus kommen und Handwerker die Hygieneregeln einhalten. „In der Praxis hören sich die Maßnahmen wunderbar an, in Einrichtungen wie der unseren sind sie aber nicht immer komplett umsetzbar“, resümiert die Betreuungskraft.

Da Ärzte direkt in die Einrichtung kommen, müssen die Bewohner laut Szeszak-Abel dafür nicht extra außer Haus. Zu anderen Termine würden sie von ihren Angehörigen gebracht. „Trotzdem kam es während der letzten Monate vor, dass ich mit jemandem in die Stadt fahren musste und da war es mit der Maskenpflicht und dem Abstand halten schwierig.“ Menschen mit Demenz seien eher distanzlos und würden nicht verstehen, warum sie eineinhalb Meter Abstand zu anderen halten sollen. Auch die Maske sei „überall, nur nicht da, wo sie hingehört“.

In der WG werde die Pandemie jeden Tag thematisiert, stets jedoch vor dem Hintergrund, keine Angst zu schüren. „Wir erklären immer wieder, dass wir eine Pandemie haben, die die ganze Welt betrifft und dass die Bewohner zur Risikogruppe gehören. Für einen Moment ist dann bei manchen Verständnis da, einige können aber auch nichts damit anfangen. Für sie gibt es kein Corona.“

Von Miriam Gartlgruber