Landwirt Phillip Lautz geht mit Körnerfenchel neue Wege und...

Imker Jürgen Helebrandt und Landwirt Philipp Heinrich Lautz begutachten den Körnerfenchel bei Ober-Ramstadt.Foto: Torsten Boor  Foto: Torsten Boor

Goldgelb leuchten die Felder oberhalb des Ober-Ramstädter Industriegebietes. Der Körnerfenchel steht in voller Blüte. Die alte Gewürz- und Arzneipflanze aus Mitteleuropa...

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OBER-RAMSTADT. Goldgelb leuchten die Felder oberhalb des Ober-Ramstädter Industriegebietes. Der Körnerfenchel steht in voller Blüte. Die alte Gewürz- und Arzneipflanze aus Mitteleuropa ist laut Agrarbetriebswirt Philipp Heinrich Lautz heute fast vergessen. In der Region ist der 29-Jährige mit seinen Partnerbetrieben der Hofgutkräuter GmbH derzeit der einzige, der sie anbaut und ökologisch behandelt. Das gefällt auch den Insekten: Fliegen und Wildbienenarten surren um die Fenchelblüten, Schmetterlinge sitzen auf den Dolden. Bio-Imker Jürgen Helebrandt hat zwischen den Feldern mehrere Bienenkästen aufgestellt, um Fenchelblütenhonig zu produzieren. Er berichtet: „Ich habe auch schon häufig Schwalbenschwänze, eine hochspezialisierte Schmetterlingsart, und Schwalben hier oben gesehen“. Seine Bienen gehen im Fenchelfeld geschäftig ihrer Arbeit nach. Nach sortenreinem Fenchelblütenhonig wie Helebrandt ihn in rund vier Wochen erstmals ernten will, bestehe große Nachfrage. „Besonders ältere Menschen und Leute aus der Öko-Szene haben Interesse“.

Auch im Betrieb von Philipp Lautz, der sein Unternehmen in vierter Generation bewirtschaftet, ist der Körnerfenchel das Highlight. Der Agrarbetriebswirt erklärt: „Ich wollte mal etwas komplett anderes ausprobieren und war auf der Suche nach einer marktunabhängigen Kulturpflanze.“ Er informierte sich bei seinen Partnerbetrieben Graf und Vogt, mit denen seit vielen Jahren eine Maschinengemeinschaft besteht, erfuhr, dass die Erzeugerorganisation Agrimed Körnerfenchel zur Teeproduktion suche und entschied sich, diesen anzubauen.

Kein einfaches Unterfangen: „Für die schwierige Aussaat des Fenchels mussten wir zuerst optimale Bedingungen schaffen. Nach der Saat gab es auch noch einen Landregen, der den Boden verkrustete und die Oberfläche härtete – wir hatten Angst, dass die Triebkraft der Pflanzen nicht ausreicht, um durchzustoßen“. Doch die Setzlinge schafften es. Nachdem er die Felder mit der Hackmaschine mechanisch von Unkraut befreit habe, sei der Körnerfenchel schließlich explodiert.

Helebrandt und Lautz arbeiten nun schon in der zweiten Saison zusammen. „Wir wollten beide etwas Neues ausprobieren und waren bereit, auch ein gewisses Risiko einzugehen“, meint der Imker. Das Wissen rund um die alte Kulturpflanze haben sie hauptsächlich aus alten Büchern. „In der neueren Literatur findet man kaum was darüber.“ Die Kulturpflanze bezeichnet Philipp Heinrich Lautz als Exoten, sie in der Region wiederzubeleben und der Natur damit etwas Gutes zurückzugeben, sei seine Intention, sie auf seinen Feldern anzubauen. „Und gedanklich der erste Schritt in Richtung biologischem Anbau.“ Seine anderen Felder bewirtschafte er derzeit noch konventionell, strebe aber an, von den synthetischen Pflanzenschutzmitteln wegzukommen. „Aber auch beim biologischen Anbau werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, das wissen viele gar nicht. Kupferpräparate als Schutz vor Erkrankungen beispielsweise, diese sind dann aber für den ökologischen Landbau zugelassen.“ Neben den blühenden Fenchel-Feldern, die die restliche grüne „Agrarwüste“ wie Imker Helebrandt es nennt, durchbrechen, hat Lautz noch rund 3,5 Hektar Blühflächen angelegt, um die Artenvielfalt zu fördern. Die erste Ernte des Körnerfenchels für die Teeproduktion sei zufriedenstellend gewesen, in diesem Jahr erwartet er aber, nicht zuletzt dank Helebrandts Bienen, einen noch höheren Ertrag. Landwirt und Imker sind sich einig: „Die Bienen machen gute Arbeit.“

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Von Miriam Gartlgruber