Mühltal wagt den Weg in die Gigabit-Gesellschaft

Die Brüder Heiko (rechts) und Dirk Kaffenberger aus Frankenhausen befürworten den Glasfaserausbau. Foto: Rebecca Keller

Mühltal will den Glasfaserausbau in den Ortsteilen voranbringen. Kritik kommt von grüner Seite an Kooperation mit Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser und Entega Medianet.

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MÜHLTAL. „Wir sind auf jeden Fall dafür“, sagt Ortsvorsteher Dirk Kaffenberger und kann guten Gewissens für alle Frankenhäuser sprechen. Vor allem „die jungen Leute“ würden den Glasfaserausbau befürworten. Auch er selbst begrüßt den Fortschritt: Wenn er im Homeoffice arbeite, müsse er zuweilen größere Datenmengen versenden. Zudem werde etwa die Auflösung bei Fernsehern immer größer. Zurzeit reiche die Schnelligkeit des Internets in Frankenhausen zwar noch aus, wie sein Bruder Heiko im Gespräch mit dem ECHO sagt, aber die Kapazitäten der Kupferleitungen – der Breitband-Ausbau ist rund vier Jahre her – seien begrenzt: „Über 100 Megabits geht es nicht.“ Zwischen 50 und 80 MBits würden derzeit in Frankenhausen erreicht. Der Bedarf nehme aber zu. Eine Firma sei schon aus Frankenhausen weggezogen, weil die Internet-Leistung nicht ausgereicht habe. Mit Glasfaser sei man jedoch für die Zukunft gerüstet.

Die Mühltaler Gemeindevertretung hatte beschlossen, mit der Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser und der Entega Medianet GmbH, die auf die Gemeinde Mühltal zugekommen waren, eine Absichtserklärung zu schließen und mit ihnen eine Informationsveranstaltung zu organisieren. Demnach sollen im ersten Bauabschnitt die Ortsteile Frankenhausen, Nieder-Beerbach, Traisa, Trautheim und Waschenbach, im zweiten der zentrale Ortsteil Nieder-Ramstadt versorgt werden. Voraussetzung für den Ausbau mit Glasfaser ist eine Beteiligung von mindestens 40 Prozent der Haushalte. Laut Förderrichtlinie des Bundes zum Breitbandausbau sollen bis 2025 – Stichwort „Gigabit-Gesellschaft“ – flächendeckende Gigabit-Netze (FTTH, Glasfaser bis ins Haus) errichtet werden. Die Mühltaler Ortsvorsteher sind allesamt für den Glasfaserausbau. Michael Reiser, Ortsvorsteher von Waschenbach, betont, dass im Blick auf neue Arbeitsformen wie Homeoffice leistungsfähiges Internet zu Hause ein „Topthema“ sei. Zurzeit komme die Leistung in Waschenbach nicht überall gleich an. Auch in Nieder-Beerbach sei die Versorgung vor allem im Ortskern entlang der Mühlstraße im Vergleich zu höheren Wohnlagen gut, so Ortsvorsteher Reinhold Diehl, aber selbst hier sei noch „Luft nach oben“.

In Traisa gebe es laut Ortsvorsteherin Dr. Annelie von Arnim auf der einen Seite der Waldstraße schnelles Internet, auf der anderen nicht. Das wäre mit Glasfaser besser. Beim Ausbau fordert die IT-Beraterin Transparenz für die Bürger, ob Glasfaser bis ins Haus verlegt werde oder zum Verteilerkasten. Glasfaser ist auch eine Voraussetzung für die 5G-Technologie, bei der der Landkreis Modellregion werden will. In Sachen 5G gebe es jedoch in Mühltal auch Kritiker, so Dr. Thomas Rehahn, Ortsvorsteher von Trautheim, der den Glasfaserausbau befürwortet. Als „klare Chance für Mühltal“ wertet Niels Starke, Ortsvorsteher von Nieder-Ramstadt, den Glasfaserausbau.

In der Sitzung der Gemeindevertretung kritisierte Dr. Dominik Dilcher von den Grünen harsch, dass die Kommune für ein Wirtschaftsunternehmen mit einer Infoveranstaltung werbe und nannte dies eine „unglaubliche Vermischung von Politik und Wirtschaft“. Er wünsche sich zwar den Glasfaserausbau, „aber nicht auf diesem Wege“. Zudem beschließe man über eine Absichtserklärung, die man nicht kenne, so Dr. Dilcher. Bürgermeister Willi Muth betonte: „Mir ist es wichtig, die gemeindlichen Gremien mitzunehmen, um dadurch auch in der Bevölkerung die Akzeptanz für diese Infrastrukturmaßnahme, die Mühltal einen Standortvorteil bringt, zu erhöhen.“