Lernen von Südafrikas Bauern

Im September geht es los nach Südafrika, wo Milena Schwotzer in dem Projekt „Abalimi Bezekhaya“ mitarbeitet – übersetzt heißt das „Bauern der Heimat“. Foto: Guido Schiek

Die Waschenbacherin Milena Schwotzer arbeitet nach dem Abitur ein Jahr in dem ökologischen Landwirtschaftsprojekt „Abalimi Bezekhaya“ – „Bauern der Heimat“ mit. Im...

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WASCHENBACH. Gleich nach dem Abitur ins Studium? Das konnte sich Milena Schwotzer nicht vorstellen. „Jetzt ist die beste Zeit, noch einmal etwas anderes zu machen“, sagt die 18-Jährige, die gerade ihr Abitur an der Edith-Stein-Schule in Darmstadt gemacht hat. Nicht gleich wieder büffeln, sondern schon mal ein wenig Arbeitsluft schnuppern, ohne dabei Geld zu verdienen. „Es ist einfach Neugier, ich möchte etwas entdecken“, beschreibt sie ihre Motivation, jetzt ein Jahr nach Südafrika zu gehen.

„Es kommt ja nicht darauf an, ob ich mit 18, 19 oder 20 das Studium beginne“, meint sie. Vorstellen könnte sie sich als Fächer Architektur oder Umweltingenieurwissenschaften. Von einer Freundin hatte sie von „weltwärts“ gehört, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der Flug ist gebucht, das Visum von Berlin aus noch auf dem Weg. „Wenn es da ist, fange ich an zu packen“, sagt die aufgeschlossene junge Frau. „Ich reise gern“, beschreibt Milena Schwotzer eine weitere Motivation, „aber ich mag es nicht, Tourist zu sein.“ Eine Zeitlang in einem Land leben, das ist ihr Ding.

Und da hat sie in ihren jungen Jahren schon einige Erfahrung: Mit 15 verbrachte sie bereits ein Schuljahr in Neuseeland. Mit einer Organisation für internationale Jugendbegegnungen war sie davor in Norwegen, Luxemburg und Argentinien.

Jetzt verbringt sie in Südafrika eine Art freiwilliges ökologisches Jahr. „Es war nicht so leicht, ein Projekt im Bereich Umweltschutz zu finden.“ Über die Organisation „South African German Network“ (Sage Net) fand sie ihr Wunschprojekt. Und das heißt „Abalimi Bezekhaya“ auf Xhosa, eine der Amtssprachen Südafrikas, „Bauern der Heimat“. In eigenen „Garden Centers“ mit ökologischem Landbau werden hier lokale Kleinbauern aus den Townships geschult und ihnen Samen, Setzlinge, Dünger und Geräte zur Verfügung gestellt. In einem weiteren Projekt, „Harvest of Hope“ (Ernte der Hoffnung), wird das von ihnen produzierte Gemüse zu fairen Preisen vertrieben, sodass sie ein regelmäßiges Einkommen haben.

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Ein Vorbereitungsseminar hat Milena bereits absolviert. Dabei wurde sie auch auf die Gefahren in dem Land mit hoher Kriminalitätsrate hingewiesen. „Ich habe schon ein bisschen Bedenken“, sagt die Waschenbacherin, „aber ich komme damit klar“. Sie ist sich etwa der Diebstahlsgefahr bewusst und wird sich vorsehen. Voraussichtlich wird sie mit anderen Freiwilligen in einer WG zusammenwohnen oder zunächst in einer Gastfamilie, das stehe noch nicht fest.

Wichtig ist Milena, bei ihrem Projekt nicht von der „Dritten Welt“ zu reden. Sie wolle auch nicht „im imperialistischen Stil“ als Europäerin dorthin gehen, um zu helfen, sondern um auch selbst zu profitieren: „Ich möchte viel lernen und auf die Situation der Menschen dort aufmerksam machen.“

Zurzeit ist Milena noch dabei, Spender zu suchen. Dreiviertel der Kosten für das Auslandsjahr trägt das Ministerium, ein Viertel muss sie selbst aufbringen.