„Man muss authentisch sein“

Von 1989 bis 1993 und seit 2001 steht der Brandauer Georg Werner Balß der Gemeindevertretung von Modautal vor. Foto: Karl-Heinz Bärtl   Foto: Karl-Heinz Bärtl

Am Freitag dankt die Gemeinde Modautal mit einer kleinen Feierstunde Georg Werner Balß (SPD), der schon 20 Jahre der Gemeindevertretung vorsteht. Im Interview erklärt er, was...

Anzeige

BRANDAU. Am Freitag dankt die Gemeinde Modautal mit einer kleinen Feierstunde Georg Werner Balß (SPD), der schon 20 Jahre der Gemeindevertretung vorsteht. Im Interview erklärt er, was einen guten Parlamentschef ausmacht, was ihn auf die Palme bringt – und wann für ihn Schluss ist.

Herr Balß, wie kam es dazu, dass Sie 1989 zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung Modautal gewählt wurden?

Seit 1985 bin ich Mitglied der Gemeindevertretung. 1989 wurde der bisherige Vorsitzende Philipp Axt wiedergewählt, doch er legte nach zwei, drei Sitzungen sein Mandat nieder. Als ich gefragt wurde, ob ich mich aufstellen lasse, habe ich zugesagt.

Anzeige

Nach vier Jahren war zunächst aber wieder Schluss als Vorsitzender.

Weil 1993 die Mehrheiten gewechselt hatten. Peter Wendel von der CDU, Sohn des früheren Bürgermeisters, übernahm das Amt. Doch im Jahr 2001 war ich wieder an der Reihe. Seitdem leite ich in Modautal die Parlamentssitzungen.

Warum sind Sie damals nicht als Bürgermeisterkandidat angetreten?

Meine politische Karriere war damals schon beendet. Ich hatte ja einen Beruf, der der beste ist, den ich mir vorstellen kann. Ich musste als Staatsanwalt zwar oft lange arbeiten, aber ich hatte die Abende frei. Als Bürgermeister wäre das sicher nicht so gewesen.

Welche Eigenschaften braucht es, um ein guter Parlamentschef zu sein?

Anzeige

Nichts Besonderes. Es steht ja alles im Gesetz! Zuallererst sollte man neutral sein. Auch ist es sicherlich von Vorteil, wenn man die Bevölkerung kennt und weiß, wie man mit ihr umgehen muss. Ansonsten: Jeder hat seinen eigenen Stil. Ich kann keinen nachahmen, sonst bin ich eine Marionette. Man muss authentisch sein.

Welche Rolle spielen die Gemeindevertreter?

Es fällt mir leichter, wenn die Mitglieder des Parlaments um die Sache streiten. Wenn dies aber nicht geschieht, ist es wichtig, dass ich frühzeitig erkenne, wenn es in der Diskussion gravierende Unterschiede gibt. Dann kann ich über einen Einwurf schon mal etwas die Luft rauslassen.

Welchen Aufwand bedeutet das Amt für Sie persönlich?

Die Stunden zähle ich nicht. Warum auch? Ich mache das, weil ich es gerne mache. Es macht mir Spaß. Aber natürlich muss ich die Themen beherrschen, die auf die Tagesordnung kommen.

Wann ist Ihnen in den 20 Jahren mal etwas missglückt?

Ganz klar: Man macht auch Fehler. Ich habe mich bestimmt das ein oder andere Mal in einer Art ausgedrückt, die missverstanden werden kann. Generell sollte man die Sitzungen immer so gestalten, dass keine Missverständnisse aufkommen.

Gibt es ein Ritual, das Sie während der Sitzungen begleitet?

Ich komme immer pünktlich. Also kurz vor dem offiziellen Beginn. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Es geht nie zu spät los! Außerdem habe ich aus meiner ersten Amtszeit noch eine Glocke, die ich bei jeder Sitzung läute als hörbares Signal, dass es jetzt los geht.

Was bringt Sie auf die Palme?

Wenn die Redezeit nicht eingehalten wird. Und wenn nicht sachlich argumentiert wird.

Und warum sind Sie gerne Vorsitzender des Parlaments?

Weil es mir Spaß macht und weil ich gerne etwas für meine Gemeinde tun möchte.

Wie lange wird das noch sein?

Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass dies meine letzte Legislaturperiode ist. Alles hat seine Zeit.

Dann haben Sie mehr Zeit für Ihre Hobbys. Welche sind das?

Mit etwa zehn Freunden aus Brandau und Nachbarorten wandere ich so ein Mal im Monat und mit ehemaligen Kollegen jeden zweiten Monat. Zudem bin ich ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler – seit mehr als 60 Jahren. Außerdem singe ich seit mehr als 40 Jahren bei der Sängerlust Brandau. Und alle vier Wochen spiele ich mit drei Freunden Skat.

Das Interview führte Matthias Voigt.