Lob für artgerechte Haltung

Die Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin (links) überreicht einen Scheck über 4000 Euro sowie eine Urkunde für den Hessischen Tierschutzpreis an die beiden ersten Preisträger Dennis und Katja Hartmann aus Brandau. Foto: Dirk Zengel  Foto: Dirk Zengel

Vor dem Hofladen der Familie Hartmann in Brandau ist am Freitag der Hessische Preis für landwirtschaftliche Nutztierhalter vergeben worden. Landestierschutzbeauftragte Dr....

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BRANDAU. Vor dem Hofladen der Familie Hartmann in Brandau ist am Freitag der Hessische Preis für landwirtschaftliche Nutztierhalter vergeben worden. Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin ehrte damit zwei Landwirtschaftsbetriebe für ihren vorbildlichen Einsatz für das Tierwohl in der Nutztierhaltung. Es handelt sich um Katja und Dennis Hartmann, die 1800 Hühner in mobilen Ställen halten, sowie um Anja Trczensky und Christian Fuhr aus dem Groß-Umstädter Stadtteil Raibach, die einen stark aufs Tierwohl ausgerichteten Stall für 480 Schweine eingerichtet haben.

Dass der landesweite Preis ausgerechnet an zwei Betriebe aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg vergeben wurde, lag wohl auch daran, dass die Auszeichnung erst zum zweiten Mal ausgelobt wurde und daher noch relativ unbekannt ist. Denn gerade einmal drei Bewerbungen waren im Hessischen Umweltministerium eingegangen. Gleichwohl überzeugten die vorgestellten Konzepte die Jury.

Zwei Punkte beeindruckte die Preisrichter beim Konzept der Familie Hartmann: das Tierwohl sowie die Vermarktung. „Die besonders artgerechte Haltung lässt das Herz einer Tierärztin höher schlagen“, sagte Madeleine Martin, gelernte Tierärztin. Die fünf mobilen Hühnerställe werden rund um Brandau von Wiese zu Wiese gefahren. Durch die ständige Bewegung der Ställe werde ein geringer Parasitenbefall erreicht, eine hohe Gesundheit der Tiere und in der Folge auch eine hohe natürliche Legeleistung von Eiern.

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Auch das Vermarktungskonzept der Brandauer bestach. Die Eier verkaufen sie über den regionalen Einzelhandel sowie im eigenen Hofladen. Der wiederum auch Produkte anderer regionaler Erzeuger bereithält, darunter Forellen, Wild und Rindfleisch. „Wichtig ist, dass es keine weiten Wege zur Schlachtung gibt“, sagte die Tierschutzbeauftragte.

Für Modautals Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU) ist das Projekt auch deshalb so wertwoll, weil es von den Bürgern angenommen wird und sich deshalb auch trägt. Er erinnerte an Schwierigkeiten in der Anfangsphase bei der Nutzung der mobilen Hühnerställe, als Genehmigungen eingeholt werden mussten. Katja und Dennis Hartmann seien mit viel Einsatz in diesem Bereich vorangegangen. Auch förderten sie den Erfahrungstauch innerhalb der mobilen Hühnerstall-Halter, weil sie vor Jahren eine Gruppe auf Facebook gegründet haben und diese betreuen.

Bundestagsabgeordnete Astrid Mannes (CDU) wertete das Engagement der Preisträger als Beitrag, eine „vernünftige Versorgungsstruktur in den kleinen Orten zu erhalten“. Die ausgezeichneten Betriebe ermunterten hoffentlich andere zur Nachahmung.

Dennis Hartmann freute sich über die öffentliche Anerkennung, die der Preis mit sich bringt. Der Vertrieb regionaler Lebensmittel solle weiter gestärkt werden. „Letztlich haben es die Kunden mit ihrer Kaufentscheidung selbst in der Hand“, sagte der 37-Jährige.

Als „noch mutiger“ als Hartmanns pries Madeleine Martin den zweiten Preisträger an. Die Schweinehaltung stehe stark im Fokus der Öffentlichkeit. Es werde derzeit kaum investiert, „weil viele nicht wissen, in welche Richtung sie sich bewegt. “ Dagegen haben Christian Fuhr und Anja Trczensky auf ihrem Börncheshof in Raibach einen „Pig-port-Stall“ für 480 Schweine eingerichtet. Er ist unterteilt in mehrere Lebensbereiche und räumt jedem Tier eineinhalb Quadratmeter Fläche ein.

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„Der Stall ist nach Süden hin offen. Die Tiere haben auch Auslauf“, sagte Fuhr. Die Tierschutzbeauftragte zeigte sich begeistert: „Hier wird artgerechte Tierhaltung aufs Beste erfüllt.“

Von Matthias Voigt