Weiterstadt: AfD-Aussteiger über seine Entscheidung

Jürgen Sobich (Weiterstadt), zuvor Landtagskandidat und Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreis, hat die Nase voll: "Ich bin nicht mehr AfD-Mitglied."  Archivfoto: Andreas Kelm

Jürgen Sobich, zuvor Landtagskandidat und Kreis-Fraktionsvorsitzender, kehrt der Partei den Rücken. "Nur Rechthaberei, es fehlt die Fähigkeit zuzuhören."

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DARMSTADT-DIEBURG. "Ein Konflikt fängt immer mit einer Kränkung an", sinniert Jürgen Sobich, warum er nun aus der AfD-Partei ausgetreten ist. Aus der Kreistagsfraktion war er zuvor bereits rausgeworfen worden. Die Selbstzerfleischung der von vielen Darmstadt-Dieburger Wählern als Hoffnung empfundenen "Alternative für Deutschland" nimmt also kein Ende; oben auf Bundesebene, bis unten im Wahlkreis.

Warum nun also auch Jürgen Sobich (63), immerhin AfD-Direktkandidat der Landtagswahl 2018 und von März 2017 bis Februar 2018 AfD-Fraktionsvorsitzender im Kreisparlament? "Die Probleme kommen, weil der Landesvorstand ständig hineinfunkt", meint der gelernte Netzwerk-Ingenieur. "Wir sind ja ein bunter Haufen und man hat immer wieder versucht, uns von oben zu Themen eine bestimmte politische Linie vorzuschreiben." Für ihn seien beispielsweise Flüchtlinge erstmal Gäste, die in der Regel nicht freiwillig hierher gekommen seien. "Der Landesvorstand sieht in ihnen Eindringlinge."

"Jeder hält stur an seinem Denkmuster fest"

Konflikte und unterschiedliche Positionen zur Flüchtlingspolitik gibt's auch in anderen Parteien; warum enden sie in der AfD so oft mit Rauswurf oder Austritt? Mit der jahrelangen Erfahrung des Insiders - Sobich war zum 1. September 2015 in die AfD eingetreten - sagt er: "Es gibt nur Rechthaberei, keine Konsensfindung. Das Problem in der AfD ist: Jeder hält stur an seinem Denkmuster fest. Es fehlen die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mit anderen Ansichten auseinanderzusetzen, zuzuhören, gemeinsam Konsensbeschlüsse zu fassen."

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Ein solcher, nicht gelöster Personalkonflikt war Jürgen Sobichs Rauswurf aus der Fraktion vorausgegangen. Bärbel van Dijk, ein anderes Fraktionsmitglied, war nach internen Differenzen aus der Fraktion ausgeschlossen und als Fraktions-Geschäftsführerin entlassen worden. Fraktionsvorsitzender Sobich fand den Rauswurf nicht richtig und hätte nichts dagegen gehabt, das Verwaltungsgericht Kassel alles rechtlich klären zu lassen. Also wurde er - in Abwesenheit - selbst aus der Fraktion geworfen.

Zwei rechte Mini-Splittergruppen

Von den neun AfD-Kreistagsmitgliedern, die im März 2016 ins Parlament gewählt worden waren, sind mittlerweile nur noch vier dabei. Dafür gibt's - nach Abspaltungen - zwei weitere rechte Mini-Splittergruppen: Jürgen Sobich und Heinz Pullmann in der "Fald" (Für alle im Landkreis Darmstadt-Dieburg) und die "F 21". Dabei war auch Sobich mit viel Enthusiasmus ehrenamtlich in die Politik eingestiegen. "Jürgen, da gibt's ne Partei, die alles im Programm hat, worüber wir uns ständig ärgern", hatte ihm ein Bekannter vor Jahren gesagt. Inzwischen sieht es Jürgen Sobich anders: "Es war damals der richtige Entschluss. Aber in der AfD wird mit mangelnder sozialer Kompetenz regiert; andere sagen "skrupellos" dazu."

Was bedeutet das für die Zukunft? "Es gibt ja mittlerweile genug Verprellte für eine eigene Wahlliste im Landkreis, und so fühlen wir uns auch: verprellt." Klar sei nämlich auch: "Ich gebe keine Wahlempfehlung mehr für die AfD ab."

Von Reinhard Jörs