Robert Ahrnt: "Heag mobilo könnte die Straßenbahn planen"

Robert Ahrnt ist der neue Vize-Landrat. Im ECHO-Interview erklärt der Grünen-Politiker, wie er das Stau-Problem vor Darmstadt lösen will. Ahrnt favorisiert eine Straßenbahn ins Dieburger Land, ähnlich des Angebots nach Griesheim. Alle Alternativen sollen in einer Gegenüberstellung auf den Tisch kommen. Foto: Torsten Boor

Robert Ahrnt, grüner Vize-Landrat im Kreis, spricht im ECHO-Interview über Staus auf der B26, Öko-Region und neue Chancen für Landwirte.

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DARMSTADT-DIEBURG. Seit dem 1. Oktober ist Robert Ahrnt der neue grüne Vize-Landrat in Darmstadt-Dieburg. Vorgänger Christel Fleischmann hatte diesen Zeitpunkt zum Aufhören gewählt, damit sein Nachfolger ungestört von nahen Wahlterminen mit seiner Arbeit beginnen kann. Wo setzt der Neue Schwerpunkte? Das ECHO-Interview nach der ersten Woche zum Einarbeiten.

Herr Ahrnt, willkommen im neuen Job. Was wird Ihr erstes Projekt sein?

Ganz an der Spitze steht ja seit Monaten – bevor ich nur in die Nähe des Kreises kam – die Erwartung, dass ich beim Verkehr nach Darmstadt etwas Neues hinbekommen soll. Das ist mit Sicherheit im Moment die größte Aufgabe.

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Haben Sie da schon eine Idee?

Da hat ja auch meine Partei schon reagiert und festgehalten, dass wir nicht allein im Kreis etwas ändern können. Als Dadina-Vorsitzender bin ich da gefragt, wo Darmstadt und der Kreis zusammensitzen und den ÖPNV gemeinsam festlegen und auch bezahlen. In der nächsten Woche beginnen hier bei uns dafür Vorbereitungstreffen.

Mit welchem Ziel?

Erstmal alle Vorschläge, die in jüngster Zeit kamen, sortieren, Vor- und Nachteile benennen und Zahlen hintendran schreiben. Es geht ja vor allem um die bessere Anbindung in den Ostkreis, wo jetzt die B26 mit ständigen Staus überlastet ist. Beispielsweise Alternativen wie Seilbahn, Straßenbahn oder eine Stadt-Land-Bahn, also der Ausbau der Schiene. Und wenn gar nichts davon geht, Sammelbusse mit einem Großparkplatz vor der Stadt.

Aber das ist doch alles schon längst bekannt und untersucht.

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Wir haben einzelne Untersuchungen, ja. Vermutlich brauchen wir aber eine vergleichende Analyse. Ich möchte da gerne mal eine Gegenüberstellung sehen. Wobei klar ist, dass alle die Kosten-Nutzen-Schwelle, wie sie bisher gilt, nicht erreichen.

Haben Sie unter all den Vorschlägen einen Favoriten?

Ich lasse mich gerne überzeugen, aber eine Präferenz gibt es. Wir haben ein eigenes kommunales Unternehmen, die Heag mobilo. Die haben Ähnliches schon gemacht und könnten eine Verlängerung der Straßenbahn nach Groß-Zimmern selbst planen. Die Planung würde vermutlich länger dauern, als wir es uns wünschen, etwa drei bis vier Jahre. Aber dann könnten wir loslegen.

Also klar für die Straßenbahn?

Wenn es so einfach wäre. Dafür muss man erstmal Überzeugungsarbeit leisten. Wer beispielsweise aus Reinheim oder Georgenhausen kommt, müsste – gegenüber dem bisherigen Bus – erstmal umsteigen, um in die Straßenbahn zu kommen. Das ist für manche Pendler also umständlicher als mit dem Bus bisher. Einen Haufen Geld in die Hand nehmen, vielleicht neue Schneisen in den Wald schlagen; all das für manche Nachteile? Da werden viele Pendler sagen: Lasst doch alles, wie es ist. Doch wenn wir nichts tun, wird alles nur noch teurer und schlechter. Es rechnet sich halt nur langfristig.

Und da würde Darmstadt mitziehen und mitfinanzieren?

Auch im Kreishaushalt steht dafür noch kein Geld.

Ist es überhaupt sinnvoll, ein Millionenprojekt wie die Straßenbahn in den Ostkreis anzugehen, so lange die Kriterien für die Kosten-Nutzen-Berechnung noch unverändert sind? Braucht es erst die Grünen in der Bundesregierung, bis das geschieht?

Nein, im Gegenteil! CDU und SPDmüssen in Berlin beweisen, dass sie solche Umweltfragen auch hinbekommen. Ein Straßenbahnbau ist ja nun wirklich nicht revolutionär; ich bitte Sie. Und sollte am Ende die Seilbahn oder etwas anders rauskommen, bin ich auch dafür. Da bin ich leidenschaftslos.

Jenseits des Mega-Themas Verkehr gibt’s für Sie ja noch andere Aufgaben, wie die Schulen.

Da ist ja vieles gut. So gibt es einen verlässlichen Plan mit Kriterien, was wo gemacht wird. Die Schulen, die jetzt noch hintendran sind und lange gewartet haben, müssen etwas Gutes kriegen. Das bin ich Christel Fleischmann schuldig.

Gibt’s auch da einen Schwerpunkt?

Ja, die Rochade in Dieburg. Das wird ein tolles Stück. Ich hatte dazu viele kritische Fragen, aber alle konnten beantwortet werden. Darüber hinaus wird ein Schwerpunkt auf dem Umbau zu Ganztagsschulen liegen. Damit einhergehend ist die Essensversorgung von täglich Tausenden Schülern ein weiteres wichtiges Feld. Das gesunde Schul-Essen kann übrigens auch ein Thema in den Gesprächen der Öko-Modellregion sein.

Sind Sie da eingebunden?

Noch nicht. Aber ich informiere mich gerade, was derzeit läuft. Mit dem Projekt Öko-Modellregion kann sehr viel bewegt und angestoßen werden. Wie erzeugen und vermarkten unsere Landwirte ihre Produkte? In der Öko-Region geht es um die Dynamik, andere Perspektiven für die Bauern zu eröffnen, um ihnen zu helfen. Das ist ein spannendes Feld und hat mehr Auswirkungen auf Umwelt- und Artenschutz, als wenn wir hier oder da ein kleines Schutzgebiet einrichten.

Gibt es weitere Themen?

Eine Sache noch:Ich finde es wichtig, dass Verwaltung, Bürger und Politik im Austausch stehen. Dazu gehört zu erklären, was wir da tun. Immer wieder. Das kommt oft zu kurz. Dafür will ich mir die erforderliche Zeit nehmen.

Das Interview führte Reinhard Jörs.

Von Reinhard Jörs