Das rät der Dieburger Brandinspektor bei Gewitter

Blitze entladen sich aus einer Gewitterwolke über einer Ortschaft.  Foto: dpa

Allein im letzten Jahr hat es 466 Blitzeinschläge im Kreis Darmstadt-Dieburg gegeben, die vor allem im Freien gefährlich sind. Der Brandinspektor gibt deshalb Verhaltenstipps.

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DARMSTADT-DIEBURG. „Das war ein Schlag, wie eine Bombe“, erinnert sich Wolfgang Wojcik. Er war als Fußballpieler auf dem Platz, als im August 2008 ein heftiger Blitz in den Flutlichtmast des SV Eintracht Wald-Michelbach einschlug. „Die Spieler auf dem Nachbarfeld sind einfach umgefallen.“ Traurige Bilanz dieses Nachmittags: 23 Leicht-, zwei Schwerverletzte. Ein tragischer Blitz-Unfall, der zwar selten ist, aber doch immer wieder vorkommt und jährlich in Deutschland etwa drei Todesopfer fordert.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg schlug der Blitz im vergangenen Jahr 466 Mal ein, Daten, die vom Blitzinformationsdienst der Firma Siemens erhoben und in einem Blitzatlas veröffentlicht werden. Tritt ein Blitz beispielsweise in feuchtes Mauerwerk oder in einen Baum ein, verdampft das darin enthaltene Wasser explosionsartig und kann selbst dicke Eichen spalten, so geschehen im Groß-Umstädter Wald im Sommer 2019. Die 400 Jahre alte Gambseiche, ein Naturdenkmal, musste danach gefällt werden. In den Folgesommern kam es immer wieder zu heftigen Gewittern. Rund 35 Mal im Jahr müssen die Feuerwehren im Landkreis ausrücken, weil Blitze beispielsweise in Hausdächer einschlagen. „Gerade bei Trockenheit reicht ein Blitzeinschlag im Wald, um einen Flächenbrand auszulösen“, sagt Kreisbrandinspektor Heiko Schecker. „Kein Wunder, denn ein Blitz ist bis zu 30.000 Grad heiß“, erklärt Jochen Fulda, Blitzschutzexperte vom TÜV Hessen. Mittlerweile können Wissenschaftlern viele Blitzphänomene erklären. Wenn ein Mensch beispielsweise nicht mindestens drei Meter Abstand von einem hohen Objekt hält, dazu gehören Antennen, Türme, Masten oder hohe Bäume, kann er vom einschlagenden Blitz getroffen werden, weil dieser überspringt. „Das erkläre auch, warum bei jenem Fußballspiel 2008 so viele Spieler verletzt wurden.“

„Es sind schon ganze Kuhherden umgekippt“

Die kostenfreie App des Deutschen Wetterdienstes warnt bei jedem aufziehenden Gewitter. „Wer sich viel im Freien aufhält, sollte den Schutzengelmodus aktivieren. Dann wird das Handy per GPS geortet und warnt am jeweiligen Aufenthaltsort“, rät Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Von den existierenden vier Warnstufen müsse immer häufiger die Warnstufe Rot für Unwetter ausgerufen werden. Besonders gefährlich seien weniger Wärmegewitter, sondern Gewitterfronten. Das Risiko steige mit dem Tagesverlauf und sei morgens am geringsten. „Wird man in freiem Gelände von einem Gewitter überrascht, sollte man die Beine eng zusammenstellen und mit den Armen umklammern.“ Damit verringere sich die Schrittspannung, durch die ein erheblicher Strom fließen könne. „Es sind schon ganze Kuhherden umgekippt. Darum sollten sich auch Menschengruppen im Freien unbedingt aufteilen“, rät der Experte. Am sichersten sei man im Auto oder Zug. Hier wirke das Prinzip des „Faradayschen Käfigs“, da die Energie durch die Metallhülle der Fahrzeuge in die Erde geleitet werde. Zu den sicheren Orten gehören auch Wohnhäuser mit Blitzschutzanlagen.

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„Für Neubauten gibt es eine Risikoanalyse,“ sagt Blitzschutzexperte Gabor Kovaci von der Firma Adams-Blitzschutz in Erzhausen. Während Hochhäuser zu 99 Prozent mit Blitzschutzanlagen ausgestattet werden, nehme die Nachfrage bei privaten Wohnungseigentümern deutlich ab. „Das kann ich irgendwo verstehen, denn Blitzschutzanlagen sind teuer“, so der Experte. 3000 Euro müssten schon investiert werden, aber eine hundertprozentige Sicherheit könne dadurch auch nicht garantiert werden.