Wildschweine drängen an die Ortsränder

Eine Wildschweinrotte bei Tageslicht. Diese Aufnahme entstand per Zufall zwischen Ober-Nauses und Schloss-Nauses im Dezember 2014. Archivfoto: Hans-Fritz Lang  Foto:

Keiler, Bachen und Frischlinge fühlen sich im Odenwald sprichwörtlich sauwohl – allerdings zusehends nicht nur in den Wäldern, sondern auch in den Gebieten, die Menschen...

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HERING. Keiler, Bachen und Frischlinge fühlen sich im Odenwald sprichwörtlich sauwohl – allerdings zusehends nicht nur in den Wäldern, sondern auch in den Gebieten, die Menschen für sich reklamieren, wie im Otzberger Ortsteil Hering, wo Augenzeugen von „besonders zutraulichem Verhalten“ berichten. Der Heringer Jagdpächter Horst Heimer spricht von einem vermehrten Auftreten der Wildschweine. Dass sie in Richtung der Dörfer und Städte drängen, erklärt er mit der Witterung zum Jahresanfang. „Wegen des Frosts konnten die Wildschweine den Waldboden nicht aufbrechen, um dort Nahrung zu suchen.“

Frischlinge sind in diesem Jahr früh dran

Deshalb versuchten sie ihr Glück auf Wiesen und Feldern – oder in Gärten. „Ein Komposthaufen mit Essensresten ist für die Wildschweine ein gefundenes Fressen“, sagt Horst Heimer. Die Bevölkerung habe einen Einfluss darauf, wie nahe die Tiere den Häusern kämen. „Wegen des hohen Nahrungsangebotes sind die Tiere oft schon im Alter von einem halben Jahr geschlechtsreif“, fährt der Heringer Jagdpächter fort. Die Faustregel, nach der die Bachen im März werfen, gelte schon lange nicht mehr. Deshalb seien die Frischlinge dieses Jahr früh dran und könnten schon im Sommer Nachwuchs zeugen. Die Drückjagden sind seit Ende Januar vorbei, seitdem herrscht Schonzeit. Bis Juli dürfen keine Elterntiere erlegt werden. Gerade der Tod eines Muttertiers, das eine Rotte anführe, könne fatale Folgen haben, macht Horst Heimer deutlich. Eine solche Bache habe eine unangefochtene Führungsposition, sie entscheide, wo die Gruppe hingehe. „Wenn sie erschossen wird oder durch einen Unfall stirbt, kann auch nicht einfach ein anderes Tier ihren Platz einnehmen“, führt Heimer aus. Die Rotte sei dann orientierungslos und das Unfallrisiko steigt. Abgesehen davon ließen sich die Tiere auch nicht so einfach erwischen. „Sie sind unberechenbar“, warnt Heimer. Ein Jäger könne sich eine ganze Nacht auf dem Hochsitz postieren, ohne ein Tier zu Gesicht zu bekommen.

In der Regel keine Bedrohung für den Menschen

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Der Land- und Gastwirt Günter Koch, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Hering, pflichtet ihm bei. „Wildschweine gehören zu den intelligentesten Tieren im Wald“, sagt er. Eine Bache könne meist gut erkennen, wo ihrer Rotte Gefahr drohe. Hinzu komme, dass in befriedeten Gebieten die Jäger nur bei akuter Gefahr schießen. „Die Wildschweine wissen das“, ergänzt der Heringer Jagdpächter. Eine Plage würden die meisten Jäger im Odenwald trotz allem nicht sehen. Der frühere Ortslandwirt und Rechner der Heringer Jagdgenossenschaft, Hans Koch, gibt zu bedenken, dass die Schweine im Wald eine Funktion erfüllen: „Auf der Nahrungssuche reißen sie den Boden auf, der dann besser Samen aufnehmen kann.“ Da die Tiere – von Ausnahmefällen abgesehen – scheu seien, stellten sie in der Regel keine Bedrohung für Menschen dar, betont Horst Heimer. Gefährlich könne es nur werden, wenn eine Bache Angst um ihre Jungen habe: „Sie wird dann jeden Gegner angreifen, egal wer und was es ist.“