Trauerwerkstatt für Kinder öffnet ihre Pforten in Groß-Umstadt

Auch eine Handpuppe gehört zur neuen Trauerwerkstatt für Kinder und Jugendliche, des Hospizvereins Vorderer Odenwald. Zum Team gehören Peter Granzow (von links), Felicitas Kirschstein, Elvira Schuck, Brigitte Krämer und Ria Herd. Foto: Dorothee Dorschel

Dank der „Echo hilft!“-Benefizaktion konnte der Hospizverein Vorderer Odenwald Räume und Ausstattung in Groß-Umstadt finanzieren.

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GROSS-UMSTADT. Die Freude war spürbar am Sonntagnachmittag bei der Eröffnung der neuen Trauerwerkstatt für Kinder und Jugendliche des Hospizvereins Vorderer Odenwald. Maßgeblich finanziert durch die letztjährige Benefizaktion „Echo hilft!“, war es dem in Groß-Umstadt ansässigen Verein möglich geworden, einen geeigneten Raum anzumieten und mit den nötigen Mitteln auszustatten, um trauernde Kinder und Jugendliche zu betreuen.

Eine wohltuende Atmosphäre und Warmherzigkeit strahlt dieser Raum in einem privaten Wohngebäude am Wächtersbach aus. Man wolle hier mit der Trauergruppe einen neuen Weg gehen, sagte die Vorsitzende des Hospizvereins, Elisabeth Fischer. „Hier kann man getrost und vertraut sprechen und wieder den Weg zurück ins Leben finden.“ Ein herzlicher Dank erging deshalb ans „Darmstädter Echo“, „dass so eine grandiose Aktion überhaupt ins Leben gerufen wurde“.

Die Vorsitzende wünschte, dass hier „helfende Trauergespräche stattfinden können, fröhliche Kindergruppen toben können und dass das Projekt ein Gewinn und ein Wachstum ist für beide Seiten: für jene, die helfen und die, denen geholfen wird“. Trauer zulassen, Tränen und Worte für den Schmerz, sich der manchmal lähmenden Ohnmacht stellen und der Verzweiflung, das sollen und dürfen die jungen Hinterbliebenen hier, wo ein beruhigendes Wasserspiel fließt, viele Grünpflanzen und warme Farben für Behaglichkeit sorgen, eine ruhige Gesprächsecke, gemütliche Kissen und Regale voller Bücher und Spielsachen warten.

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Mittlerweile finden bereits Trauergespräche mit Kindern und Jugendlichen statt. Aktuell kämen zwölf Kinder, wie Ria Herd vom Trauerteam berichtete. Das jüngste sei fünf Jahre alt. „Werkeln und Basteln und was Tun ist ja etwas Positives“, erklärte die erfahrene Trauerbegleiterin. Im kreativen Arbeiten öffneten sich die Kinder eher. Deshalb gibt es in der Trauerwerkstatt große Malwände, einen Schrank voller Bastelutensilien und Musikinstrumente, Bilderbücher für alle Altersstufen, Materialien für Rollenspiele, Kuscheltiere und Puppen, auch eine Handpuppe, mit der man sich unterhalten kann.

Trauergespräche mit Eltern gehörten genauso dazu. „Wir begleiten Kinder, aber auch die Erwachsenen. In der Regel sind die Kinder aber allein hier, weil sie sich dann ganz anders äußern können.“ Sei zum Beispiel der Papa gestorben, wolle das Kind bei der Mama nicht traurig sein. Denn dann werde die ja wieder traurig, weiß Ria Herd. „Hier können die Kinder über ihre Ängste und Sorgen reden, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Bei uns wird aber auch viel gelacht.“ Während Kinder oft so ein Gesicht machten, das nach außen nichts preisgebe, könnten sie sich hier im geschützten Raum einmal anders zeigen, die Möglichkeit haben, auch mal wütend zu sein. Für 2020 ist die Gründung einer Kindertrauergruppe angedacht. Ebenso überlegt man, im kommenden Jahr eine Fortbildung für Erzieherinnen in Kindergärten anzubieten.

Zur Eröffnung der Trauerwerkstatt hatte der Chor St. Sebastian aus Eppertshausen einen Scheck in Höhe von 2000 Euro mitgebracht, der Erlös einer Musical-Aufführung in Münster. Auch die private Dr. Bergmann-Stiftung aus Reinheim unterstützt den Verein mit einer Spende.