Trauerbewältigung mit Peter Granzow

Archivfoto: Gudrun Hausl

Jeden trifft der Tod eines Nahestehenden unterschiedlich stark. Experte Peter Granzow vom Ökumenischen Hospizverein Vorderer Odenwald gibt Ratschläge für die Zeit nach der...

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DARMSTADT-DIEBURG. Egal ob der Tod eines nahestenden Menschen nun überraschend kommt oder absehbar war. Nach dem Verlust stellen sich den Hinterbliebenen viele Fragen rund um das Thema "Wie geht man mit Trauer um?". Peter Granzow, Trauerbegleiter beim Ökumenischen Hospizverein Vorderer Odenwald, gibt Antworten.

Warum empfinden wir überhaupt Trauer?

Weil wir den Verlust eines lieben, eines uns nahen Menschen spüren. Die Trauer entsteht dann, wenn ich eine enge Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Durch den Tod des Nahestehenden erleide ich einen Verlust. Jemand, an den ich mich mitunter über Jahrzehnte gewöhnt habe, ist plötzlich nicht mehr da. Und aus dem Verlust entsteht dann der Schmerz.

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Wie viel Trauer ist normal?

Ich werde oft gefragt: Wie lange muss ich das noch aushalten? Die Antwort kann nur heißen: Das ist individuell ganz verschieden. Auch hier liegt es an der Tiefe der Beziehung, die ich zu dem Verstorbenen hatte, und an meinem eigenen sozialen Umfeld. Manchmal empfinden Angehörige den Verlust unheimlich intensiv und trauern lang anhaltend. Manche, die weniger soziale Kontakte haben, erstarren in der Trauer, weil sie nicht mehr die Kraft finden, nach draußen zu gehen, Menschen zu treffen und die Trauer zu überwinden.

Und was ist mit Menschen, die überhaupt nicht trauern? Es gibt auch den Typ Mensch, der alles verdrängt und sich hyperaktiv in die Arbeit stürzt. Er übernimmt Ehrenamt um Ehrenamt, um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen. Doch in diesem Fall wird sein Bewusstsein betrogen, indem es von Arbeit überlagert wird. Doch oftmals kommt dann der Schmerz nach Jahren an die Oberfläche, was auch zu Depressionen führen kann.

Wann setzt Trauer ein?

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Meist ist es Wochen nach der Beerdigung, nachdem die organisatorischen Dinge geklärt sind und die Zeit reif ist, die eigenen Gefühle rauszulassen. Viele Freunde und Bekannte denken, die schlimmste Stunde sei während der Beerdigung, wenn sie den Angehörigen ihr Beileid wünschen. Doch der große Schmerz kommt erst später.

Welche Rituale gibt es, um den Schmerz zu lindern?

Zu weinen, auch viel über das Erlebte und Empfundene zu sprechen, sind wichtige Faktoren. Ich rate den Trauernden oft, zu schreiben. Etwa ein Tagebuch oder einen Brief an den Verstorbenen. Getreu dem Sprichwort: Sich was von der Seele schreiben. Beim Schreiben kann ich oftmals meine Gefühle stärker ausdrücken als beim Reden. Wenn man die Briefe aufhebt, kann man auch nach Jahren noch nachempfinden, was einen in den Wochen nach dem Tod bewegt hat, was man damals empfunden hat. Zu den traditionellen Ritualen gehört der Besuch am Grab, Bilder des Verstorbenen in der eigenen Wohnung aufzustellen sowie Kerzen anzuzünden. Rituale helfen, Halt zu fassen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich professionelle Hilfe brauche?

Im Ostkreis von Darmstadt-Dieburg halten wir vom Ökumenischen Hospizverein Vorderer Odenwald umfangreiche Angebote vor, von der Trauergruppe, dem Trauercafé bis zu Einzelgesprächen. Informieren kann man sich am Trauertelefon unter 0175-545 21 77. Allen anderen lege ich das Netzwerk Trauer Südhessen (www.netzwerk-trauer.de) ans Herz, dass eine Vielfalt von Kontakten bereithält.

Von Matthias Voigt