Groß-Umstadt feiert seine Ersterwähnung vor 1275 Jahren

Zur 1275-Jahr-Feier ist auf dem Marktplatz in Groß-Umstadt ein Weindorf aufgebaut. Foto: Guido Schiek

Mit Festreden und einem mehrtägigen Programm feiert Groß-Umstadt die Ersterwähnung als "Autmundisstat" im Jahr 743. Gefeiert wird bis zum 19. August.

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GROSS-UMSTADT. Schon seit langer Zeit sei er nicht mehr hier gewesen, und beim Näherkommen habe er festgestellt, dass sich die Landschaft nicht wesentlich verändert habe, wohl aber die Städte. Dies gelte vor allem auch für Groß-Umstadt. Mit diesen Worten eröffnete Kurt Biedenkopf am Freitag seine Ausführungen beim Festabend anlässlich der 1275-Jahr-Feier Groß-Umstadts.

Der 88 Jahre alte CDU-Politiker und ehemalige Ministerpräsident Sachsens (1990-2002) war als Gastredner in die Stadt gekommen, in die er schon als Kind so manche Tage verbracht hatte. Denn, so erinnerte sich Biedenkopf, "mein Großvater war ein wichtiger Mann in Groß-Umstadt". 1906 sei dieser aus Chemnitz nach Südhessen übersiedelt, um dort die Leitung der Landwirtschaftlichen höheren Schule zu übernehmen. Sein Vater sei hier zur Schule gegangen. Zum Wohnsitz für Kurt Biedenkopf, wenn auch nur für vier Jahre, wurde Groß-Umstadt 1945. Hier blieb Biedenkopf bis zum Abitur 1949 am heutigen Max-Planck-Gymnasium.

So manche Begebenheit aus seiner Zeit in Groß-Umstadt wusste Kurt Biedenkopf zu erzählen. Etwa die Fahrt mit dem Rad zu einer Druckerei in Aschaffenburg im Jahr 1947, um die Schülerzeitung abzuholen. Um das Geld für die unerwartet hohe Druckerei-Rechnung zusammenzubekommen, habe man dann ein Schulfest veranstaltet und dort bei den Eltern Spenden eingesammelt.

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Dies zeige, dass eine Gemeinschaft, dass eine Stadt aus eigener Kraft tätig wird, um Probleme zu lösen, sagte Biedenkopf und machte einen Sprung in seine Zeit als sächsischer Ministerpräsident. Er habe sich dafür stark gemacht, dass Städte und Gemeinden nicht zu viel Raum an höhere Instanzen verlieren, auch wenn diese dafür Geld geben, aber eben auch Wünsche äußern. Dadurch schwinde die Bereitschaft der Bürger, sich selbst für ihre Gemeinde einzusetzen und dafür auch Leistung zu erbringen. "Man kann sich nur für eine Sache einsetzen, wenn man sie mag", so Biedenkopf. Groß-Umstadt habe eine eindrucksvolle Vergangenheit. Die dauernden Veränderungen hätten jedoch nie dazu geführt, dass die Stadt unterging. Deshalb werde Groß-Umstadt auch eine Zukunft haben, weil die Stadt und ihre Bewohner selbstständig sein und Verantwortung tragen wollten, so Biedenkopfs Schlussworte.

Von den vielen Veränderungen und Neuorientierungen unter verschiedenen Herren, die Groß-Umstadt seit seiner ersten Erwähnung als "Autmundisstat" im Jahr 743 überstehen musste, hatte vor dem prominenten Gastredner auch Bürgermeister Joachim Ruppert gesprochen. Die Gäste hörten eine "Gratulation an Umstadt" und einen Dank an all jene, die über Jahre hinweg das pflegten, was Groß-Umstadt ausmache, unter anderem der Wein, die historische Altstadt, die Kultur. Große Akteure seien die Vereine, auf deren Schultern das alles ruhe. Und ein Stückchen Monarchie habe man sich mit den Weinhoheiten bewahrt, so Ruppert.

Als "besondere Liebeserklärung für eine besondere Stadt" wollte Landrat Klaus Peter Schellhaas seine Grußworte verstanden wissen. "Diese Architektur so zu erhalten, macht heute den Flair und das Gesicht dieser Stadt aus, dazu eine wunderbare Anbindung an die Umgebung und nicht zuletzt der Wein als bereicherndes Element - es sind die Menschen, die es dazu machen." Mit ihrer Weltoffenheit und Integrationsbereitschaft trügen sie diese Stadt und "machen, was sie immer machen - entspannt feiern!"

Einen Überblick über 1275 Jahre Groß-Umstadt gab Franz Huber vom Museums- und Geschichtsverein, aufgelockert durch Theaterszenen von Mitgliedern des Odenwaldklubs und musikalisch untermalt von der Gruppe Autmundi Brass.

Fast unter ging am Ende der Veranstaltung, moderiert von dem Umstädter Stefan Stapp und musikalisch aufgelockert von der Bigband des Max-Planck-Gymnasiums, die Ehrung von drei Männern, die sich besonders um die Erforschung der Stadtgeschichte verdient gemacht haben. Viel zu verdanken habe die Stadt hier Franz Huber und dem langjährigen Leiter des Stadtarchivs, Georg Brenner, sowie dem im vergangenen Jahr verstorbenen Ehrenbürgermeister Wilfried Köbler, sagte Bürgermeister Ruppert.