An Ostern raus ins Grüne zur Heuneburg

aus Wandern in Südhessen

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1. Wenige Meter nach Beginn der Wanderung, die Manfried Hering ausgesucht hat, führt der Weg am Waldrand entlang.

Um nach Ostermontag die Waage nicht scheuen zu müssen, empfiehlt sich ein Spaziergang in der Nähe von Schloss Lichtenberg. Ein OWK-Urgestein gibt einen Wandertipp.

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MODAUTAL/FISCHBACHTAL/ GROSS-BIEBERAU. Die Ostertage stehen unmittelbar bevor. Und damit auch unzählige Anlässe, an denen reihenweise Braten, Osterlamm und Schokoladeneier verspeist werden können. Um den Blick auf die Waage nach Ostermontag nicht scheuen zu müssen, bietet sich ein ausgedehnter Spaziergang an. Das ECHO gibt einen Wandertipp, der frische Waldluft mit tollen Ausblicken und Historischem verbindet.

Für unsere Tour, die etwa acht Kilometer lang ist, hat Manfried Hering den Hottenbacher Hof als Ausgangspunkt ausgewählt. "Für die Strecke braucht man ungefähr drei bis vier Stunden. Je nachdem, wie viele Pausen man machen möchte", sagt der Ernsthöfer, den man getrost als Urgestein beim Odenwaldklub bezeichnen kann. Der erfahrene Wanderführer hat die Route für uns ausgewählt.

Der Hottenbacher Hof, der von Familie Simmermacher betrieben wird, liegt unweit der beiden Dörfer Rodau (Groß-Bieberau) und Klein-Bieberau (Modautal). Wo im Dezember unzählige Familien auf den Schonungen rund um den Hof ihre Weihnachtsbäume schlagen, beginnt unsere Wanderung. Zwischen Scheune und Hofreite folgen wir links bergan dem Weg. Das gelbe Kreuz auf weißem Grund markiert in diesem Bereich unsere Strecke.

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GPS-Koordinaten finden sich am Wegweiser

Nach mehreren Richtungsänderungen und gut 800 Metern bietet sich sogleich eine Verschnaufpause mit Ausblick an. Erreicht ist die Dieter Held-Hütte am südlichsten Punkt unserer Strecke. Der Jagdpächter aus Klein-Bieberau (1940 bis 2003) machte sich als Förderer von Kirchengemeinden, Kommunen und Vereinen in unserer Region einen Namen. Über Felder schweift der Blick zum etwas unterhalb gelegenen Fischbachtaler Ortsteil Billings. "Den Wald im Rücken, dazu der schöne Ausblick: Das ist es, was Wanderer am liebsten haben", sagt Manfried Hering mit Verweis auf die 288 Meter hoch gelegene Hütte.

Aus Richtung Lützelbach trifft nun der Jost-1-Wanderweg auf unseren Pfad, dem wir fortan nachgehen. Markiert ist er mit einer grünen 1 auf weißem Grund, die von einem nach oben hin geöffneten Kreis umgeben ist. Darüber steht ein J. Für alle Wanderer, die sich nach dem GPS richten, sind die Koordinaten am unteren Ende des Wegweisers angebracht.

Wir kommen durchaus etwas ins Schwitzen, während der Weg weiterhin bergan geht, flankiert von dichtem Wald, der vornehmlich aus Buchen besteht. Nach einem Abzweig scharf nach links kommt eine Quelle zum Vorschein: der Kernbacher Steinbruchbrunnen. Doch Vorsicht! Das Rinnsal ist kein Trinkwasser. Weiter geht es bergauf, bis sich eine Lichtung auftut. Erreicht ist die Kernbacher Hütte. Einst stand sie allen Wanderern als Gaststätte zur Verfügung. "Am ersten Mai kamen hier vor vielen Jahrzehnten die Leute zusammen, um Eier und Speck zu essen", erinnert sich Manfried Hering.

Wenige Meter hinter der Hütte treffen wir auf eine Wegekreuzung. Der zweite Weg von rechts, immer noch bergauf führend, ist der richtige. Ein von weither sichtbarer Sendemast liegt entlang unserer Strecke, bis wir am höchsten Punkt der Wanderung, auf 376 Meter Höhe, ankommen: der Heuneburg. Eine Infotafel des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald gibt Auskunft über das Hauptziel unserer Wanderung. Die hinter der kleinen Schutzhütte gelegenen Steine sind die letzten Überbleibsel eines Ringwalls. Dieser begründete eine Wehranlage in der keltisch-germanischen Zeit (etwa 100 nach Christus). "Dieser Ort eignet sich gut zur Rast, und auch Kinder können hier einiges erleben und entdecken", weiß der Wanderführer.

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Abstecher zum Schloss Lichtenberg möglich

Von nun an verengt sich der Forstweg zu einem schmaleren Pfad bergab, der uns schließlich zum Waldrand bringt. Dort zeigt die markante Tempeleiche, wo der Ortsteil Lichtenberg beginnt. Wir bleiben am Ortsrand, halten uns westlich der Bebauung und steigen einige Stufen herab, bis wir den Parkplatz Riedbusch erreichen. Wer möchte, kann nun rechter Hand den kurzen Abstecher über den Eselsbrunnen hinauf zum Schloss Lichtenberg nehmen und auf gleichem Weg zurückkommen.

Ob nun mit oder ohne Abstecher: die weitere Wanderung folgt dem Alemannenweg des Odenwaldklubs, ausgezeichnet mit einem roten A auf weißem Grund. Er geleitet uns sachte bergab übers Feld. Nach einigen hunderten Metern lohnt ein kurzes Innehalten, denn hinter lose zwischen den Äckern verteilten Hecken und Bäumen liegt das Örtchen Rodau. Zunächst am Waldrand entlang, dann quer durch den Forst, bringt uns der Weg wieder in Sichtweite des Hottenbacher Hofs.

Nach der Wanderung mit ihren gut 360 Höhenmetern ist auch wieder genügend Platz im Magen, um der Vesperstube am Hottenbacher Hof einen Besuch abzustatten. Sie ist Karfreitag ab 11 Uhr geöffnet, am Ostersamstag ab 14 Uhr. Die Forellen sind besonders zu empfehlen.

Von Matthias Voigt