Leiche in Münster - Angeklagter beschuldigt seine Frau

Der Angeklagte aus Breuberg verbirgt sein Gesicht im Gerichtssaal hinter einem Aktenordner. Foto: Marc Wickel

Ein 52-Jähriger steht vor Gericht, weil er seine Geliebte aus Eifersucht getötet und dann die Leiche bei Münster abgelegt haben soll. Nun bezichtigt er seine Frau der Tat.

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DARMSTADT/MÜNSTER. Die Ehefrau soll es gewesen sein. Das ist kurzgefasst der überraschende Inhalt der Einlassung, die der Angeklagte am Mittwoch im Prozess um die Leiche im Münsterer Wald im Landgericht Darmstadt abgegeben hat. Bislang hatte der Mann aus Breuberg erklärt, dass er die 47 Jahre alte Frankfurterin, mit der er eine Beziehung hatte, nach einem Ausflug am 20. August 2017 wieder zuhause abgesetzt habe.

Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass der 52 Jahre alte Angeklagte die Frau am 20. August aus Eifersucht entführt, betäubt, missbraucht und dann getötet hat. Indizien, die aus Sicht der Anklage dafür sprechen, sind unter anderem Videodateien mit eifersüchtigen Monologen des Angeklagten, Spermaspuren, die Flucht des Angeklagten nach Frankreich und dass das müde machende Neuroleptikum des Angeklagten im Blut und im Magen der Toten nachgewiesen werden konnte.

Nun aber soll es ganz anders gewesen sein, wenn man der vom Vorsitzenden Richter Volker Wagner verlesenen, mehrseitigen, aus dem Türkischen übersetzten Erklärung des Angeklagten folgt. Der zufolge will der Angeklagte die Beziehung zu der Frankfurterin beendet haben, weil er glaubte, dass sie noch andere Beziehungen habe. Aber eine Woche später, am 20. August, habe sich die Frau noch einmal mit ihm treffen wollen.

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Nachts, gegen 23 Uhr, sei man dann zum Büro des Angeklagten nach Breuberg gefahren, um Unterlagen für einen Termin am kommenden Montag zu holen. Dort habe er dann seine Ehefrau getroffen - die Familie des Angeklagten, Frau und fünf Kinder, wohnten im gleichen Gebäude.

Die Ehefrau habe dann die Geliebte des Mannes treffen wollen, die noch im Auto saß. "Wenn sie schon mal da ist, will ich mit ihr reden", habe die Ehefrau gesagt. "Ich will ihr auch eine Tasse Kaffee machen." Als er zum Auto kam, habe seine Frau im Fond gesessen und die Frankfurterin auf dem Beifahrersitz sei tot gewesen.

"Ihr Herz schlug nicht mehr", so der Angeklagte. "Meine Ehefrau sagte: 'Ich habe ihr was von deinen Medikamenten in den Kaffee getan. Sie darf meine Familie und mein Heim nicht zerstören.'" Der Angeklagte schilderte, dass er vor seiner Frau Angst habe, weil sie vor einigen Jahren auch eines seiner Häuser in Höchst im Odenwald angezündet habe, um ans Geld von der Versicherung zu kommen.

Ein Video vom 15. August 2017 war auch Thema am neunten Verhandlungstag. Es zeigt, wie der Angeklagte und die Frankfurterin erst wechselseitig Liebesschwüre austauschen, bis der Angeklagte fragt: "Hast du jemals gedacht, dass dir was passieren könnte?" Und sie kurz darauf der Untreue bezichtigt: "Wie ist es, mit den Gefühlen eines Menschen zu spielen?"

Es gibt weiterhin ein Video des Angeklagten vom 16. August, in dem er in einem Monolog eifersüchtig schildert, dass die Frankfurterin nachts um 4 Uhr online sei.

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Staatsanwalt Nico Kalb erklärte in einer Pause, dass man die Einlassung prüfe und die Polizei schon informiert sei. Auch werde man schauen, was es mit dem Brand in Höchst auf sich habe. Er erinnerte auch daran, dass die Ehefrau bis zur Festnahme ihres Mannes eng mit der Zielfahndung zusammengearbeitet habe.