Cattalk-Expertin versteht jede Katze

Polly schlägt mit ihrer Pfote ein "High Five" ein. Die Dieburger Katzenpsychologin Carmen Schell hat sich vor fünf Jahren mit "Cattalk" selbstständig gemacht.  Foto: Christina Kolb

Carmen Schell ist zertifizierte Katzenpsychologin in Dieburg und kümmert sich um verhaltensauffällige Tiere. Vor dem Weltkatzentag am 8. August hat das ECHO sie besucht.

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DIEBURG. Carmen Schell lockt Polly fürs Fotoshooting aus ihrem Häuschen im Freigehege, hält der Katze ein Leckerli hin, fordert sie zum "Sit" auf. Die Katze setzt sich, und schlägt ihrem Frauchen auf Kommando mit der Pfote "High Five" ein - Fünf auf die Hand. Großes Lob "Fein, super". Alles in Schells Haus in Dieburg ist auf Katzen eingerichtet: Sie können auf einem aus Buchstützen selbst gebauten Catwalk an der Wand entlang laufen, sich an zwei Kratzbäumen austoben, auf mehreren Kissen ausruhen - oder nach draußen ins Freigehege gehen, das zur großen Katzen-Spielwiese umgestaltet ist.

Carmen Schell ist nicht nur Katzenliebhaberin und Frauchen von zwei 14 Jahre alten Stubentigern, Polly und Cleo. Die 40-jährige Dieburgerin ist auch zertifizierte Katzenpsychologin, die sich um verhaltensauffällige Tiere kümmert. Kurz vor dem Weltkatzentag am 8. August hat das ECHO sie besucht.

Mit "Cattalk" in die Selbstständigkeit

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Es ist nicht alles für die Katz', und die Tiere sind auch nicht unbelehrbar: "Egal, ob ein Tier plötzlich unsauber oder aggressiv ist, ob eine scheue Katze eingewöhnt werden soll oder man mehrere Katzen miteinander vergesellschaften möchte, unterstütze ich mit meinem Fachwissen und meiner Empathie für die Tiere", sagt sie. 14 Jahre ist es her, dass sich die Dieburgerin, die mit Hunden aufgewachsen ist, überhaupt erst mit Katzen befasst hat. Durch ihre zwei Stubentiger kam sie damals darauf, ehrenamtlich im Tierheim zu helfen. "Vor allem problematische Katzen habe ich dort ins Herz geschlossen und kam auch mit ihnen klar", erinnert sie sich.

Vor fünf Jahren hat sie ihre Leidenschaft schließlich zum Beruf gemacht und sich nach einer 13-monatigen Ausbildung zur Tierpsychologin mit "Cattalk" selbstständig gemacht.

Eine Katzenflüsterin also? "Nein", betont Schell, die ihren Beruf als Qualitätsmanagerin in der Wirtschaft seitdem nur noch in Teilzeit ausübt. Sie sieht ihre Tätigkeit vielmehr als mobile Verhaltensberaterin für Katzen im Rhein-Main-Gebiet. Kommunikation sei hier ihr Haupttätigkeitsfeld. "Es geht darum, die Katzensprache zu verstehen und zu vermitteln", erläutert die Expertin. Außerdem hält die 40-Jährige Seminare für interessierte Katzenhalter, schult Kollegen ebenso wie Pflegepersonal in Tierheimen, leitet Fortbildungen unter anderem für den Landestierschutzverband Hessen und hat nebenbei auch schon zwei Ratgeber-Bücher herausgebracht.

Carmen Schell als letzte Rettung

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Die Nachfrage ist enorm. Mehr als 500 Haushalte hat die Katzenberaterin innerhalb der fünf Jahre bereits beraten. Mit sechs bis acht Wochen Wartezeit müssen Neukunden derzeit rechnen. Rund 13 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten. "Wenn Katzenbesitzer mich um Hilfe bitten, haben sie meistens schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich, ich bin ihre letzte Rettung", weiß Schell. Gibt es denn so viele Problemkatzen? "Es sind die veränderten Lebensumstände von Katzen, die Anforderungen sind gestiegen", vermutet sie den Grund für vermehrte Verhaltensauffälligkeiten. "Viele Katzen wachsen in beengtem Umfeld in Städten auf, werden immer häufiger in Wohnungen gehalten, Freigänger müssen sich ihr Revier mit vielen anderen Tieren teilen, die Besitzer gehen oft ganztags arbeiten", erzählt sie. Die Folge: Oft fallen die Katzen mit aggressivem Verhalten auf, pieseln plötzlich in die Wohnung oder zerkratzen Möbel. "Manchmal sind die Ursachen nur Kleinigkeiten", weiß die Fachfrau, die in der Regel zu den Katzenhaltern nach Hause fährt. So habe sie eine Familie beraten, deren Katze trotz acht aufgestellten Katzenklos im ganzen Haus stets wieder auf den Teppich gepinkelt hat. "Die Bauart der WC's war der Grund dafür", fand sie schnell heraus. Neue wurden angeschafft und das Problem war gelöst.