Mein Rezept: Tee aus Ackerschachtelhalm ist gut für...

Pfarrerin Andrea Thiemann aus Bickenbach schwört auf den Tee aus getrocknetem Ackerschachtelhalm. Foto: Karl-Heinz Bärtl  Foto: Karl-Heinz Bärtl

Gärtnern ist der Ackerschachtelhalm eher ein Graus. Denn er breitet sich gern aus und ist schwer zu vertreiben. Doch es handelt sich um eine uralte Pflanze. Immerhin bedeckte...

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BICKENBACH. Gärtnern ist der Ackerschachtelhalm eher ein Graus. Denn er breitet sich gern aus und ist schwer zu vertreiben. Doch es handelt sich um eine uralte Pflanze. Immerhin bedeckte Ackerschachtelhalm schon vor rund 400 Millionen Jahre die Erde, damals als rund 40 Meter hohe Bäume. Jetzt wird er im Garten oder auf Feldern lediglich rund 40 Zentimeter hoch. Schon zur Zeit der Dinosaurier gediehen die Pflanzen prächtig.

Pfarrerin Andrea Thiemann aus Bickenbach schwört auf den Tee aus getrocknetem Ackerschachtelhalm. Foto: Karl-Heinz Bärtl  Foto: Karl-Heinz Bärtl

Andrea Thiemann, die Bickenbacher Pfarrerin, kennt sich mit ihnen gut aus. „Ich bin im Urlaub in Südtirol auf sie aufmerksam geworden und habe mich seitdem durch die Lektüre von Kräuterfachbüchern weitergebildet“, berichtet sie. Obwohl in ihrem Garten am Pfarrhaus bei der Evangelischen Kirche kein Ackerschachtelhalm gedeiht, hat sie inzwischen beim Gang durch die Gemeinde Stellen entdeckt, an denen er prächtig gedeiht.

Equisetum arvense, so der lateinische Fachname, hat es nämlich so richtig in sich. „Er ist die Pflanze mit dem höchsten Gehalt an Silicium (Kieselsäure) und ist daher wertvoll für Bindegewebe, Sehnen, Bänder, Haare und Haut sowie die Bildung der harten Substanzen bei Zähnen, Knochen und Nägeln“, berichtet die Pfarrerin. Wegen des hohen Kieselsäuregehalts in Kristallform wird die Pflanze, die an kleine Tannenbäume erinnert, auch Zinnkraut genannt. „Damit wurden früher Gerätschaften aus Metall, vorzugsweise aus Zinne gereinigt, daher auch dieser Name“, erklärt Andrea Thiemann. Neben der Kieselsäure enthält der Ackerschachtelhalm weitere Stoffe wie Alkaloide, Saponien, Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Mangan.

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Jetzt im Juni und Juli sei die beste Zeit für die Ernte der grünen Halme, die man gut an ihren geschachtelten Gliedern erkennen kann. „Man sollte jedoch vorsichtig sein beim Sammeln und den Ackerschachtelhalm gut von seinem unbekömmlichen und giftigen Verwandten, dem Sumpfschachtelhalm unterscheiden“, sagt Thiemann. Während der Ackerschachtelhalm am Halm selbst kurze Glieder und an den Seitentrieben die langen Glieder hat, ist es beim Sumpfschachtelhalm gerade umgekehrt, sodass die Unterscheidung zwischen beiden eigentlich leicht fällt.

Die Pflanzen trocknet Andrea Thiemann nach der Ernte im Dunkeln und bewahrt sie danach im Ganzen in Leinensäckchen auf. Sie bereitet aus dem getrockneten und klein gebrochenen Kraut dann Tee zu, den sie über den Tag verteilt tassenweise trinkt. Obwohl sie diesen grünlichen Tee ohne Zucker genießt, ist der Aufguß recht angenehm und fein im Geschmack und keineswegs bitter. Sie nutzt den Tee auch als Basis für eine pflegende Hautcreme, die besonders gut gegen trockene Haut wirkt. „Wildkräuter und ganz alltägliche Pflanzen sind ein Geschenk der Natur, die ich gern als Heilmittel nutze“, sagt die Pfarrerin. So trocknet sie Holunderblüten und Lindenblüten, um sie als Tee bei Erkältungen einzusetzen.