Mal evangelisch, mal katholisch

Seine Thesen haben auch im Odenwald für Furore gesorgt: Martin Luther. Archivfoto: dpa  Foto:

(red). „Die reformatorische Bewegung in der Grafschaft Erbach und in der Nachbarschaft, unter besonderer Berücksichtigung des gräflichen Hauses Erbach-Schönberg“: Über...

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ZOTZENBACH. „Die reformatorische Bewegung in der Grafschaft Erbach und in der Nachbarschaft, unter besonderer Berücksichtigung des gräflichen Hauses Erbach-Schönberg“: Über dieses Thema referierte Heimatforscher Dr. Peter W. Sattler (Mossautal) im gut besetzten Roten Haus des Heimat- und Museumsvereins in Zotzenbach. Dabei arbeitete Sattler heraus, dass es infolge des häufigen Wechsels der Pfalzgrafen zu mehrfachem Glaubenswechsel kam. Die Untertanen wechselten entsprechend zu lutherisch-evangelisch, reformiert und römisch-katholisch.

Zusätzliche Wirren gab es infolge der kleinteiligen Besitzverhältnisse von Kurmainz, Kurpfalz und dem dazwischenliegenden Erbacher Territorium. Die reformatorischen Bestrebungen setzten im Odenwald kurz nach Auftritt Luthers vor Kaiser Karl V. in Worms 1521 ein. 1556 wurde eine Kirchenordnung in der Gesamtgrafschaft Erbach erlassen und 1717 ein eigenes Amt Erbach-Schönberg geschaffen. Dazu gehörten Schönberg, Lautern, Reichenbach, Hohenstein, Elmshausen, Wilmshausen Gronau, Zell, Gadernheim, Lützelrimbach, Rimbach, Münschbach und Zotzenbach.

Gegen Fegefeuer und Ablasshandel

Schon vor dem Erlass der Kirchenordnung verfasste Graf Georg II. von Erbach eine Schrift für die lutherisch gesinnten Pfarrer seines Landes. Darin heißt es: „Verneinet, dass der Papst das Haupt der Kirche sei; behauptet, dass die Messe kein Opfer für andere ist; lehret, dass das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt werden müsse; verurteilt den Glauben an das Fegefeuer; vermeidet die Anrufung der Heiligen; verwerft die Ohrenbeichte; sagt, dass die Fastentage mit gutem Gewissen unterlassen werden können; behauptet, dass die Priesterehe erlaubt sei.“

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Graf Georgs II. Vater, Graf Eberhard XIII, wurde vom Erzbischof von Mainz aufgefordert, „dem Treiben der lutherischen Sekte“ Einhalt zu gebieten. Graf Eberhard lehnte jedoch die verlangte Auslieferung der als missliebig gemeldeten Geistlichen ab. Auf dem Totenbett empfing er nach katholischem Ritus die letzte Ölung. Andererseits nahm er noch kurz davor nach protestantischem Ritus das Abendmahl in zweierlei Gestalt. Dies zeige, dass die Reformation in der Grafschaft Erbach nicht an einem einzigen Tag eingetreten sei. Auch der Zeitpunkt des Glaubensumschwungs sei nicht auf ein einziges Jahr festlegbar, so der Referent. Zudem lief die Reformation nicht ohne Komplikationen ab. So widersetzte sich ein Geistlicher in Erbach der Messe, die ein Altarrist (Vikar) halten wollte. Am Weihnachtstag kam es vor dem Altar zu massiven Handgreiflichkeiten.

In Hirschhorn hielt schon 1529 die Reformation Einzug. In der katholischen Karmeliterkirche wurde seit 1546 auf Anordnung der Herren von Hirschhorn lutherisch-evangelischer Gottesdienst gehalten. Gleiches gilt für die Herren von Neckarsteinach. Schon 1522 hatten sie den ersten evangelischen Pfarrer eingestellt.

Religiöse Festlegungen infolge der Zersplitterung ehemaliger Herrschaftsgebiete – Kurmainz (katholisch) und Kurpfalz (evangelisch) – wirken bis heute in den benachbarten Überwälder Dörfern nach: Gadern ist katholisch, Kreidach und Siedelsbrunn evangelisch, Abtsteinach sowie Aschbach katholisch, Wahlen und Scharbach evangelisch, Litzelbach katholisch, Hammelbach und Gras-Ellenbach evangelisch. Dagegen blieben „in der Grafschaft Erbach – und damit auch im Amt Erbach-Schönberg mit Zotzenbach, Rimbach und Reichenbach – die Untertanen von diesen grotesken und unseligen Glaubenswechsel gottlob verschont“, schloss Dr. Sattler seinen Vortrag, für den sich die Besucher mit viel Beifall bedankten.