Lorsch erinnert an die Pogromnacht von 1938

Die Jüdin Karola Kahn war dabei, als in Lorsch 1938 die Synagoge angezündet wurde. Eine Aufnahme ihrer Urenkelinnen hat die Erinnerungen bewahrt.

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LORSCH. (red). Am 9. November jähren sich zum 84. Mal die Schrecken der Pogromnacht. Auch Lorsch erinnert an die Gewalt, die an diesem Tag den jüdischen Mitbürgern entgegenschlug. „Auch in Lorsch griffen Bürgerinnen und Bürger zu Benzinkanistern und setzen das stolze Gotteshaus der Jüdinnen und Juden, Symbol und Mittelpunkt der Gemeinde, in Brand“, schreibt die Stadtverwaltung, „die Feuerwehr, damals unweit des Brandortes in der Kirchstraße 5 stationiert, griff nicht ein.“

Drei Augenzeugenberichte liegen über diese Nacht vor, in der Nachbarn zu Verbrechern wurden, unterstützt durch eine schweigende Mehrheit.

Am Mittwoch, 9. November, lädt der Magistrat in die Gedenkstätte in der Schulstraße ein. Nach einer Ansprache von Bürgermeister Christian Schönung wird das Gedenken im Nibelungensaal des Alten Rathauses fortgesetzt. Dort werden Tonaufnahmen der einst bei den Pogromen in Lorsch anwesenden Karola Kahn zu hören sein. Karola Kahn, geborene Mainzer aus Lorsch, gab ihren Urenkelinnen Rachel und Sara 1993 im Rahmen eines Schulprojekts, vier Monate vor ihrem Tode ein Interview. Präsentation und Tondokumentation werden vom Heimat- und Kulturverein vorbereitet, Mitglieder des Jugendrats tragen das aus dem Englischen übersetzte Interview vor. „Es gilt auch, aus diesen schrecklichen Lehren heute und jetzt eine geläuterte und menschliche Haltung gegenüber andersgläubigen und anders sozialisierten Menschen in unserer Mitte unverrückbar einzunehmen und dafür einzutreten“, heißt es in der Einladung.