Schlechtes Gefühl, gutes Resultat

Ausgezeichnete Leistung – der Heppenheimer Sascha Grünhag ist zu Recht stolz auf seinen Abschluss  in der berufsbegleitenden Ausbildung als Wirtschaftsfachwirt. Foto: Dagmar Jährling

Hinter Sascha Grünhag liegen 18 harte Monate – eine Zeit des Verzichts, geprägt von Unterrichtsstunden nach Feierabend und am Wochenende. Und viel, viel Lernerei. Denn der...

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HEPPENHEIM. Hinter Sascha Grünhag liegen 18 harte Monate – eine Zeit des Verzichts, geprägt von Unterrichtsstunden nach Feierabend und am Wochenende. Und viel, viel Lernerei. Denn der 27 Jahre alte Heppenheimer hat sich in den zurückliegenden eineinhalb Jahren berufsbegleitend zum Wirtschaftsfachwirt bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Darmstadt Rhein Main Neckar ausbilden lassen. Und zwar nicht irgendwie – Sascha Grünhag ist Jahrgangsbester.

„Vor allem in den Wintermonaten würde man am Wochenende natürlich lieber liegen bleiben“, erinnert er sich. „Allerdings lohnt sich der Aufwand – das kann ich aus Überzeugung sagen.“ Und so fährt er drei Mal pro Woche nach Feierabend für drei Stunden zur IHK – die Einheit am Samstag geht von 8 bis 14.30 Uhr. „Unter der Woche ist es mir deutlich leichter gefallen“, erzählt Grünhag. „Da war es am Ende einfach ein langer Arbeitstag.“

Freunden oft absagen müssen

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Der frühe Beginn am Samstag hat hingegen Auswirkungen auf das Privatleben. „Viele Unternehmungen am Freitagabend habe ich in dieser Zeit nicht gemacht“, blickt er zurück. „Da muss man den Freunden schon häufig absagen.“ Doch der Zugewinn an Wissen war die Entbehrungen wert, wie er bekräftigt. Auch weil sein Arbeitgeber Pitney Bowes – der weltweit größte Hersteller von Frankiermaschinen sowie Produkten im Postwesen – ihn von Beginn an unterstützt.

„Ich war eigentlich ein guter Schüler“, blickt Sascha Grünhag auf seine Berufsanfänge zurück. „Aber ich wollte statt Abitur eben lieber eine Berufsausbildung machen.“ Deshalb beginnt er 2010 seine Ausbildung zum Bürokaufmann bei dem US-Konzern, der zum damaligen Zeitpunkt noch in Heppenheim beheimatet ist. „Durch gute schulische Leistungen konnte ich auf 2,5 Jahre verkürzen“, so der junge Mann. „Anschließend bin ich direkt übernommen worden.“

Sascha Grünhag beginnt im Marketing, orientiert sich aber schnell in Richtung Vertrieb. „Mit der Zeit ist bei mir dann immer mehr der Wunsch entstanden, Personalverantwortung zu übernehmen und unternehmerische Entscheidungen mit treffen zu können“, sagt er. „An dieser Stelle merkt man dann schon den fehlenden Studienabschluss in Betriebswirtschaftslehre.“

Auch weil sein Vorgesetzter von der Idee der Weiterbildung begeistert ist und sein Arbeitgeber ihn zu jeder Zeit unterstützt, beginnt Grünhag vor zwei Jahren schließlich die IHK-Maßnahme. Nach einer Qualifikationsphase, in der die Grundlage kaufmännischen Fachwissens vermittelt wird, folgen handlungsspezifische Themen mit direktem Praxisbezug. „Gerade dieser Teil hat mir großen Spaß gemacht“, so Grünhag. „Weil ich viele der besprochenen Beispiele direkt eins-zu-eins in meinen beruflichen Alltag übernehmen und umsetzen konnte.“

Bei der IHK in Darmstadt sitzt er mit Kollegen aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammen – auch dieser Umstand sorgt für eine spürbare Erweiterung des Horizonts. „Es ist einfach spannend zu sehen, wie Kollegen aus ganz anderen Branchen mit Problemen umgehen“, so Grünhag. „Da kann man wahnsinnig viel für das eigene Unternehmen letztlich mitnehmen.“

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Die Weiterbildungsmaßnahme mündet schlussendlich in Abschlussprüfungen. „Die waren ziemlich anspruchsvoll – man sollte jedenfalls definitiv dafür lernen“, rät Grünhag. Neben offenen Fragen zu Fallbeispielen müssen die angehenden Wirtschaftsfachwirte anschließend auch eine rund 15-minütige Präsentation halten. „Man kann aus zwei Themen wählen und muss sich recht kurzfristig darauf vorbereiten“, so Grünhag.

Rund sechs Wochen wartet er anschließend auf sein Ergebnis. „Ich war fest davon überzeugt, dass ich noch mal antreten muss“, sagt Sascha Grünhag. Doch sein Gefühl täuscht ihn: Er besteht den ersten Teil und schafft auch die praktische Prüfung eine Woche später mit Bravour. Wie gut er war, das wurde ihm allerdings erst später bewusst.

„Ich bin angerufen und zur Abschlussfeier eingeladen worden“, erinnert er sich. „In dem Zusammenhang hat die IHK-Mitarbeiterin erwähnt, dass ich zu den Jahrgangsbesten gehöre.“ Durch das schlechte Gefühl nach der Prüfung zweifelt er zunächst die Richtigkeit an. „Ein paar Wochen später hatte ich dann allerdings die Urkunde in der Hand“, so Sascha Grünhag abschließend.“ „Und anscheinend lief es doch nicht so schlecht.“