Nur Gutes soll auf die Teller

Foto: Gerhard Seybert - Adobe Stock

Das Catering-Unternehmen Rump und Ehrenfried aus Heppenheim liefert täglich 1400 bis 1500 Essen an Schulen und Kindergärten im Kreis Bergstraße aus.

Anzeige

KREIS BERGSTRASSE. Ilenia strahlt über das ganze Gesicht. Die Schülerin der Lorscher Wingertsbergschule muss nicht lange überlegen, welches Schulessen ihr am besten schmeckt: „Spaghetti!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und Annika Berg, stellvertretende Leiterin der Betreuung, ergänzt schwärmend: „In die Knödel könnte ich mich reinlegen! Die sind genau so, wie meine Oma sie gemacht hat. Und mit ganz viel Herz gekocht.“

Foto: Gerhard Seybert - Adobe Stock
Hans-Jürgen Rump beim Beliefern der Wingertsberg-Grundschule in Lorsch. Foto: Dagmar Jährling

Der, der da gerade so ein großes Lob bekommt, eilt in diesem Moment mit den großen Wärmebehältern vom Lieferwagen herbei: Hans-Jürgen Rump, einer der beiden Chefs des Heppenheimer Catering-Unternehmens Rump und Ehrenfried. Spaghetti oder Knödel stehen an diesem Tag nicht auf dem Speiseplan. Dafür aber Backfisch mit Kräutersoße, Vollkornreis und Salat. Das Essen für die Schulen in Einhausen und Lorsch liefert er selbst aus. Der Kontakt zu den Kunden sei wichtig, so erklärt der sympathische Mann mit dem Händchen für leckeres und ausgewogenes Essen.

Ausgewogenheit ist Trumpf

Anzeige

Das bestätigt auch Annika Berg: „Wenn wir mal einen Wunsch haben, dann äußern wir den und wir bekommen ihn erfüllt.“ Das Essen sei sehr ausgewogen, lobt sie. Gemüse, Obst oder Salat gibt es immer. Klar, die Favoriten bei den Mädchen und Jungs seien auch hier Schnitzel, Pizza, Tortellini und Co. Aber auch alles andere werde sehr gern gegessen. Gibt es Kinder mit Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten oder Vegetarier, dann wird für die extra gekocht. „Es wird nach jedem Kind geguckt.“

Rund 40 Schulen und Kindergärten im Kreis Bergstraße beliefern Rump und Ehrenfried. Das sind 1400 bis 1500 Essen am Tag. Frisch gekocht und zubereitet wird alles in Heppenheim in einem Gebäude an der Ludwigstraße. Ins Allerheiligste, die Küche, kommt man als Normalsterblicher nicht hinein. Die Hygienevorschriften sind streng, nicht einmal Praktikanten haben eine Chance. So will es die EU-Zulassung. Das Regierungspräsidium in Darmstadt und das Veterinäramt führen regelmäßig Kontrollen durch.

Zubereitet wird alles frisch

Die Vorschriften, wenn man für Kinder in Einrichtungen koche, seien deutlich höher als beispielsweise im Kreiskrankenhaus, wo für viermal mehr Menschen gekocht werde, erklärt Rump. Eine Vorschrift lautet, dass das Essen mit einer Temperatur von über 65 Grad angeliefert werden muss. Das wird vom Auslieferer ebenso kontrolliert wie von den Verantwortlichen in den Betreuungseinrichtungen – und dann in Listen eingetragen. Zubereitet wird alles frisch: Kartoffelbrei aus der Tüte oder Trockenei gibt es nicht. Verarbeitet werden regionale Produkte.

Anzeige

Es ist mitten am Vormittag. Seit halb sechs steht das achtköpfige Team mit den beiden Chefs in der Küche. Gegen 11 werden die ersten Lieferwagen beladen. Zehn Fahrer bringen das Essen zu den kleinen Kunden. Rump und sein Kompagnon Hermann Ehrenfried nehmen sich kurz Zeit. „Es gibt immer mehr Allergiker“, stellt Ehrenfried fest. Lactose, Gluten, Ei, Erdnuss – die Liste wird immer länger. Rund 70 Allergiker-Essen werden am Tag gekocht. „Und wenn nur drei Kinder etwas extra wollen, das wird gekocht. Die wollen ja auch was Gutes essen!“

Die Ess-Gewohnheiten sind übrigens von Schule zu Schule anders. Hier mag man keine vegetarischen Bällchen, dort keinen Brokkoli. Die Sache mit dem Gemüse ist auch nicht so einfach. Zwar gibt es Gemüse oder Salat immer. Aber was tun, wenn die Kinder von zuhause aus viele Gemüsesorten gar nicht mehr kennen? „Was ist Blumenkohl?“, wurde er von Kindern gefragt, erzählt Rump. Seitdem stellt er bei vermeintlich ausgefallenen Gemüsen das „Original“ auf die Theke – etwa einen ganzen Blumenkohl. „Was ist das für ein komischer Fußball?“, fragte prompt ein Knirps. Auch gekochten Kohlrabi kennen heute nur noch wenige. „Gestern an der Wingertsbergschule kannten die Kinder keinen Gurkensalat“, kann sich Rump nur wundern.

Suppen werden immer püriert: Dann erkennen die Kinder nicht, was an Gemüse drin ist und essen es gern. Viel hängt also davon ab, was die Kinder an gesunder Ernährung mit auf den Weg bekommen. Die richtige Ernährung regelmäßig im Unterricht zu thematisieren, das wünschen sich die Caterer für alle Schulformen.

In der Zwischenzeit ist der Lieferwagen beladen. Die Grundschule an der Weschnitz in Einhausen ist die erste Station. Hier wird gerade eine Mensa angebaut. Das Provisorium befindet sich im obersten Stockwerk der Schule. Wer einmal die Wärmebehälter nahezu 60 Stufen über eine Gitter-Außentreppe nach oben geschleppt hat, der weiß, was er getan hat.

Dreimal muss Rump diese Strecke zurücklegen. Auf dem Weg nach unten nimmt er die leeren Behälter vom Vortag mit. Ein Fitnessstudio erübrigt sich da.

Lohn der Mühe: Egal, wo er auch hinkommt – der Mann, der das Essen bringt, ist überall gern gesehen.