„Nur Datenautobahn ist staufrei“

Die Verkehrswege im Blick haben (von links) Matthias Zürker, Landrat Christian Engelhardt und Dagmar Cohrs. Foto: Sascha Lotz

„Die Qualität einer Region hängt maßgeblich von ihrer Verkehrsinfrastruktur ab“ – so lautet die Zusammenfassung von Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der...

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KREIS BERGSTRASSE. „Die Qualität einer Region hängt maßgeblich von ihrer Verkehrsinfrastruktur ab“ – so lautet die Zusammenfassung von Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Dagmar Cohrs und Landrat Christian Engelhardt (CDU) hat er am Mittwoch die aktualisierte Auflage des Positionspapiers zur „Zukunftsfähigkeit der Verkehrswege“ veröffentlicht.

„Die Bergstraße hat eine ausgezeichnete Lage zwischen zwei Metropolregionen“, betont Engelhardt. „Die vorhandene Infrastruktur ist glänzend – allerdings reicht die Kapazität bei Weitem nicht aus.“ Weil man auch weiterhin eine attraktive Region sein wolle, gebe es einiges zu tun. „Staufrei ist bei uns nur die Datenautobahn“, sagt der Landrat. „Die Verkehrsinfrastruktur ist an vielen Stellen an der Kapazitätsgrenze angekommen.“

Bestimmung des vordringlichen Bedarfs

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Das Positionspapier solle dabei helfen, die dringlichsten Anliegen im Kreis zu identifizieren und den Kollaps zu verhindern. „Verkehrswege sind wie Pulsadern“, bemüht Engelhardt ein Beispiel aus der Medizin. „Thrombosen sind gefährlich und können zum Infarkt führen – das wollen wir nicht.“ Der Landrat sieht hier die Landespolitik in der Pflicht, die den vordringlichen Bedarf von Projekten auszeichnen müsse.

In Bezug auf den Straßenverkehr finden sich erwartungsgemäß die beiden Hauptschlagadern A 5 und A 67 in der Auflistung. Bei beiden Autobahnen wird die möglichst schnelle Erweiterung auf sechs Spuren gefordert. Bei der A 5 ist zudem die Realisierung einer zweiten Anschlussstelle Heppenheim angedacht, die zu einer Entlastung innerstädtischer und teilregionaler Verkehrsschwerpunkte führen könne.

„Auch der Ausbau von Bundesstraßen hat zum Teil überregionale Bedeutung“, appelliert Matthias Zürker. Exemplarisch nennt er hier die B 47 als Querspange der Autobahnen A 5, A 67 und A 61 in Rheinland-Pfalz, deren vierspuriger Ausbau zwischen Worms und Lorsch weiterhin nicht durchgängig realisiert sei. Zudem sei die Ortsumfahrung Rosengarten trotz vorliegendem Planfeststellungsbeschluss noch nicht in Sicht.

In einer Verkehrswegeplanung ebenfalls nicht fehlen dürfe selbstverständlich der Bau der B 38a als Entlastung der Odenwald-Kommunen Mörlenbach, Rimbach und Fürth. „Wir reden hier von fast schon historischen Planungen, die Ende der 60er-Jahre ihren Anfang genommen haben“, erklärt Zürker. „Ich hoffe, dass die B 38a in der nächsten Verkehrswegeplanung keine Rolle mehr spielen muss und endlich realisiert wird.“

„Der Ausbau der Straßen muss zudem mit einem mindestens gleichwertigen Ausbau des schienengebundenen Verkehrs einhergehen“, fordert der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. „Die Modernisierung des Angebots im Nahverkehr hat in den vergangenen Jahren weitgehend stattgefunden – in Bezug auf die Taktung gibt es aus meiner Sicht aber noch einen gewissen Nachholbedarf.“

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Anliegen der Bürger berücksichtigen

Große Bedeutung kommt auch der Neubaustrecke Rhein-Main-Neckar zu. „Wir brauchen die ICE-Strecke schnell – ansonsten ist kein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs möglich“, fordert Landrat Christian Engelhardt. Und er geht noch weiter: Um drohende Rechtsstreitigkeiten mit Anwohnern zu vermeiden, müsse die Bahn hierbei auf die spezifischen Forderungen in Sachen Lärmschutz eingehen. „Wir wollen nämlich keine zweite B 38a im Kreis“, so Engelhardt.

Als weitere Punkte sind die Verkehrsanbindung an den Frankfurter Flughafen, der Ausbau des nichtmotorisierten Verkehrs via Radverkehrswege sowie die Berücksichtigung zukünftiger Mobilitätsformen in dem Positionspapier zu finden. „Die Verkehrswege sind ein entscheidender Standortfaktor und für alle von Bedeutung“, sagt Matthias Zürker abschließend. „Wichtig ist die Bereitschaft aller Beteiligten – trotz unterschiedlicher Interessen – gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“