Nach gutem Beginn ist das Jahr zum extremen Härtetest für...

Trockenheit und der vorgeschädigte Bergsträßer Wald, Förster Ralf Schepp erklärt die Situation 2018 Trockenheit Wald. Foto: Thorsten Gutschalk

Auf 50 Hektar hat Hessen Forst im gesamten Riedwald neue Kulturen gepflanzt, vor allem Eichen, Hainbuchen und Kiefern. Selbst die recht robusten Arten brauchen aber Wasser,...

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KREIS BERGSTRASSE. "Vertrocknet, vertrocknet, vertrocknet." Die Sichtung der Jungpflanzen nicht weit von seinem Büro an der A 6 fällt für Ralf Schepp niederschmetternd aus. Die allermeisten der in diesem Frühjahr auf dem ein Hektar großen Areal gesetzten Hainbuchen sind eingegangen; ein paar etwas ältere Kiefern leben noch. Dafür ist die Schonung von sterbenden oder toten Nadelbäumen gesäumt.

"Gerade jetzt, wo wir uns so engagiert haben", klagt der Leiter des Forstamts Lampertheim. Auf 50 Hektar hat Hessen Forst im gesamten Riedwald neue Kulturen gepflanzt, vor allem Eichen, Hainbuchen und Kiefern. Selbst die recht robusten Arten brauchen aber Wasser, sonst können die Bäumchen nicht anwachsen. Aber seit Mai hat es zumindest in der Ebene nicht geregnet, und deshalb sind jetzt die Waldschäden immens und nicht zu übersehen. Der Förster rechnet vor: 50 Kulturen à 20 000 Euro Kosten ohne Pflege. Es geht also um einen Millionenschaden im Staats- und Kommunalwald.

Wie hart der Hitzesommer 2018 wirklich zugeschlagen hat, wird man erst im nächsten Jahr sehen. Dann werden wohl Schädlinge wie der Diploida-Pilz oder der Borkenkäfer leichtes Spiel mit dem geschwächten Wald haben. Das gilt vor allem für das Ried, wo ungefähr die Hälfte des 17 500 Hektar bedeckenden Walds in Südhessen steht, für die Ralf Schepp und seine Mitarbeiter zuständig sind. Der Sandboden, gerade im Süden, bietet Bäumen viel ungünstigere Bedingungen als die tonhaltigen Schichten im Jägersburger Wald, der Lößboden an der Bergstraße oder gar der Odenwald, wo es zudem kühler und feuchter ist.

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Dort gedeiht die empfindliche Buche auch jetzt gut, im Ried macht sie schlapp. Eichen, Birken, Hainbuchen oder Kiefern sind zäher. "Das ist ja hier der Waldumbau", sagt Schepp über die vertrocknete Kultur. "Wir haben es probiert, aber im nächsten Jahr müssen wir noch einmal neu anpflanzen."

Der sogenannte Waldumbau, das Ersetzen empfindlicher Arten durch robustere, ist einer von zwei vom Land Hessen propagierten Eingriffen für den Riedwald. Der andere, die "Aufspiegelung" durch Versickerung von Rheinwasser, ist Zukunftsmusik. Nicht nur die Finanzierung bleibt einstweilen offen. "Wir wissen noch gar nicht genau, wie es wirkt", sagt Förster Schepp. Das hehre Ziel bleibt, den Zustand vor den 1950er Jahren wiederherzustellen - der Zeit, bevor Grundwasser in großen Mengen für das Rhein-Main-Gebiet entnommen wurde und die Bäume den Anschluss verloren.

Derzeit ist der Zustand des Waldes eher mit demjenigen des zur Legende gewordenen Hitzejahres 2003 zu vergleichen. Doch hadern will der Forstmann nicht. "Mit so etwas muss man alle zehn bis 20 Jahre rechnen." Irgendwann sollte es aber schon wieder regnen, schon wegen der Waldbrandgefahr. Auch weil sich die Menschen vernünftig verhielten, habe es erst fünf kleine Feuer in diesem Sommer gegeben: einen auf Heppenheimer, einen auf Lindenfelser Gemarkung und drei im Ried. Die Überwachung funktioniere, die Feuerwehr sei fix. Das müsse auch so sein, denn wenn die stets als Bodenfeuer (etwa durch Zigaretten) beginnende Brunst nicht rasch gelöscht wird, brennen die trockenen Bäume, ob sie Nadeln oder Laub tragen. "Dann wird es krass", sagt Ralf Schepp.

Gar so viel Laub tragen auch noch lebende Bäume nicht mehr. Um die Transpirationsmasse zu vermindern, wird es abgeworfen. Wenn aber die Rinde abfällt, ist ein Baum hinüber. Zusatz-Stress für Buchen bedeutete in dieser Saison, das sie auf ein Mastjahr fiel: Die Bäume tragen Bucheckern, was Kraft kostet.

Dabei hatte das Jahr so gut angefangen. Mit reichlich "Winterfeuchte" ging es in die Vegetationsperiode. Dann aber kam nichts mehr von oben. "Und das war für etliche Bäume einfach zu viel." Was in der Stadt hier und da sinnvoll sei, kommt dem Förster zufolge im Wald nicht in Frage.

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Für Wässer-Aktionen von Naturschützern fehlt ein Beregnungssystem, und das Krisengebiet ist einfach zu groß. Da helfe nur echter Niederschlag, ruhig auch Starkregen, sagt Schepp. "Es muss aber mehr als 20 Millimeter pro Quadratmeter sein.

Von Christian Knatz