Mörlenbacher Mordprozess geht los

Zwei Kinderleichen wurden bei einem Wohnhausbrand im August 2018 in Bettenbach geborgen.  Archivfoto: Sascha Lotz

Zahnarztehepaar aus dem Ortsteil Bettenbach muss sich wegen Tötung seiner Kinder und besonders schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

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KREIS BERGSTRASSE. Kreis Bergstraße. Ein Elternpaar aus Mörlenbach soll vor sechseinhalb Monaten seine 13 und zehn Jahre alten Kinder getötet haben. Der Mordprozess gegen die 46 Jahre alte Zahnärztin und den 59 Jahre alten Kieferchirurgen, der eine Praxis in Weinheim hatte, beginnt heute um 10 Uhr vor dem Landgericht Darmstadt.

Es wird voll werden im Schwurgerichtssaal des alten Landgerichtsgebäudes aus dem Jahr 1874. Neben dem Gericht, der Staatsanwaltschaft, den Angeklagten und ihren Verteidigern werden sieben Sachverständige wie Rechtsmediziner, Toxikologen oder der psychiatrische Gutachter Dr. Henning Saß da sein. Er hatte unter anderem Beate Zschäpe im NSU-Prozess begutachtet. Im Laufe der Hauptverhandlung sollen über zwei Dutzend Zeugen gehört werden.

Eltern wollen sich durch Autoabgase töten

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Ein Rückblick: Am 31. August 2018 wird um kurz nach 7 Uhr morgens im Mörlenbacher Ortsteil Bettenbach Feuer in einem Wohnhaus entdeckt. Die Kräfte der Feuerwehr finden beim Löschen einen 13 Jahre alte Jungen und ein zehn Jahre altes Mädchen - beide tot. In einer geschlossenen Garage des Hauses entdecken die Feuerwehrleute ein Auto mit laufenden Motor. Darin sitzen die Eltern der Kinder - beide leben. Die Einsatzkräfte können das Paar vor den Autoabgasen retten. Mutter und Vater werden in eine Klinik gebracht.

Während die Kräfte der Feuerwehr im Einsatz sind, kommt ein Rechtsanwalt aus Mainz nach Bettenbach in den Ilsenklinger Weg. Er ist der Insolvenzverwalter der Zahnarztfamilie und ist gekommen, weil das - jetzt teilweise brennende - Anwesen um 8 Uhr dem neuen Eigentümer übergeben werden soll. Das große, weiße Haus war wegen der Insolvenz der Zahnärzte zwangsversteigert worden.

Staatsanwaltschaft und Polizei gehen schon am Nachmittag des 31. August "von einem Familiendrama aufgrund massiver finanzieller Probleme der Familie" aus, wie sie den Medien mitteilen. Die Staatsanwaltschaft ordnet an, das tote Geschwisterpaar zu obduzieren. Sie verdächtigt die Eltern, ihre Kinder getötet zu haben und beantragt das Ehepaar wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft zu nehmen.

Im Dezember 2018, die Eltern sind weiterhin in U-Haft, bestätigt der Rechtsanwalt des 59-Jährigen gegenüber dieser Zeitung, dass das Paar wirtschaftliche Probleme hatte und dass es zu Pfändungen gekommen sei. Beide hätten bis zum Schluss gehofft, dass sie das Haus nicht räumen müssen, so der Anwalt.

Gegen die Zahnärztin war vor dem Hausbrand Ende August wegen Betrugs und Urkundenfälschung bei der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen ermittelt worden. Das Verfahren ist aber inzwischen eingestellt.

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Ende Februar 2019 schließt die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Ermittlungen ab und erhebt Anlage wegen heimtückischen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Vater und Mutter angesichts der Zwangsräumung aus dem Leben scheiden wollten, aber zuvor ihre Tochter und ihren Sohn "durch stumpfe und scharfe Gewalteinwirkung" im Schlaf getötet haben. Dann sollen sie im Haus Benzin verteilt und Feuer gelegt haben, heißt es.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hat sich die Frau bislang nicht geäußert. Der Angeklagte hingegen habe erklärt, dass er der Hauptverantwortliche sei.