Bekenntnis im Gefängnis

Tatort Bettenbach: Ihr Haus im Mörlenbacher Ortsteil haben die Angeklagten wegen ihrer Praxisinsolvenz 2018 bei einer Zwangsversteigerung verloren. Foto: Sascha Lotz

Der Angeklagte im Mörlenbacher Mordprozess erklärt in Untersuchungshaft, die Tat alleine ausgeführt zu haben. Vor dem Darmstädter Landgericht äußert er sich nicht zur Sache.

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DARMSTADT/MÖRLENBACH. „Der Angeklagte hat im ersten Gespräch mit mir gesagt, dass er den Kindern die Kehlen aufgeschnitten habe“, sagt eine Psychologin der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Bei dem Gespräch sei der 59 Jahre alte Angeklagte ruhig und gelassen gewesen.

Am Montag wurde im Darmstädter Landgericht der Mord- und Brandstiftungsprozess gegen ein Mörlenbacher Ehepaar fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Eltern eine Verzweiflungstat vor. Sie sollen angesichts einer Zwangsräumung ihre zehn und 13 Jahre alten Kinder Ende August 2018 ermordet haben. Dann sollen sie in dem Haus, das am 31. August den neuen Besitzern übergeben werden sollte, Feuer gelegt haben. Die Eltern selbst hatten dann versucht, sich in der Garage mit Autoabgasen zu vergiften. Sie wurden aber von der Feuerwehr, die die getöteten Kinder entdeckt und schon eine Stunde lang gelöscht hatte, gegen 8.20 Uhr gerettet.

Im Gericht hatte sich der 59 Jahre alte Angeklagte, ein promovierter Zahnarzt und Arzt, nicht zur Sache geäußert. Aber im Gefängnis. „Das ist absolut ungewöhnlich“, fanden der Vorsitzende Richter Volker Wagner und die Abteilungsleiterin der Untersuchungshaft. Untersuchungshäftlinge verwiesen in der Regel auf die Unschuldsvermutung.

„Der Angeklagte hat uns gesagt, dass er die Tat alleine ausgeführt habe“, so die Abteilungsleiterin. „Er hat geschildert, dass seine Frau nicht an der Tat beteiligt war.“ Allerdings waren die Kinder tot unter Decken gefunden worden. Und in der JVA hat der Angeklagte gesagt, dass er keine Decken auf die Kinder gelegt habe. Er habe vermutet, dass seine 46 Jahre alte Frau noch mal durchs Haus gegangen sei und sich verabschiedet habe, sagte die Leiterin der U-Haft.

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Er habe auch der Anklage widersprochen, führte sie weiter aus. Laut Staatsanwaltschaft wurde dem 13 Jahre alten Sohn und der zehn Jahre alten Tochter über 25 Mal mit einem Hammer auf die Köpfe geschlagen. „Es seien aber nur sechs bis sieben Schläge gewesen“, habe der Kieferchirurg gesagt, so die JVA-Mitarbeiterin.

Der Angeklagte habe sich im Gefängnis stets zur Tat bekannt, sagte die Abteilungsleiterin, „aber im Vordergrund stand die wirtschaftliche Situation.“ So liest sich auch ein Brief, den der Zahnarzt aus der Haft an ein Mörlenbacher Nachbarehepaar geschrieben hatte. Darin erklärte er, dass es wegen Überprüfungen durch die Kassenzahnärztliche Vereinigung zur Insolvenz seiner Weinheimer Praxis kam. Und der Insolvenzverwalter habe nur das große Geschäft gewittert. Der Brief an die Nachbarn endet mit „Die Eltern der verstorbenen Kinder waren keine Betrüger.“ Nachbarn und Bekannte der Angeklagten machten unterschiedliche Angaben zum zwischenmenschlichen Miteinander. Die erste Ehefrau des Angeklagten, eine 56 Jahre alte Zahnärztin, beschrieb den Angeklagten als „bestimmend und will sich nichts gefallen lassen.“ Ein Jugendfreund des Angeklagten aus Sögel im Emsland sagte, dass er irgendwann den Kontakt reduziert habe. „Die Kommunikation beschränkte sich auf neue Sachen, die er hatte“, beschrieb er. Der Angeklagte hatte unter anderem mehrere Sportwagen geleast und fernsteuerbare Modellautos.

Es waren auch über 2000 Paar Schuhe der Ehefrau gefunden worden.

Eine Nachbarin aus Sögel, wo der Zahnarzt ein Haus geerbt hatte, sagte „Sie waren uns einfach unsympathisch.“ Das Eltern-Kinder-Verhältnis war der Zeugin jedoch als „liebevoll und normal“ erschienen.

„Uns gegenüber war er sehr von oben herab“, schilderten Nachbarn aus Mörlenbach. Und dass der Angeklagte gerne seine ferngesteuerten Modellautos fuhr, sei wegen dem sirrenden Geräusch ein Lärmproblem gewesen.

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Ein anderer Nachbar aus Mörlenbach hatte sich hingegen gut mit den Angeklagten verstanden, er hatte ihnen sogar einen VW Golf geliehen, nachdem deren Autos gepfändet waren. Die Kinder seien auch öfters da gewesen, sagte der Nachbar. „Es waren sehr liebe Kinder, ich habe sie sehr gern gehabt.“ Der Prozess wird am 2. April um 9 Uhr fortgesetzt