Applaus und Pfiffe am Kahlberg bei Einweihung des Windparks

Bei der offiziellen Einweihung des Windparks in Fürth haben sich am Freitagnachmittag Befürworter und Gegner gegenübergestanden. Die Anlage produziert bereits Strom.

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KREIS BERGSTRASSE. Sie sorgten schon für Schlagzeilen, als noch keines von ihnen stand. Und so bald wird um die fünf Windräder auf dem Fürther Kahlberg wohl auch keine Ruhe einziehen. Das wurde am Freitagnachmittag bei der offiziellen Einweihung des Windparks Kahlberg mehr als deutlich. Nicht nur am Rande der Veranstaltung machten Windkraftgegner ihrem Unmut in einer angemeldeten Demonstration Luft, ein paar von ihnen fand man auch im Publikum, wo sie die Eröffnungsreden immer wieder mit Zwischenrufen kommentierten.

Jesus Pojo Terrero war der Teamleiter der Projektentwicklung bei EnBW für das Vorhaben. Er zeigte sich in seiner Eröffnungsansprache am Fuße des fast 200 Meter hohen mittleren Windrades stolz darauf, einen Beitrag zur Energiewende geleistet zu haben. 45 000 Kilowattstunden Strom könnten die Windräder im Jahr erzeugen, damit 13 000 Haushalte mit Strom versorgen und 35 000 Tonnen CO2 einsparen. Nach 25 Jahren würden die Windräder wieder zurückgebaut. Auch alle anderen Redner freuten sich über die Realisierung des Vorhabens und darüber, dass die Windräder nun schon ein paar Monate Strom produzieren. Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger kam zunächst gar nicht zu Wort. Als Tod verkleidet mit einer blutigen Sense in Windrad-Form in der Hand eroberte in diesem Moment Windkraftgegner Udo Bergfeld den Platz vor der Gruppe der Redner: "Es ist ein Hohn, was hier passiert", rief er und ließ seine Argumente folgen. Nach wenigen Minuten ließ er sich von Sicherheitsleuten widerstandslos hinter die Absperrung begleiten, wo in diesem Moment rund 50 seiner Gesinnungsgenossen mit Trommeln und Pfeifen ihren Protest gegen die Anlage kundtaten.

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Unter ihnen auch Michael Karb, Sprecher der Bürgerinitiative Kahlberg. Er prangerte nicht nur die Zerstörung des Waldes an, sondern erklärte auch, dass "wir in Deutschland 30 000 Windräder und noch kein Gramm CO2 eingespart haben". Auch zweifelte er an, dass am Kahlberg genügend Wind wehe. Darüber hinaus verwies Karb auf zwei laufende Klageverfahren gegen den Windkraftbetreiber: Die Gemeinde Mossautal klage wegen der Trinkwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet, die Bürgerinitiative gegen Naturschutzverstöße.

Oehlenschläger unterstrich wie sein Grasellenbacher Kollege Markus Röth in seiner Rede ein ums andere Mal das "demokratische und jederzeit öffentliche Vorgehen" bei der Entscheidungsfindung. Die Gemeindevorstände von Fürth und Grasellenbach hätten in einer gemeinsamen Sitzung quer durch alle Parteien einstimmig für das Vorhaben gestimmt. Er widersprach Bergfelds Behauptung, bis heute sei in Deutschland durch Windkraft kein Gramm CO2 eingespart worden. Bei einer deutlichen Steigerung der Produktivität im Lande in den letzten Jahren und unter Berücksichtigung dessen, dass zwei Drittel des CO2 durch die Industrie und Gewerbe erzeugt würden, sei es ein "Riesenerfolg, dass nicht mehr CO2 produziert wurde", sondern der Status quo gehalten worden sei.

Röth ergänzte, Windkraftgegner wollten in der Regel auch keinen Strom aus Kernenergie - aber viele Möglichkeiten blieben da nicht. "Wir retten ganz Europa - so blöde sind wir Deutschen." "Heimatverräter." "Schämen Sie sich", wurden die Redner von einer Handvoll Demonstranten unter den rund 250 Gästen der Eröffnung unterbrochen.

Guido Carl vom BUND erklärte: Nur zwei Prozent aller Landesflächen würden für Windenergie genutzt, der Rest bleibe frei. Ein möglichst geringes Konfliktpotenzial mit der Natur habe man auf dem Kahlberg vorgefunden, anders als etwa in Hüttenfeld. Die Brutplätze seltener Vögel seien allesamt weit genug entfernt von den einzelnen Windrädern. Carl kritisierte die "schrille kompromisslose Haltung der Bürgerinitiativen, die wie Pilze aus dem Boden schießen". Jedes Windrad sei für diese ein "Teufelszeug". "Lüge", kam es aus dem Publikum zurück. Sie alle, so der Mann vom BUND weiter, blieben die Antwort schuldig, wie die Energiewende ohne Windkraft zu realisieren sei. Revierförster Martin Quaschning und seine Kollegin von Hessen Forst, Gudrun Kranhold, erläuterten am Rande, sie seien stets um Schadensminimierung bemüht und stünden in der ständigen Diskussion mit den Betreibern des Windparks.

Lucia Bernard, die Projektleiterin, widersprach der Aussage der Windkraftgegner, der Wind fehle auf dem Kahlberg - wenn dem so wäre, hätte EnBW dort nicht gebaut, entgegnete sie. Wenn die fünf Windräder sich manchmal nicht drehen, dann habe das auch andere Gründe. Ein Sensor sorge beispielsweise dafür, dass bei typischen Flugbedingungen für Fledermäuse die Anlage ausgeschaltet werde. Ebenso bei Kranichzügen und in ähnlichen Fällen.

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Die Fronten zwischen Betreiber und Gegnern blieben verhärtet. Volker Oehlenschläger stellte sich nach den Eröffnungsreden Windkraftgegnern in persönlichem Gespräch. Es waren auch viele aus anderen Gemeinden anwesend, etwa ein Bürger, der in Siedelsbrunn nur 900 Meter entfernt von einem Windrad durch "das ständig wummernde Geräusch" nicht mehr schlafen könne. Er lud Oehlenschläger ein, für eine Nacht das Bett zu tauschen.