Wie bei den Erwachsenen zählt jede Stimme

Wie beim echten Vorbild: Vor den Urnen bilden sich Schlangen von Wählern, die ihre Stimmzettel einwerfen. Foto: Thorsten Gutschalk

(vdö). Wird es die CDU werden? Oder die Sozialdemokraten? Vielleicht aber auch – wie in Bayern – die Grünen und die vielen Splitterparteien? Wer wird Wahlgewinner, wer...

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LAMPERTHEIM. (vdö). Wird es die CDU werden? Oder die Sozialdemokraten? Vielleicht aber auch – wie in Bayern – die Grünen und die vielen Splitterparteien? Wer wird Wahlgewinner, wer Verlierer? Gefragt ist nicht die Meinung der erwachsenen Wahlberechtigten, gewollt ist die politische Beteiligung von Jugendlichen: Die Juniorwahl ist am Lessing-Gymnasium in Lampertheim (LGL) angekommen. Gestern durften alle Schüler von der 8. Klasse an bis zum Abiturjahrgang eine simulierte Landtagswahl durchführen, durften Wahlkarten und Ausweise zeigen, Kreuze setzen und ihre Stimmzettel in eine Wahlurne werfen.

„Es ist alles echt, nur ein Wort ist anders. Es heißt Junior- statt Landtagswahl“, sagte Marcel Jüllich. Er ist Politikwissenschaftler und Historiker, lehrt seit 2015 am Lessing-Gymnasium. Und hatte gemeinsam mit seiner Projektklasse „Gesellschaftswissenschaften“ bereits vor den Herbstferien die Wahl am LGL organisiert. Schon um kurz vor 8 Uhr standen die 25 Schüler der 8e gestern als erste „wahlberechtigte“ Klasse vor den Türen der Mensa. Innendrin wuselten Jüllich und seine Zehntklässler noch um die Tischreihen, klappten Sichtschutzschirme auf, legten die Wahlzettel – einer grau für die Wahl der Parteien, einer blau für die Volksabstimmung – griffbereit hin. Noch schnell die Plombe an der Wahlurne anbringen, einen Aufkleber drauf, ein Plakat an die Wand pinnen und es konnte losgehen.

„Ich mache zum ersten Mal mit bei der Juniorwahl. Es ist doch interessant zu wissen, wie die Jugend wählt“, sagte Tim Putz. Er ist in Jüllichs Projektklasse, hatte im Vorfeld schon eine Wandzeitung erstellt und Plakate, die alle Parteien, die Aufgaben eines Landtags und eines Abgeordneten darstellen. Sie hängen vor der Aula, jeder Schüler kann stehenbleiben und sich informieren. Der 16-jährige Tim bringt die politische Stimmung auf den Punkt: „Oft hat man das Gefühl, dass die Jugend nicht berücksichtigt wird.“ Aber laut Marcel Jüllich steigt das Interesse an der Politik unter Jugendlichen wieder deutlich – vor allem seit der Brexit-Entscheidung. Für ihn bedeutet die Durchführung der Juniorwahl einen erheblichen Aufwand, doch schon im vergangenen Jahr hatte er mit seinen Schülern eine eigene Bundestagswahl organisiert. Noch auf normalen Zetteln, nur innerhalb der Klassengemeinschaft. Das war so gut angekommen, dass sich die Schule bewarb: Bei der Landeszentrale für politische Bildung war das Lessing-Gymnasium für eine Teilnahme an der Juniorwahl ausgewählt worden, als eine von 260 Schulen in ganz Hessen.

„Auch wenn jetzt eine ganze Fachstunde ausfällt, hier wird den Jugendlichen deutlich gemacht, dass jede Stimme zählt“, sagte Dr. Reimund Popp, der als Musiklehrer mit einer 8. Klasse in den Wahlraum kam. Wenn am kommenden Sonntag die vorläufigen Ergebnisse der Landtagswahl veröffentlicht werden, wird auch die Juniorwahl abgeschlossen sein. Dann stehen im Internet ab 18 Uhr die Ergebnisse der teilnehmenden Schulen, aufgeschlüsselt nach Wahlkreisen. Zwei Lampertheimer Schulen nehmen an diesem Demokratie-Projekt teil, auch die Alfred-Delp-Schule zählt mit dem LGL zum Wahlkreis Bergstraße I. Die genauen Schulergebnisse wird Marcel Jüllich am Montag aushängen. Seine Prognose: „Es ist wahrscheinlich, dass ähnlich wie bei der Juniorwahl in Bayern die Grünen vorne liegen werden und viele Splitterparteien angekreuzt wurden.“