„Habe meine größten Bedenken“

Noch gibt es entlang der Gleise in Hofheim keine Lärmschutzwand. Beim Erörterungstermin zeigen sich die Anwohner gut vorbereitet und stellen kritische Nachfragen.Foto: Thorsten Gutschalk  Foto: Thorsten Gutschalk

Fast könnte man meinen, als biete der Erörterungstermin im Hofheimer Bürgerhaus einen Vorgeschmack auf das, was kommen mag: Während vorne die Vertreterinnen der DB Netz AG...

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HOFHEIM/RIED. Fast könnte man meinen, als biete der Erörterungstermin im Hofheimer Bürgerhaus einen Vorgeschmack auf das, was kommen mag: Während vorne die Vertreterinnen der DB Netz AG über technischen Finessen referieren und sich Bianca Langemeier vom RP Darmstadt versucht, sich Gehör zu verschaffen, werden die Redebeiträge in unregelmäßigen Abständen von den Geräuschen einer Bohrmaschine übertönt. Gut 15 Zuhörer haben sich im Saal des Bürgerhauses eingefunden, um auf dem Erörterungstermin ihre Anregungen und Fragen vorzutragen. Dass der Raum wegen der aktuellen Prunksitzungen des Hofheimer Carnevalvereins (HCV) noch bunt geschmückt ist, verleiht dem Termin einen quasi-surrealen Charakter.

Bund stellt jährlich 130 Millionen Euro bereit

Es geht aber um ein für Hofheim wichtiges Thema: Die Bahn möchte zwei gut 880 Meter Lärmschutzwände bauen. Grob besch rieben beginnen diese auf Höhe der Nordheimer Straße und führen entlang der Gleise durch den Ort. Drei Meter sollen sie hoch sein, erklärte Sabine Weiler von der DB Netz AG. Auf westlicher Seite (entlang der Karlsbader Straße) soll die Wand mit dem Neubaugebiet Rheinlüssen abschließen. Damit dies gewährleistet wird, will die Stadt zusätzlich auf dieser Seite 170 Meter hinzubauen. Dies ist beim Erörterungstermin aber nicht Gegenstand des Verfahrens, sondern vielmehr die freiwilligen Lärmschutzmaßnahmen des Bundesverkehrsministeriums, das hierfür jährlich 130 Millionen Euro an Mittel zur Verfügung stellt. Bereits zwei Offenlagen hat es durch das RP gegeben, zu denen Bürger und Träger Öffentlicher Belange ihre Einwendungen vortragen konnten. Das Planfeststellungsverfahren selbst läuft seit Ende 2015. Erst später kommt es dann zu einem Abschlussbericht, bevor das Eisenbahnbundesamt für Baurecht sorgt, erläutert Langemeier, die zusammen mit Kolleginnen des Dezernats Straßen- und Schienenverkehr nach Hofheim gekommen ist.

Die Mauer selbst soll mittels Vibrationsrammung befestigt werden. Die Wände selbst seien „hochabsorbierend“ und aus einem Lochblech-Aluminium. Hier werfen aus der Zuhörerschaft die Einwender vermehrt kritische Nachfragen ein: Warum etwa keine Niedrig-Schallschutzwände verwendet werden, was passiert, wenn Anwohner Schäden zu beklagen haben oder wie die Kontrolle der Lärmschutzgutachten vonstatten gehe.

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„Niedrig-Schallschutzwände würden hier nichts bringen“, entgegnet Weiler. Was die Risiken betreffe, so würde bei anrainenden Gebäuden eine Beweissicherung durchgeführt, meinte Langemeier. „Es kommt ein Gutachter zu Ihnen nach Hause“, außerdem werde es noch eine Schlussbeweissicherung geben. Die Projekte der DB Netz AG seien versichert, was eine Anwohnerin aber alles andere als beschwichtigt: „Ich habe da meine größten Bedenken“, sagt sie im Hinblick auf etwaige Schäden oder auf die Möglichkeit, dass die Lärmschutzwand vielleicht gar nicht ihren Zweck erfülle.

Hinsichtlich der Lärmeission ist es so, dass wegen der Prognosen (bis ins Jahr 2025) der Lärm berechnet, aber nicht gemessen wird. Und zwar so, dass vom schlimmsten Szenario aus gerechnet werde, bedeutet Ingenieurin Weiler. Die Restskepsis bei der Anwohnerin bleibt aber: „Dies ist nicht die richtige Maßnahme für Hofheim: Die Wände werden besprüht, Drogenabhängige kommen.“ Die Lärmschutzwand, sie würde so ein kleiner Angstraum werden.