Den Verantwortlichen schwebt für die Kanuakademie eine...

Stippvisite bei der Kanuakademie: Referatsleiter Lothar Räcke (Zweiter von links) begutachtet zusammen mit (von links) Thomas Neu, Erstem Stadtrat Jens Klingler, Heiko Kiebel und Thomas Sommer die Arbeit der Nachwuchseinrichtung.Foto: Gutschalk  Foto: Gutschalk

Die Schwierigkeiten des Leistungssports bringt Lothar Räcke in einem Satz auf den Punkt: „Ohne Spitze keine Breite, ohne Breite keine Spitze.“ Der Referatsleiter für...

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LAMPERTHEIM. Die Schwierigkeiten des Leistungssports bringt Lothar Räcke in einem Satz auf den Punkt: „Ohne Spitze keine Breite, ohne Breite keine Spitze.“ Der Referatsleiter für Breiten- und Leistungssport im Hessischen Innenministerium besucht am Mittwoch eine Stätte, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, für mehr „Breite“ zu sorgen: Die Kanuakademie Lampertheim, die federführend der Wassersportverein (WSV) und Kanu-Club Lampertheim (KCL) 2014 aus der Taufe gehoben haben.

Wesentlich daran beteiligt war Bernd Brechenser, Erster Vorsitzender der Akademie und A-Trainer im Kanu rennsport. Seine wertvollen „Schätze“ zeigte er dem Referatsleiter sowie weiteren Verbandsvertretern aus dem Leistungssport nur zu gerne, um auch den Aufwand zu veranschaulichen, den ein Kanusportverein zu leisten habe. 8000 Euro müsse man für ein Vierer-Kajak schon mal auf den Tisch legen, meint Brechenser, und sein Vereinskollege Heiko Kiebel weiß: „Das Material macht Zehntelsekunden aus.“

Der Gast aus Wiesbaden hört sich die Erklärungen aufmerksam an. „Ja, ja – eben“ ist eine Formulierung, die er gerne wählt und dabei nickt. Währenddessen machen sich ein gutes Dutzend an Nachwuchssportlern auf zur Trainingsstätte Altrhein. Im Kanu-Leistungssport haben sich einige Zentren herauskristallisiert: „Neben Lampertheim sind dies Wiesbaden und mit Abstrichen Kassel“, erläutert Thomas Sommer, Vizepräsident Leistungssport im Hessischen Kanuverband. Für ihre Arbeit erhält die Kanuakademie, die bewusst in Form eines Vereins gegründet wurde, jährlich 10 000 Euro vom Land Hessen. Damit es zu einer Förderung kommt, müssen Kriterien erfüllt sein, wie etwa die Mindestgröße einer Gruppe. Mit 25 Kindern erreicht die Nachwuchsschmiede diese Grenze locker, auch Wartelisten gebe es, so Brechenser. Der Haushaltsplan liege im hohen fünfstelligen Bereich, erläutert Heiko Kiebel dem Referatsleiter. Gut die Hälfte werde über Elternbeiträge gedeckt, der andere Teil werde überwiegend durch die Zuwendung von Sponsoren getragen.

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Obgleich Kanusport dem Laien nicht als Massensport wie Fußball vorkommen mag, ist das Angeln immer ein Punkt, mit dem die Vereine rechnen müssen. Der Bundesstützpunkt im Mannheimer Norden ist nur wenige Paddelzüge von Lampertheim entfernt. Wer hier trainieren möchte, müsse dann den Landesverband wechseln, bedauert der Referent für Leistungssport im Landessportbund Hessen, Thomas Neu. „Die fehlen dann dem Hessischen Landesverband und die Vereinsneutralität wird damit ausgehebelt“, kritisiert er. „In Baden-Württemberg zählen nur die Titel“, meint Kiebel trocken.

Was die Kanuakademie besonders mache, sei ihre Scharnierfunktion zwischen Sport und Schule. Gegen Mittag kommen die Kinder in die Betreuung oder werden von einem Fahrdienst abgeholt. Hausaufgabenbetreuung und ein Mittagessen sind ebenso im Angebot. Somit können sich die Nachwuchspaddler nach der Pflicht voll und ganz ihrem Sport widmen. Doch die Verantwortlichen der Akademie haben noch mehr vor: Ein Internat schwebt ihnen vor. Für den Bildungsteil wären die Schulen verantwortlich, für den Sport die Akademie und für die Übernachtung haben einige schon an das Hüttenfelder Internat gedacht. „Diese Idee ist aber absolut noch im Fluss“, sagten Kiebel und Brechenser unisono, weshalb es nichts Definitives zu vermelden gebe.

Nach einer Inspektion der erneuerten WSV-Halle sowie einem Abstecher ins 1. OG des Vereinsheims samt Vitrinen mit einer üppigen Pokalsammlung und einem Kraftraum zeigt sich Räcke durchaus angetan. Der Plan sei „recht sportlich“, was bedeuten soll: ambitioniert. Genügend Anregungen sollte er somit nach Wiesbaden nehmen dürfen.

Von André Heuwinkel