Bahn bereitet Bohrungen für Strecke Frankfurt-Mannheim vor

aus ICE-Trasse Südhessen

Thema folgen
Um die Planungen für die neue Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim voranzutreiben, startet die Deutsche Bahn voraussichtlich Mitte November mit Tiefbohrungen. Das kann im Lampertheimer Wald zu Beeinträchtigungen führen.

Die Planungen für die neue Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim gehen weiter. Die geplanten Tiefbohrungen im Lampertheimer Wald können für Beeinträchtigungen sorgen.

Anzeige

Lampertheim/Südhessen. Ulrich Guldner und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Lampertheim (BILA) beschäftigen sich schon so lange mit der geplanten neuen Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim, dass sie es schon mit vielen verschiedenen Akteuren in verantwortlicher Position zu tun hatten. Mittlerweile ist der zweite Projektleiter für die Neubaustrecke bei der Deutschen Bahn im Dienst, im Bund beschäftigt sich der x-te Verkehrsminister mit dem Thema. „Trotzdem hat man das Gefühl, dass nichts vorangeht“, sagt Guldner.

Am Dienstag, 1. November, teilte die Verwaltung der Stadt Lampertheim nun mit, dass noch in dieser Woche Arbeiten im Wald nahe des Lampertheimer Stadtteils Neuschloß beginnen sollen. Es handelt sich dabei um vorbereitende Maßnahmen für die Tiefbohrungen zur Erkundung der geplanten Trasse. Erst einmal geht es darum, Erkenntnisse im Hinblick auf Kampfmittelfreiheit im Boden zu gewinnen. „Voraussichtlich ab Mitte November beginnen dann die Tiefbohrungen im Wald“, erklärt die Verwaltung.

Arbeiten nahe des Lampertheimer Stadtteils Neuschloß beginnen

Aus Sicht der Deutschen Bahn hat das länger gedauert als ursprünglich geplant. Die Bahn, berichtet Guldner, habe offenbar Probleme gehabt, die Bohrleistungen zu vergeben. Eine Ausschreibung habe nicht das erhoffe Ergebnis gebracht. „Die Bahn wollte mit den Bohrungen viel früher beginnen“, sagt Guldner.

Anzeige

Es ist eine weitere Verzögerung, die in Kombination mit vielen anderen Problemen bei dem Projekt dazu führt, dass Guldner das Gefühl hat, es ginge nichts voran. Dabei drängt aus verkehrstechnischer Sicht die Zeit. „Wir sprechen über den größten Engpass Europas“, meint Guldner mit Blick auf die Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim.

Die Bahn wollte mit den Bohrungen viel früher beginnen

Ulrich Guldner Bürgerinitiative Lampertheim

Der BILA-Mitstreiter geht zwar davon aus, dass die Planungen der Bahn für die neue Strecke im Hintergrund weiterlaufen werden. Ob das Vorhaben aber wie geplant umzusetzen ist, werden jedoch erst die Ergebnisse der Tiefbohrungen zeigen. „Und das ist nur ein ganz kleiner Baustein im Rahmen des Gesamtprojekts“, erklärt Guldner.

Bei Mammutprojekten wie der neuen Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim geht es weder um Monate oder Jahre – vielmehr muss in Jahrzehnten gedacht werden. Guldner geht aktuell davon aus, dass nach den Bodenuntersuchungen „irgendwann die Vorplanung“ auf dem Tisch liegt. Anschließend folgt das Planfeststellungsverfahren. Guldner rechnet derzeit damit, dass es „vielleicht 2028“ werde, bis die Arbeiten für die Strecke beginnen. Mit einer Fertigstellung der neuen Trasse, egal ob wie bislang geplant in einem Tunnel in offener Bauweise oder doch einem bergmännischen Tunnel, rechnet Guldner nicht vor 2034 oder 2035.

Anzeige

Bis es so weit ist, steht auf der Bestandsstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim im Ried ein Stresstest ganz anderer Art an. Zwischen Frankfurt und Mannheim wird die Strecke im Sommer 2024 für eine Generalsanierung komplett gesperrt. Betroffen sind davon neben Lampertheim im Kreis Bergstraße Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim. Weil die Bahn offenbar nur Schienen und Technik ertüchtigen möchte, setzt sich die BILA für einen besseren Lärmschutz auf der Strecke ein. Einerseits, weil der bestehende Schutz nicht mehr den aktuellen Standards entspreche. „Außerdem befürchten wir, dass künftig mehr Güterverkehr auf die Bestandsstrecke kommt“, sagt Guldner. Leiden würden Anwohner wegen einer höheren Lärmbelastung. Guldner: „Man sollte die Sperrung nutzen, um bestehende Lärmschutzlücken zu schließen.“

Wegen der anstehenden Tiefbohrungen stand Forstamtsleiter Ralf Schepp mit der Bahn und der Fachfirma in Kontakt. Gemeinsam habe man sich auf die Bohrpunkte geeinigt. Untersucht werde einmal die Bodenbeschaffenheit für einen bergmännischen Tunnel und einmal für eine Streckenführung mit einem Tunnel in offener Bauweise. Partiell könne es zwar zu Einschränkungen kommen, sagt Schepp. Die Bohrpunkte seien aber so ausgesucht worden, dass der Erholungsverkehr im Wald kaum beeinträchtigt werde. Eher werden die Forstarbeiter an manchen Stellen Probleme beim Durchkommen mit ihren Fahrzeugen haben.

Die Stadt weist dennoch vorab darauf hin, dass die Arbeiten der Deutschen Bahn Beeinträchtigungen nach sich ziehen können. „Es kann zeitweise zu Sperrungen von Fuß-, Rad- und Reitwegen kommen“, teilt die Verwaltung mit. Baulärm und Fahrzeuge im Stadtwald könnten außerdem einen minimalen Vorgeschmack auf das liefern, was in einigen Jahren mit den eigentlichen Arbeiten auf Anwohner und Waldbesucher zukommen wird.