„Stolpersteine Heppenheim“ forscht zur Familie Friedmann

Ihr fußballerisches Talent erlernten die drei Friedmann-Söhne Walter, Ludwig und Hugo im Trikot des FC Starkenburgia. Das Mannschaftsfoto zeigt die Jugendmannschaft des Heppenheimer Traditionsvereins im Jahr 1913. Foto: Verein Stolpersteine

Die jüdische Familie Friedmann lebte ehemals in Heppenheim. Die Leben der drei Söhne Walter, Hugo und Ludwig waren geprägt von Flucht und Gräuel während der Nazi-Zeit.

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HEPPENHEIM. (red). Seit geraumer Zeit forscht der Verein „Stolpersteine Heppenheim“ zur jüdischen Familie Friedmann, die ehemals in Heppenheim lebte. Für Nathan Friedmann, letzter jüdischer Religionslehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde in Heppenheim, soll den Angaben zufolge im Februar 2022 ein Stolperstein verlegt werden. Er war der Einzige der Familie, der nach 1933 noch in der Kleinstadt lebte.

Ihr fußballerisches Talent erlernten die drei Friedmann-Söhne Walter, Ludwig und Hugo im Trikot des FC Starkenburgia. Das Mannschaftsfoto zeigt die Jugendmannschaft des Heppenheimer Traditionsvereins im Jahr 1913. Foto: Verein Stolpersteine
Walter Friedmann verdiente sein Geld später als Opernsänger und Schauspieler. Foto: Verein Stolpersteine

Friedmans drei Söhne wurden zwar in Roßdorf geboren – 1895 Salomon/Walter, zwei Jahre später Hugo und 1899 Ludwig –, ab 1905 wuchsen sie jedoch in Heppenheim auf, gingen hier zur Schule. Alle drei waren sie begeisterte Fußballspieler und gehörten dem FC Starkenburgia an.

Walter Friedmann wurde später Opernsänger und Schauspieler. Engagements führten ihn nach Augsburg, Gera, Königsberg und an weitere Orte. Seinem Fußballverein blieb er weiterhin verbunden. Mit einem bunten Abend 1925 in Wurths Garten, dem heutigen Saalbaukino, unterstützte Walter den Bau der neuen Sportplatzanlage der Starkenburgia. Von 1926 bis 1933 sang und spielte Walter Friedmann im Nationaltheater Mannheim. Dem dortigen Ensemble gehörte auch die Sängerin Hilde Ebler an, die 1933 seine Frau wurde. In der Schweiz heirateten die beiden. Dort hatten sie zur neuen Spielsaison am Stadttheater in Luzern ein Engagement angenommen.

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Nach der Machtübernahme durch die Nazis im gleichen Jahr wurde Walter Friedmann aus der Reichstheaterkammer ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleich kam – Hilde und Walter verließen Deutschland. Im März 1939 bestiegen sie in Genua den Dampfer „Biancamano“ nach Schanghai. Friedmann betätigte sich im chinesischen Exil als äußerst aktiver Theaterregisseur, inszenierte Theaterstücke, bunte Abende und war zugleich Tänzer, Schauspieler und Sänger. Nach Kriegsende führte der Weg des Künstlerpaares über die USA zurück nach Deutschland. Die Jahre bis zu seinem Tod 1975 lebten Walter und Hilde in Bad Orb.

Hugo Friedmann beendete mit dem einjährigen Examen 1913 die Oberrealschule. Bei der Firma Telefunken besuchte er Kurse und arbeitete dort bis zu seiner Kündigung 1933. Als „Nicht-Arier“ war er nicht mehr erwünscht. Der Versuch, für sich und seine kleine Familie in Frankfurt in der Folgezeit eine neue Existenz aufzubauen, schlug fehl. 1931 heiratete Hugo Gertrud Blum aus Nierstein, im gleichen Jahr wurde Sohn Werner geboren. Gertruds familiäre Wurzeln reichten nach Heppenheim: Mutter Charlotte Mainzer war die Tochter des Wolf Mainzer, dem Begründer des Kaufhauses Mainzer. Im August 1938 verließ die kleine Familie Deutschland. Die Flucht führte nach Antwerpen und von dort mit dem Dampfer „Pennland“ nach New York. Amerika wurde fortan ihre neue Heimat. Die Familie versuchte verzweifelt, die Eltern von Gertrud nach Amerika zu holen. Doch sie konnten keinen Einfluss auf das Schicksal der Eltern nehmen. Gustav und Charlotte Blum wurden nach Theresienstadt deportiert und starben dort 1943.

Hugo arbeitete derweil als Portier, als Vertreter, als Lagerarbeiter. Werner berichtete, sein Vater sei ein kleiner, sehr athletischer und starker Mann gewesen, der noch im Alter sehr beweglich war und mit einem Ball dribbeln konnte. Noch einmal flogen die Eltern zurück nach Deutschland, um Hugos Brüder, Walter und Ludwig, die nach Deutschland zurückgekehrt waren, zu besuchen. Gertrud Friedmann starb 1980, Hugo Friedmann 1981.

Ludwig absolvierte im Anschluss an seine Schulzeit eine kaufmännische Lehre in Bensheim. Danach trat er in Frankfurt bei der Schuhfabrik J.&C.A. Schneider (JCAS) eine Arbeitsstelle an. Die zunehmende Judenverfolgung wirkte jedoch in alle Lebensbereiche hinein. An der Arbeitsstelle wurde Ludwig als Abteilungsleiter verdrängt – ein Jude durfte keine Anweisungen erteilen. Ludwig beschloss, Deutschland zu verlassen, um weiteren Drangsalierungen zu entgehen. Mit einem Visum für Uruguay bestieg er im Juli 1937 in Hamburg den Dampfer „Groix“ nach Montevideo, wo er jedoch ebenfalls nicht glücklich wurde. 1966 verließ Luis Montevideo und kehrte nach Deutschland zurück. In Mannheim-Waldhof wohnte er bis zu seinem Tod 1981.