Flüchtlingshilfe Heppenheim hat schon viel bewerkstelligt

Die Flüchtlingshilfe Heppenheim hatte zur Info-Veranstaltung in das Marienhaus eingeladen. Foto: Karl-Heinz Köppner  Foto: Karl-Heinz Köppner

Ohne die Heppenheimer Flüchtlingshilfe läge vieles mehr im Argen in der Kreisstadt, was die Betreuung der Flüchtlinge anbelangt. Das wissen auch Kreis und Stadt zu...

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HEPPENHEIM. Ohne die Heppenheimer Flüchtlingshilfe läge vieles mehr im Argen in der Kreisstadt, was die Betreuung der Flüchtlinge anbelangt. Das wissen auch Kreis und Stadt zu schätzen. Im vergangenen Jahr hat sich der Verein gegründet, als die Zahl derer, die nach Deutschland flohen, immer größer wurde. In dieser Woche blickten die Verantwortlichen zurück auf das, was sie bisher bewerkstelligt haben und ließen Experten zu Wort kommen.

Daniel Maas war der erste, der im Marienhaus bei der Plenumssitzung zu Wort kam. Der Sozialpädagoge arbeitet seit sechs Jahren im „Team Flüchtlinge“ im Amt für Soziales des Kreises Bergstraße. 2011 konnte man diese Arbeit mit zehn Mitarbeitern bewältigen, heute sind es 32 – und bei Weitem nicht genug, um jedem gerecht zu werden, wie durchzuhören war.

Verwaltungsaufwand ist deutlich höher geworden

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Das Team besteht aus der Sachgebietsleitung, 21 Sozialpädagogen, fünf Verwaltungsangestellten zur Unterstützung der Sozialpädagogen und je drei Angestellten für die Gewährung der Asylleistungen und die Unterbringung in Privatunterkünften. Zwei Angestellte sind, wenn der Asylantrag des Bewerbers bewilligt wurde, dafür zuständig, diesen an das Jobcenter zu übergeben.

Aufgabe der Sozialpädagogen ist unter anderem die Unterbringung der Flüchtlinge sowie die Leistungsgewährung. Im Kreis Bergstraße wird Bargeld ausgezahlt. Einzige Ausnahme ist das sogenannte „Camp“ an der Tiergartenstraße, in dem die Menschen voll verpflegt werden und zusätzlich nur ein Taschengeld erhalten.

Die eigentliche Sozialarbeit und Projekte kämen deutlich zu kurz. Es fehle schlichtweg die Zeit. Stand die Sozialarbeit früher noch in einem prozentualen Verhältnis von 60:40 zur Verwaltungsarbeit, so habe sich dies durch die Menge der Neuankömmlinge auf 30:70 umgekehrt. Eigentlich sei es die Aufgabe der Sozialarbeiter, regelmäßig die Unterkünfte zu besuchen, zu schauen, wo es Probleme gibt, zuzuhören und zu helfen. Doch wenn man weiß, dass Maas allein 180 Flüchtlinge betreut, dann kann man sich vorstellen, dass das nur schwer realisierbar ist.

Im Kreis Bergstraße setzt man auf eine dezentrale Unterbringung. Es gibt sehr viele kleine Unterkünfte. Man möchte damit die Integration fördern und eine Gettobildung vermeiden. Im Kreis gibt es 130 Gemeinschaftsunterkünfte mit zwischen zehn und 100 Bewohnern. Ausnahmen bilden in Heppenheim das Camp und die Wohneinheit an der Westerwaldstraße.

Der Kreis Bergstraße bietet Deutschkurse in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule an, hinzukommen Integrationskurse, die für Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive verpflichtet sind – das sind Menschen aus Syrien, dem Iran, Irak, Eritrea und Somalia. Verweigern diese die Teilnahme, werden Leistungen gekürzt. Zusätzlich gibt es sogenannte Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen. Dabei können die Geflüchteten zur Arbeit verpflichtet werden, es gibt eine Vergütung von 80 Cent pro Stunde. Maximal 30 Stunden pro Woche darf gearbeitet werden, die Maßnahme ist auf ein halbes Jahr begrenzt. Umgesetzt wird dies, da nicht organisierbar, jedoch derzeit so gut wie nie.

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Regelmäßige Besuche in Unterkünften

Bettina Noll und und ihr Kollege Uli Neßmann berichteten aus Sicht der Polizei. Die beiden Beamten sind hauptsächlich in Schulen unterwegs, haben dort auch Kontakt mit minderjährigen Flüchtlingen. Regelmäßig besuchen sie darüber hinaus die Flüchtlingsunterkünfte, stehen im regen Kontakt mit Leitung, Bewohnern und Security. Viele Vorfälle gebe es nicht, sagte Noll. Alles bleibe im Rahmen, wenn man bedenke, wie viele Flüchtlinge es seien. Lediglich die Zahl der Ladendiebstähle habe „etwas zugenommen“.

Weder die Fallzahlen von sexueller Belästigung noch von häuslicher Gewalt oder Drogendelikten seien angestiegen. Fastnacht sei vollkommen reibungslos verlaufen. Dafür versuchen aber dubiose Geschäftemacher, Flüchtlinge mit Verträgen übers Ohr zu hauen. Oder Unternehmer bieten Minijobs samt zusätzlicher Schwarzarbeit an. Kurse, wie man sich in der Konsumgesellschaft verhält, wären eine gute Sache, so ein Zuhörer.

Die beiden Polizeibeamten sind sich sicher, dass auch die gute Arbeit der Flüchtlingsinitiative dazu beitrage, dass in der Kreisstadt kein Grund zur Besorgnis bestehe, was die Zahl von Straftaten bei Asylbewerbern anbelange.