Der erste Turm reckt sich empor

Auf dem Kahlberg zwischen dem Mossautaler Ortsteil Hiltersklingen sowie den im Kreis Bergstraße gelegenen Ortschaften Hammelbach und Weschnitz hat ein vom Energieversorger...

Anzeige

HILTERSKLINGEN/HAMMELBACH/WESCHNITZ. Auf dem Kahlberg zwischen dem Mossautaler Ortsteil Hiltersklingen sowie den im Kreis Bergstraße gelegenen Ortschaften Hammelbach und Weschnitz hat ein vom Energieversorger EnBW (Stuttgart) beauftragtes Monteurteam damit begonnen, das erste der dort geplanten fünf Windräder aufzurichten. Bereits verbaut wird damit Material, dessen Anlieferung der Investor erst in dieser Woche publik gemacht hat. Dabei gelten die Arbeiten erst einmal Elementen für Türme und Aufsätze, die Flügel werden im Anschluss zum Standort transportiert und an den Masten angebracht.

Bis Ende des Jahres fünf Windräder geplant

Wie berichtet, hat EnBW mit dem Hinweis auf den Beginn der Ausführungsphase am Kahlberg die Zielsetzung bekräftigt, dass dort bis Ende des Jahres alle fünf geplanten Windräder ans Netz gehen sollen („Transporter rollen Richtung Kahlberg“, Ausgabe vom 11. Oktober). Daraus folgt, dass der Konzern die Bauarbeiten auch auf jene beiden Standorte ausdehnen will, die über die Rodung hinaus bisher noch nicht angepackt wurden – und damit den Umstand ausklammert, dass mindestens zwei der Anlagen weiter Gegenstand eines juristischen Streits ums Baurecht sind.

Wie berichtet, ist die Gemeinde Mossautal nämlich zwar mit ihrer Klage auf Aussetzung der sofortigen Vollziehbarkeit der seit Ende vorigen Jahres vorliegenden Projektgenehmigung beim Darmstädter Verwaltungsgericht gescheitert, hat das Verfahren aber mit einer sofortigen Anrufung der nächsten Instanz in Gang gehalten. Umgetrieben werden Gemeindevorstand und Gemeindevertretung dabei von der Sorge um die Trinkwasserversorgung der Ortsteile Hiltersklingen und Hüttenthal, die von der Schmerbachquelle am Kahlberg aus erfolgt. Vor diesem Hintergrund wird die Einleitung und Weiterführung der Bauarbeiten seitens der Nachbarkommune ebenso mit Argusaugen verfolgt wie von der Bürgerinitiative Kahlberg, die bis zuletzt um die Freihaltung des Höhenzugs gekämpft hat.

Anzeige

An der aktuellen Entwicklung stört die Bürgergruppe dabei nicht nur das Vorpreschen des Energieversorgers angesichts eines noch nicht abgeschlossenen Verfahrens, sondern auch die damit verbundene Kommunikation. Konkret moniert BI-Sprecher Michael Karb in einem Schreiben an diese Zeitung, dass EnBW die Ankündigung eines Beteiligungsmodells für die Bürger der Region mit Erwartungen unterlegt, die Gegner der Windkraftnutzung im Mittelgebirge für unrealistisch halten. EnBW prognostiziert für die fünf Anlagen eine Gesamtleistung von 16,5 Megawatt und damit genügend Strom für 13 5000 Haushalte. Wie Karb dem entgegenhält, setzt das Erreichen der hier zugrunde gelegten Nennleistung von 3,3 Megawatt bei der für den Kahlberg ausgewählten Windradform eine Nennwindgeschwindikgeit von 11,3 Meter pro Sekunde voraus. Für den Standort ermittelt wurden aber nur 6,4 m/s, „womit aus den 13 500 Haushalten schnell nur 4090 werden“, so Karb. Bei allen Vorbehalten betont der BI-Sprecher die Friedfertigkeit der Anlagengegner gegenüber den angelaufenen Bauarbeiten. „Auch wenn wir bei Besuchen im Wald beschimpft oder der Sabotage verdächtigt werden, gibt es unsererseits noch nicht einmal Behinderungsversuche“, erklärt Karb. Sehr wohl nähmen Beobachter allerdings Verstöße gegen die Bauauflagen zur Kenntnis und hätten deshalb schon mehrere Strafanzeigen aufgesetzt.