Morgendliche Vogelstimmen-Exkursion des NABU

Um 7 Uhr hatte der NABU Bürstadt zur Vogelstimmen-Exkursion mit dem Vogelkundler Peter Petermann (2.v.r.) eingeladen. Und tatsächlich machten 15 Naturinteressierte von diesem Angebot Gebrauch und sahen unter anderem Kohlmeisen.Fotos: Thorsten Gutschalk/VRM-Archiv  Foto:

Der frühe Vogel fängt den Wurm, an diesem Sprichwort ist wirklich was dran. Wer Vögel beobachten will, der muss deshalb auch bei Zeiten aus den Federn. Am Wochenende trafen...

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BÜRSTADT. Der frühe Vogel fängt den Wurm, an diesem Sprichwort ist wirklich was dran. Wer Vögel beobachten will, der muss deshalb auch bei Zeiten aus den Federn. Am Wochenende trafen sich Liebhaber zu eher unchristlicher Zeit auf dem Waldparkplatz an der Wasserwerkstraße. Der Naturschutzbund (NABU) Bürstadt hat zur „Vogelstimmen-Exkursion“ geladen. Eibnige Begeisterte sind dem Aufruf in Wanderschuhen und mit Ferngläsern gefolgt.

7 Uhr, das war ein Kompromiss zwischen frühmorgendlicher Vogelaktivität und der Schläfrigkeit der Menschheit. „Die gefiederten Freunde sind eben in der morgendlichen Dämmerung aktiv. Wer sie belauschen will, muss da früh aufstehen“, sagt Michael Held. Der Erste Vorsitzende des örtlichen Naturschutzbundes liebt es, den Lauten der Vögel zu lauschen und legt um diese Uhrzeit einen ansteckenden Optimismus an den frühen Tag. „Ich freue mich auch, dass so viele gekommen sind.“

Etwa 15 Vogelfreunde verrsammeln sich bis zum Start um den Verantwortlichen und seinen Exkursionsleiter Peter Petermann. Der erfahrene Ornithologe (Vogelkundler) ist mit einem Spektiv gekommen, um im Dickicht besser sehen zu können. „Mein Lieblingsvogel ist der Ziegenmelker“, sagt Petermann, denn er lebe in den Riedwäldern in seiner größten Verbreitung von ganz Hessen. Mit etwa 20 Revieren von insgesamt 30 sei das beachtlich und den guten Gegebenheiten geschuldet. „Er braucht Sandboden und offene Wälder. Denn er ist ein Bodenbrüter“, sagt der erfahrene Vogelkundler. Und aufgrund des Wasserwerkes gebe es in der umliegenden Region genügend Waldschäden, die dem Ziegenmelker hervorragende Bedingungen liefern. Seinen Namen habe er Aristoteles zu verdanken. Der gab die Berichte von Hirten wieder, die glaubten, nachts von diesem Vogel angegriffen worden zu sein. Was natürlich so nicht war.

„Ich finde das großartig, was wir hier alles lernen“, lobt Renate Nagel. Die Bürstädterin war mit ihrem Mann Rolf zur Waldbegehung gekommen und hatte dafür auch Initiative ergriffen. Jeden Morgen lausche sie den Gesängen der Vögel und erkenne bis jetzt Finken, Amseln und Meisen. „Wir sind zum ersten Mal dabei und ich hoffe, dass ich künftig noch mehr Tiere an deren Laut erkennen kann“, meint Nagel freudig. Dieses Wissen wolle sie dann nämlich ihren Enkeln weitergeben. „Die Kinder haben dafür heute ja kaum noch Zugang.“

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Lässt man den Blick über die Gruppe schweifen, sollte Nagel recht behalten. Von Kindern ist da weit und breit keine Spur. Doch das störte die Teilnehmer nicht. Sie lauschten derweil gespannt, was sie in der Ruhe des Waldes hören können. Kohlmeisen, Amseln und auch Trauerschnäpper. „Das sind freche Vögel“, erklärt Heinz Eisenhauer lachend. Der Vorsitzende der Bürstädter Vogelfreunde verwaltet ein Gebiet von etwa 80 000 Quadratmetern, auf dem 200 Nistkästen angebracht wurden. „Der Trauerschnäpper vertreibt die anderen Arten und nistet sich dort ein. Neben den Meisen, also Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, ist sie am häufigsten zu entdecken“, weiß er zu berichten.

Dann wird seine Erzählung von einem Schrei des Zaunkönigs unterbrochen. „Da in der dicken Eiche“, deutet Petermann und läasst die Teilnehmer durchs Spektiv schauen. Dieses Bild lässt Michael Helds Herz höher schlagen: „Ich freue mich sehr, wenn wir Leute für unsere Natur begeistern können. Wir müssen sie schützen und sollten sie wertschätzen.“ Deshalb soll es auch weiterhin solche Erlebnisausflüge geben. Im Sommer etwa, da sei eine Nachtwanderung geplant. Dann wolle man neben dem Vogel des Jahres, dem nachtaktiven Waldkauz auch Glühwürmchen und Fledermäuse beobachten.