Aufklärung statt Verbote

Gerhard Weitz (vorne) führt zu den Erläuterungen von Burkhard Vetter (hinten) mit unsicherem Gang und leicht schwankend die „Alkoholbrille“  vor. Foto: Thorsten Gutschalk

Burkhard Vetter hält Vortrag über Suchtprävention beim Verein Pro Bono Liberi

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BÜRSTADT. Insgesamt zehn Millionen Deutsche pflegen einen riskanten Umgang mit Alkohol. 1,3 Millionen sind Alkoholiker, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich noch höher sei. Somit ist jede fünfte Familie in Deutschland mit solchen Problemen konfrontiert, doch nur vier Prozent der Betroffenen würden den Schritt in eine Entzugsklinik wagen.

Diese Zahlen legte Burkhard Vetter einem kleinen Publikum von rund zehn Gästen am Sonntagnachmittag in der evangelischen Kirche in Bürstadt vor, als der Verein Pro Bono Liberi 2016 zu einem Vortrag zur Suchtprävention geladen hatte, den Vetter gestaltete. Dieser Vortrag war vor allem an Kinder und Jugendliche gerichtet. Burkhard Vetter erklärte das so: „Wir Erwachsenen haben schon unsere Erfahrungen gemacht, aber die junge Generation muss aufgeklärt werden, denn sie wird es sein, die für ein Umdenken in der Gesellschaft sorgen kann.“ Ein Umdenken, das beinhalte, dass auf Festen ein Fassbieranstich nicht selbstverständlich sei und der Orangensaft bei städtischen Veranstaltungen oder Geburtstagen nicht nachgefragt werden müsse, während der Sekt unaufgefordert angeboten werde. Alles in allem ein Umdenken hin zu einem vorsichtigen Umgang und das Wissen über die Gefahren von Alkohol und Zigaretten.

Damit erreiche man mehr als mit Verboten. „Alles Verbotene ist interessant und hat seinen Reiz“, so Vetter. Die Prävention ist ihm besonders wichtig, weil er selbst in eine Abhängigkeit geraten war und deshalb weiß, wieviel dadurch zerstört wird. Auch wenn Alkohol und Zigaretten weit verbreitet als Kulturgüter und Genussmittel gelten, führen sie häufig zum Missbrauch. „Alkohol ist in jedem Haushalt präsent und damit unkontrollierbar auch für Kinder zugänglich“, sagte Dr. Gerhard Weitz, der Vorsitzende von Pro Bono Liberi. Vetter ergänzte: „Zigaretten und Alkohol sind zwei legale und frei verkäufliche Drogen. Alkohol ist sogar die billigste Droge, die es gibt.“ Deshalb kämen Kinder immer früher damit in Kontakt, doch nur die wenigsten reflektieren diesen Umgang.

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Was Alkohol und Nikotin anrichten können, stellte Vetter zu Beginn anschaulich dar, als er Passagen aus Marlies Wanks Buch „Niko und Alko, die zwei kleinen Giftzwerge“ vorlas. Sie selbst war gesundheitlich verhindert und konnte deshalb nicht selbst vorlesen, ihr Mann Klaus Wank nahm stellvertretend teil. Vetter las vor, dass Alko eine Stimmungskanone und ausgelassen drauf sei. Er neige aber auch zu aggressivem Verhalten und sei sehr laut. Niko hingegen sei stiller und versuche Alko zu besänftigen. „Wenn es ganz schlimm ist, löst er sich am liebsten in Rauch auf“, las Vetter vor. Doch nicht nur das, diese Drogen könnten körperliche Schädigungen wie Krebs, eine Fettleber oder Leberzirrhose zur Folge haben. Neben den körperlichen Folgen würden sie eben aber auch die Sucht auslösen, sodass der Körper immer mehr davon brauche und sich schließlich an hohe Menge der Droge gewöhne und den Körper auf Dauer schädige.

Wer erst einmal süchtig sei, habe laut Weitz nicht nur einen körperlichen, sondern auch einen finanziellen Schaden, lebe realitätsfern und setze seine sozialen Beziehungen aufs Spiel. Deshalb war es sowohl Pro Bono Liberi als auch Vetter wichtig, aufzuklären.

Von Kim Molitor