Geldeintreiber muss teuer bezahlen

(sojo). Drei Jahre Haft wegen zehn Euro – hätte er vorher gewusst, welchen Preis er zahlen muss, hätte ein 21 Jahre alter Mann aus Biblis womöglich auf sein Geld...

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BIBLIS/DARMSTADT. (sojo). Drei Jahre Haft wegen zehn Euro – hätte er vorher gewusst, welchen Preis er zahlen muss, hätte ein 21 Jahre alter Mann aus Biblis womöglich auf sein Geld verzichtet. Da der Mann jedoch partout den Schein haben wollte, muss er nun ins Gefängnis. Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Handelns mit Betäubungsmitteln unter Verwendung einer Waffe und Verstoßes gegen das Waffengesetz hat ihn das Landgericht Darmstadt am Mittwoch zu drei Jahren Haft verurteilt.

Nach einem misslungenen Drogengeschäft war der Angeklagte im Mai 2016 mit seinen zwei Kunden am Bahnhof in Biblis aneinandergeraten. Die Kunden hatten Marihuana bei dem 21-Jährigen bestellt, die dafür verlangten zehn Euro jedoch nicht bezahlt. Das wollte sich der Geprellte nicht bieten lassen. Zunächst folgte ein Handgemenge mit den säumigen Zahlern, bei dem der Angeklagte eine Gaspistole zog und in Richtung seiner Kontrahenten schoss. Als diese mit Hilfe zweier später hinzugekommener Freunde auf Rollern schließlich flohen, verfolgte der Bibliser sie mit seinem Auto, stellte zwei auf einem Parkplatz, indem er gegen den Vorderreifen des Rollers fuhr und erklärte dem Fahrer nachdrücklich unter Vorhalt eines Messers, dass er sein Marihuana zurückhaben wolle. Dabei wurde der Rollerfahrer, der mit dem ursprünglichen Drogengeschäft nichts zu tun hatte, auch noch vom Lenkrad seines umstürzenden Gefährts verletzt.

In einem vom Angeklagten genutzten Kellerraum wurde zudem Marihuana gefunden. In seinem Schlafzimmer soll er zudem Amphetamine sowie ein Einhandmesser aufbewahrt haben. All das führte zu der Verurteilung – trotz des Geständnisses, das der 21-Jährige zu Prozessbeginn abgelegt hatte.

Die Gaspistole gehört nicht auf die Straße

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Das Schießen mit der Gaspistole auf den Rollerfahrer war jedoch als gefährliche Körperverletzung gewertet worden, das Anfahren des Rollers mit dem Auto als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Und nicht nur durch das Schießen an sich habe sich der Angeklagte laut Gericht strafbar gemacht: Dass er die Gaspistole überhaupt dabei hatte, hat ihm die Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingebracht. Zwar hatte der junge Mann seine Gaspistole legal besessen, er hätte sie jedoch nur zu Hause haben dürfen. „Für das Führen dieser Gaspistole hätte er einen kleinen Waffenschein vorweisen müssen, den er aber nicht hat“, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und acht Monate Haft gefordert, die Verteidigung nicht mehr als zwei Jahre auf Bewährung.