Gefahr für Uferschwalben am Wattenheimer Kiesloch

In den Sand der Uferböschungen graben die Schwalben ihre Röhrenbauten. Foto: Thorsten Gutschalk

Illegale Badegäste stören die Vögel in ihren Brutstätten an den Uferböschungen. Dagegen wollen Naturschützer jetzt etwas unternehmen.

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WATTENHEIM. Herabrieselnder Sand, einstürzende Wände und verschüttete Eingänge: Wenn sich am Wattenheimer Kiesloch illegale Badegäste in die Fluten stürzen, am Ufer herumlaufen und womöglich dabei noch Lärm machen, dann kommt das für die dort lebenden Tiere einem Erdbeben gleich. Dann wird ihr Zuhause zerstört, die Familie vertrieben – im schlimmsten Fall sogar ein Artgenosse verletzt. Besonders die Uferschwalben sind betroffen, die sich dort in die Erde ihre Nisthöhlen gegraben haben.

Von den Unterschlupfen ist seit Beginn der Badesaison kaum noch etwas übrig. Durch Erschütterungen wurden sie unbewohnbar, durch den Trubel vernehmen die Vögel Gefahr – vor allem für ihre unausgebrüteten Eier, später für ihre Jungtiere. Denn eigentlich herrscht auch für die seltene Schwalbenart gerade Hochsaison: Uferschwalben haben ein bis zwei Jahresbruten in der Zeit von Mai bis Juli. „Dafür bevorzugen sie 70 Zentimeter lange Röhrenbauten an einer frisch angerissenen Steilwand, die sie sich mit Gras auspolstern“, weiß Naturschützerin Anke Diehlmann.

Von Anwohnerin Dagmar Ochsenschläger wurde sie auf den schlechten Zustand am Ufer aufmerksam gemacht und gebeten, für die Vögel in die Bresche zu springen. „Ich denke, es ist wichtig, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass nicht nur ihnen etwas passieren kann, wenn sie an illegalen Stellen ins Wasser gehen, sondern dass sie auch der dortigen Flora und Fauna schaden“, sagt Diehlmann.

Der Aktivistin vom Naturschutzbund (Nabu) schweben große Warnschilder und regelmäßige Patrouillen des Ordnungsamts vor. Gerade die Uferkanten Richtung Nordheim seien betroffen. „Ich gehe dort öfter spazieren, dabei sind mir die beschädigten Nisthöhlen aufgefallen“, erklärt Dagmar Ochsenschläger auf Anfrage, die die Stelle auch genau lokalisieren kann. „Es ist das Gebiet der Firma Omlor, außerdem ein Grundstück in Privatbesitz.“ Das Gelände sei zwar mit einem Bauzaun abgeriegelt, „aber so etwas stört ja bekanntlich niemanden“, fährt die Beobachterin fort. Auch Mengen an Müll entdeckt sie am Wattenheimer Kiesloch, „was für die Tierwelt ja auch nicht gerade förderlich ist.“ Neben den Uferschwalben gebe es nämlich noch andere Arten, die geschützt werden sollten: einen Eisvogel zum Beispiel. Der bunt schillernde Vogel eignet sich hervorragend als Indikator für gesunde Gewässer. In stark industrialisierten, dicht bevölkerten Regionen ist er mittlerweile eine ausgesprochene Seltenheit. Auch er benötigt Steilhänge zum Brüten, Ruhe und Abgeschiedenheit. „Wir haben Kontakt zu der Naturschutzbehörde aufgenommen, werden ein Gespräch mit den Grundstückseigentümern vereinbaren und alle Hebel in Bewegung setzen, um die Tiere dort zu schützen“, versichert Anke Diehlmann. Da die Vögel auf der Roten Liste stehen, sieht die ehrenamtliche Naturschützerin die Hauptamtlichen in der Pflicht: „Das Thema gehört unter Behördenaufsicht.“ Dennoch appellieren die Frauen, den nächsten Badeausflug an legale Stellen zu verlegen: „Man kann wirklich viel kaputtmachen“, sagt Diehlmann.