Trotz Corona sind die Südhessen gesellig

aus Coronavirus-Pandemie

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Hochbetrieb herrscht am Sonntag am Kirchberghäuschen über Bensheim. Foto: Privat

Zum Abstand voneinander raten die Behörden wegen des Corona-Virus. Nichts für uns, entschieden zahllose Menschen am Sonntag in Südhessen und strömten zu den gewohnten Treffpunkten.

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. Das erste frühlingshafte Wochenende hat in der Region Menschen massenhaft ins Freie gelockt. Entgegen allen Empfehlungen zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus ballten sich Ausflügler und sonstige Sonnenhungrige an den Plätzen, wo sie dies immer bei schönem Wetter tun.

"Es war ein Bild von einem schönen, unbeschwerten Frühlingstag", erzählt Britta Karadzole, Buchhändlerin aus dem Darmstädter Martinsviertel. "Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich nichts von Corona gemerkt." Sehr viele junge Menschen hätten allein oder in Gruppen Sport im Freien getrieben. Bürgerpark und Herrngarten in Darmstadt waren bevölkert von Spaziergängern und von Familien, denen nach einem Picknick zumute war.

"Die Social-Media-Initiative ,Stay the fuck at home' hat hier offenbar keine Wirkung gezeigt", resümiert Karadzole. Immerhin: Küsse und Begrüßungs-Bussis sind nach ihrem Eindruck derzeit selten im öffentlichen Raum.

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Ein international zu beobachtendes Phänomen, das Gastronomen bestimmt besser finden als Virologen, ist am Wochenende auch in Südhessen aufgetreten. Kunden strömen in Eisdielen, in Cafés und Kneipen, vor allem in solche, die Plätze im Freien zu bieten haben. Vor dem Kirchberghäuschen oberhalb von Bensheim herrschte am Sonntag Hochbetrieb. An einen Corona-vorbeugenden Abstand war gar nicht zu denken.

Während auf dem vor Gastronomie schier berstenden Marktplatz von Weinheim vergleichsweise überschaubarer Trubel registriert wurde, war sein Lorscher Pendant "knallvoll", wie Klaus Jehlicka beobachtet hat. "Unglaublich", fügt der Fehlheimer hinzu, der sich besonders über die langen Schlangen vor den Eis-Verkaufsstellen wundert, wo sich Wildfremde besonders nahekommen.

Das war am Sonntag unter anderem auch vor Eisdielen in Bickenbach oder Worms zu bemerken. Am Erlensee westlich von Bickenbach wurden derart viele frische Forellen an unbeeindruckte Kunden ausgegeben, dass Schlange und Wartezeiten immer länger wurden. Rasch mussten Extra-Stühle beigeschafft werden. "Vielleicht ist es das letzte Mal für lange Zeit", mutmaßte eine Stuhl-Besetzerin. Im Freien sei ja die Gefahr nicht so groß. Gehustet werde ja hörbar auch nicht.

Von Waldeinsamkeit nichts zu spüren war am Sonntag auf der Mossauer Höhe im Odenwald. Derart viele machten sich auf den Weg zwischen Erbach und Unter-Mossau, dass auch hier das Abstandhalten schwierig wurde.

Ruhiger war es am späten Sonntagnachmittag im Biergarten bei SeeheimNicht viel mehr als ein Dutzend Menschen verloren sich bei bestem Wetter hier. Vielleicht schlug da doch ein anderer Trend durch, den Britta Karadzole in ihrer Buchhandlung beobachtet hat: Es seien nicht weniger, sondern viel mehr Leute als sonst gekommen, um Bücher zu kaufen. Gerade das Richtige für Zeiten der Isolation, wenn sich Geselligkeit nicht mehr auf Gleichgültigkeit reimen wird.

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Von Christian Knatz