Exklusiv aus der Redaktion: Spannende Themen aus Hessen

Neues aus Hessen.

Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln, Wohnraumoffensive verpufft und Leerstände in der Darmstädter Innenstadt – das müssen Sie heute wissen.

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Hessen. Mit dem neuen Verteidigungsminister Boris Pistorius weht definitiv ein anderer Wind durch den Bendlerblock. Dem Ex-Innenminister wird nachgesagt, weniger verschwurbelt daher zu reden, sondern klar in der Botschaft zu sein. Das traf bislang teilweise zu, bei „Anne Will“ hielt die Verklausulierung dann wieder Einzug. Wer aber darüber hinaus wissen will, welche Charakterzüge den Nachfolger Christine Lambrechts beschreiben, kann ja bei seinem neuen Pressesprecher Michael Stempfle nachfragen. Der kennt seinen Chef aus journalistischer Beobachtung sehr gut und sieht in ihm einen „Vollblutpolitiker, der anpackt“. Diese Überschrift ist gerade eine Woche alt, die Verpflichtung des neuen Pressesprechers gerade einmal einen Tag. Ja, es weht ein anderer Wind im Bendlerblock – früher haben sich die Verantwortlichen wenigstens noch bemüht, den Querverweis auf „Referenzen“ nicht ganz so offensichtlich werden zu lassen.

TOP 3 DES TAGES

Kann das weg?

Jährlich laden Millionen Tonnen Lebensmittel einfach im Müll - viele sind sich dabei nicht bewusst, was das fürs Klima bedeutet.
Jährlich laden Millionen Tonnen Lebensmittel einfach im Müll - viele sind sich dabei nicht bewusst, was das fürs Klima bedeutet. (© dpa)
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Wir kennen es alle aus dem Supermarkt: Waren, die nur noch wenige Tage „haltbar“ sind, bekommen einen roten Rabatt-Aufkleber (meist um die 30 Prozent), da scheinbar nur noch wenige Tage konsumierbar. Die Erfahrung ist bekanntlich anders: Vollmilch ist auch Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar, quasi unzerstörbar geworden. Inzwischen stellt auch die Politik die Sinnfrage darüber, wie Kollege Maximilian Brock aufgedeckt hat. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister geht dabei besonders weit und hält das Datum gleich für verzichtbar. Die Verbraucher, so meint er, müssen sich auch wieder auf ihre Sinne verlassen können. Ein tatsächlich erfrischender Ansatz aus dem politischen Kühlregal. Was bleiben kann, ist das Verbrauchsdatum für Fleisch- und Fischwaren. Bis zu diesem Datum ist ein Lebensmittel tatsächlich zu verzehren – danach drohen gesundheitliche Risiken.

Reicht das aus?

In Südhessen wird Wohnraum geschaffen, allerdings seit einiger Zeit nicht so viel wie nötig wäre: hier ein Mehrfamilienhaus in der Darmstädter Elisabethenstraße.
In Südhessen wird Wohnraum geschaffen, allerdings seit einiger Zeit nicht so viel wie nötig wäre: hier ein Mehrfamilienhaus in der Darmstädter Elisabethenstraße. (© Guido Schiek)

Die Bundesregierung ist mit großen Zielen angetreten: 400.000 Wohnungen wollte man pro Jahr neu bauen, so die Marschrichtung von Ministerin Klara Geywitz. Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Nicht, weil der Wille dazu fehlt, sondern weil eine Bundesregierung nicht selbst die Kelle schwingt und Mörtel anrührt. Sie kann höchstens Rahmen und Fördermöglichkeiten schaffen, die das Bauen erleichtern – für die Umsetzung müssen dann die Marktteilnehmer selbst sorgen. Daniel Baczyk hat für Südhessen eine Bestandsaufnahme gemacht und kommt zu dem gleichen Befund: „Dem Neubau droht der Kollaps“, resümiert Axel Tausenpfund von der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Besonders im Kreis Bergstraße ist der Rückgang an neu gebauten Wohnungen auffällig, nur Darmstadt lässt sich positiv hervorheben. Woran das liegt? Mehr dazu im Artikel.

Flucht aus der Innenstadt?

In der Ernst-Ludwig-Straße trotzt der Römer-Umbau dem Leerstandstrend. Ein positives Beispiel unter negativen. Zwei Fachhändlerinnen sind nach Bessungen gezogen, weil dort die Mieten deutlich günstiger sind.
In der Ernst-Ludwig-Straße trotzt der Römer-Umbau dem Leerstandstrend. Ein positives Beispiel unter negativen. Zwei Fachhändlerinnen sind nach Bessungen gezogen, weil dort die Mieten deutlich günstiger sind. (© Guido Schiek)
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Apropos Darmstadt: Lange galt die City der Wissenschaftsstadt als besonders resilient in Bezug auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Und zwar derart krisenfest, dass das Beratungsunternehmen FTI Andersch die Stadt vor zwei Jahren zu den Top-3-Städten in Sachen Zukunftsträchtigkeit zählte. Heute sind einige Leerstände in der Innenstadt nicht zu übersehen. Das liegt nicht nur an Geschäftsaufgaben, sondern an Umzügen: Außerhalb des Stadtkerns sind die Mieten teils deutlich günstiger. Einige haben den Schritt gewagt und bereuen ihn nicht, wie Kollegin Birgit Femppel bei Inhabern nachgefragt hat. Interessanterweise würde die Flucht aus der City in das „15-Minuten-Stadt“-Konzept passen. Darunter versteht man die Idee, Städte quartiersweise mit einer dezentralen Versorgung zu erfassen – kurze Wege eben. Was aber nur ein schwacher Trost ist, denn eine Innenstadt ist immer mehr als nur Konsum.

ZU GUTER LETZT

Wissen, das die Welt (nicht) braucht

Da wir es ja vorhin mit Lebensmitteln hatten: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist im Vergleich der bundesdeutschen Bürokratie-Geschichte eine ziemlich junge Vorschrift: Erst im Dezember 1981 wurden die Bestimmungen in die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV) aufgenommen. Kühlregal-Detektive sind demnach ein Phänomen der Neuzeit. Abgelaufene Lebensmittel dürfen übrigens weiter verkauft werden, sofern ihr Zustand nicht zu beanstanden ist. Das Risiko trägt dann aber der Händler und nicht mehr der Hersteller. Mit ein Grund, warum Abgelaufenes oft im Müll landet, was wiederum das Phänomen des Containerns in den Fokus rückt. Entgegen landläufiger Meinung ist das Herausfischen aus Lebensmitteln auch in Österreich, das hier gerne als Vorbild genannt wird, nicht straffrei – zumindest dann, wenn der „Müllraum“ Barrieren hat. Wo das anders ist, zeigen sich die Supermärkte in der Regel kulant. Mit der „Herrenlosigkeit“ von Lebensmitteln, Unrat, Sperrmüll etc. ist es also prinzipiell auch nicht anders als bei uns.

Exklusiv aus der Redaktion „Hessen am Mittag”

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