Zu Fuß erkundet der Eberstädter Werner Bach Deutschland und Japan

Werner Bach ist Wanderer aus Passion.  Foto: Dirk Zengel  Foto: Dirk Zengel

Wie bitte? Er sei früher eine „Couchpotato“ gewesen? Das kann Werner Bach (69), stellvertretender Eberstädter Lauftreff-Leiter und Nordic-Walking-Gruppenleiter, doch nur...

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DARMSTADT. Wie bitte? Er sei früher eine „Couchpotato“ gewesen? Das kann Werner Bach (69), stellvertretender Eberstädter Lauftreff-Leiter und Nordic-Walking-Gruppenleiter, doch nur als Scherz gemeint haben. Seit 2009 hat der Familienvater zu Fuß rund 10 000 Kilometer zurückgelegt, was einem Viertel des Erdumfangs entspricht. Erst nahm er sich einen Teil Spaniens vor, dann Deutschland und schließlich Pilgerwege durch Japan, der Heimat seiner Frau.

Bach ist das Musterbeispiel eines Workaholics. Was auch immer er anpackt, lässt ihn nicht mehr los. Als Softwareentwickler hielt er sich von jeglicher Art des Sports fern. Seiner Frau gelang es immerhin, ihn auf den Eberstädter Lauftreff neugierig zu machen. In der Gemeinschaft entdeckte er seinen Spaß am Nordic Walking, belegte in der ihm eigenen Gründlichkeit Kurse beim Landessportbund, gibt seitdem Einführungskurse und spürte, wie er durch das Laufen fitter und fitter wurde.

Eine seiner Töchter, die damals in Madrid studierte, gab den Anstoß für seine erste Fernwanderung entlang des Jakobswegs. Bach startete 2009 vor seiner Haustür in Eberstadt und kam vier Monate und 2700 Kilometer später in Santiago de Compostela an. Ständige Begleiter im 20 Kilo schweren Rucksack waren – auch bei späteren Fernwanderungen – ein Notebook und ein Fotoapparat. Er schrieb Blogs, stellte Fotos ins Internet, und so wussten Familie und Freunde immer, wo er sich gerade aufhielt und was er dort empfand.

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Ein Jahr später war Bach auf der Via de la Plata Richtung Santiago de Compostela unterwegs, und 2013 umrundete er Deutschland – 5000 Kilometer innerhalb von neun Monaten. Er wollte auf diese Weise „seine Biografie erwandern“ und feierte Wiedersehen mit alten Freunden, Studienkollegen und Weggefährten. Wenn er kein Privatquartier fand, suchte er sich einen Schlafplatz in der Jugendherberge, in Pensionen oder Hotels. Manchmal schlief er auch in seinem kleinen Zelt oder in den Dünen an der Ostsee, die funkelnden Sterne über sich. 2015 und 2016 nahm er sich in Japan Pilgerwege von Tempel zu Tempel vor.

Jedes Mal kommt er zufrieden und innerlich ausgeruht von seinen Wanderungen zurück – und dann beginnt wieder sein Darmstädter Alltag. Dreimal in der Woche hat sich der Großvater von vier Enkeln zum „Enkeldienst“ verpflichtet, ist immer auf Trab, bringt oder holt die Kleinen von Kindergarten, Schule oder japanischem Spielkreis ab. Und plant nebenbei akribisch seine nächste 3200-Kilometer-Fernwanderung: längs und quer durch Deutschland.