Zeugin wundert sich über Terminverlegungen beim Amtsgericht...

Einen Fächer voller Vorladungen hält Zeugin Magdalene Wegel in den Händen, angehäuft wegen Terminverschiebungen.Foto: Andreas Kelm  Foto: Andreas Kelm

Magdalene Wegel hatte schon gar nicht mehr daran gedacht. 2014 ist sie Zeugin eines Auffahrunfalls gewesen, als eine Autofahrerin auf den Wagen prallte, in dem sie mit drei...

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DARMSTADT. Magdalene Wegel hatte schon gar nicht mehr daran gedacht. 2014 ist sie Zeugin eines Auffahrunfalls gewesen, als eine Autofahrerin auf den Wagen prallte, in dem sie mit drei anderen Frauen saß. „Kein großer Unfall, kleiner Blechschaden“, stellt die 75 Jahre alte Wixhäuserin nüchtern fest. Umso mehr wundert sie, dass die Sache nun Jahre später vor Gericht kommen soll – und sich vor allem aus organisatorischen Gründen immer mehr in die Länge zieht.

„Vor einem Jahr kam plötzlich eine Aufforderung vom Amtsgericht, eine Aussage zu machen“, erzählt die Seniorin. Zwar habe sie sich darüber gewundert, weil alle Beteiligten schon gegenüber der Versicherung schriftliche Aussagen gemacht hätten. Auch fand sie irritierend, dass der Vorgang zwei Jahre nach dem Unfall immer noch nicht abgeschlossen war. Doch andererseits, so betont sie, sei es für sie eine Selbstverständlichkeit, dem Gericht als Zeugin zur Verfügung zu stehen.

Allerdings ist es bislang noch nicht so weit gekommen. Denn: „Innerhalb des vorigen Jahres sind sechs Termine anberaumt und wieder verschoben worden“, moniert Magdalene Wegel, deren Bürgerpflichtbewusstsein dadurch mittlerweile schon leicht lädiert ist. „Das ist einfach belästigend“, findet sie. „Man hält sich den Termin immer wieder frei, ich habe sogar einmal eine Reise verschieben müssen.“ Und es gehe ja nicht ihr allein so.

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Die Gründe für die vom Gericht jeweils schriftlich mitgeteilten Terminverschiebungen sind unterschiedlich: Laut Wegel habe mal die Geschäftsnummer und mal das Dezernat gewechselt, einmal habe es eine Absage der Klägerin gegeben, einmal der Beklagten.

Verärgerung weicht dem Galgenhumor

„Der Amtsschimmel trainiert für die Olympiade“, witzelt die muntere Seniorin, die auch mit Blick auf das fortgeschrittene Alter von ihr und den anderen Autoinsassinnen langsam zu Galgenhumor übergeht: „Wir sind alle nicht die Jüngsten – wenn das so weitergeht, sterben wir vorher weg.“

Scherz beiseite: Für Magdalene Wegel geht die Sache über ein persönliches Ärgernis hinaus: „Ich finde das eine ungeheure Steuergeldverschwendung.“ So müssten bei jeder Terminverschiebung immer zig Beteiligte schriftlich informiert werden. Zudem fragt sie sich, warum gleich der ganze Termin verlegt wird, weil ein Zeuge nicht kommen könne. „Wenn es um Mord geht, okay“, wirft sie ein, „Aber es ist ein Blechschaden, da ist es doch nicht schlimm, wenn ein Zeuge fehlt.“ Sie seien ja mehrere gewesen und hätten alle schon Aussagen gemacht.

Doch vor Gericht gelten besondere Bewertungsmaßstäbe, wie Amtsgerichtsvizepräsident und Pressesprecher Erik Geisler auf ECHO-Anfrage erläutert. Zwar gebe es durchaus Ermessensspielräume. Aber: „Das ist eine Entscheidung, die der Richter unabhängig treffen muss“, betont er. Und es gebe Fälle, da sei es entscheidend, alle Zeugen nacheinander zu hören, um ihnen Vorhaltungen machen zu können.

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Die angesetzten Termine hier seien jedoch nicht wegen fehlender Zeugen verschoben worden: Vielmehr hätten zwei Mal Anwälte nicht kommen können. Die übrigen Verlegungen seien in der Tat begründet durch Richterwechsel zu anderen Gerichten. Mit der immer wieder beklagten Überlastung der Gerichte oder etwaigen Personalengpässen habe das jedoch nichts zu tun. „Das ist Zufall, dass das so gehäuft vorkommt“, unterstreicht Geisler. „Das ist die Personalfluktuation, die man immer wieder hat.“

Laut Vizepräsident keine großen Vakanzen

Natürlich gebe es immer mal wieder das Problem von Vakanzen. Doch aktuell sei es nur eine und die erst seit gestern infolge einer Beförderung. Grundsätzlich sei die Personalsituation am Amtsgericht derzeit in Ordnung. Und dass der vorliegende Fall erst zwei Jahre nach dem Unfall vor Gericht lande, sei nicht unbedingt hausgemacht. „Das hängt auch davon ab, was vorher außergerichtlich gemacht wird“, betont der Vizepräsident. Der nächste Termin sei nun für Mai angesetzt.