Wixhausen fühlt sich abgehängt

Der Nah-und-gut-Markt ist der einzige Nahversorger in Wixhausen. Foto: Torsten Boor

Die Bürger in dem Darmstädter Stadtteil sind besorgt über das schwindende Einzelhandelsangebot. Der Ortsbeirat sieht jedoch wenig Handlungsmöglichkeiten.

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DARMSTADT. „Ich habe den Eindruck, dass Wixhausen nicht nur geografisch eine Randlage ist, sondern auch infrastrukturell“, sagte ein Wixhäuser während der Bürgerfragestunde am Mittwoch im Ortsbeirat. Er und andere blicken dabei auf den zurückgehenden Einzelhandel im Stadtteil und die Filialen der Volksbank und der Sparkasse, in denen nur noch Automaten stehen. Er fragte, ob beide Banken nicht gemeinsam eine richtige Filiale betreiben könnten. Eine Wixhäuserin ärgert sich, dass in Arheilgen ein weiterer Aldi angesiedelt werden soll, die Stadt aber für Wixhausen wenig unternehme. „Wenn beim ‚Nah und Gut‘ umgebaut wird, ist ja nichts mehr“, weist sie darauf hin, dass dann für diese Zeit ein Nahversorger fehle.

Ortsvorsteher Moritz Röder (SPD) sagte zu, an die Sparkasse und die Volksbank zu schreiben und zu fragen, ob sie nicht eine gemeinsame Filiale in Wixhausen betreiben könnten. Die Politik könne Unternehmen jedoch nicht anweisen, erklärt er, „sie kann nur Standorte attraktiver machen.“

Es gebe in Erzhausen und Gräfenhausen Supermärkte erklärte er, Wixhausen sei mit rund 6340 Einwohnern nicht attraktiv genug für die Unternehmen. In der Regel benötige ein Vollversorger um die 12 000 Einwohner in seinem Einzugsgebiet, wies Röder hin. Dazu komme, dass das Darmstädter Einzelhandelskonzept keine Supermärkte auf der sogenannten Grünen Wiese vorsieht, erklärte der Ortsvorsteher.

Das Konzept war 2009 einstimmig vom Stadtparlament beschlossen worden. „Es verhindert Wildwuchs auf der Grünen Wiese und schafft damit überhaupt erst die Chance, dass anderswo Handel noch Potenzial hat“, hatte der damalige SPD-Oberbürgermeister Walter Hoffmann erläutert.

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„Wir haben auch keinen Platz“, verwies CDU-Ortsbeirat Sebastian Jung auf weitere Kriterien, die ein Supermarktunternehmen habe. 2000 Quadratmeter Ladenfläche und noch mal so viel für Parkplätze, zählte er auf. Und sollte ein Anbieter einen Markt an der Bundesstraße 3 bauen wollen, dann gehe es dem weniger um Wixhäuser Kunden, vermutete Sebastian Jung, dem gehe es um die Berufspendler, die über die B 3 fahren.

Wegen des kommenden Probebetriebs der neuen Abflugroute „Amtix kurz“ vom Frankfurter Flughafen beschloss der Ortsbeirat, einen Brief an das Bundesamt für Flugaufsicht zu schreiben. Er will noch mal auf die von der Wixhäuser Bürgerbewegung berechnete Studie hinweisen, die zeigt, dass eine Streuung der Abflugrouten möglich sei.

Der kommende Radschnellweg Frankfurt-Darmstadt war zweimal Thema. Ortsbeirat Thomas Schwinger (SPD) sorgte sich, dass es Probleme geben wird, wenn Fußgänger beim Bahnhof den Schnellweg queren wollen. Moritz Röder fand hingegen, dass der Radschnellweg wie eine Straße zu sehen sei, und dass es daher wichtig sei, dass man den Weg gut einsehen könne, um Radfahrer rechtzeitig zu sehen.

Der Ortsbeirat beschloss nach dem Hinweis eines Anliegers, dass der Magistrat prüfen soll, dass die Entwässerung des Radschnellwegs gewährleistet ist, damit abfließender Niederschlag Grundstücke am Weg nicht unter Wasser setzt.

Wixhausen soll auch wieder seine öffentliche Bibliothek in einer ehemaligen englischen Telefonzelle bekommen. Bezirksverwalter Bernd Henske teilte zu einem SPD-Antrag mit, dass die Schlosserei Laumann die Zelle zur Zeit ehrenamtlich instand setze.