„Wir lernen hier auf alle Fälle dazu“

Lukas Rimpl aus Dreieich, Jonathan Fratz aus Bad Homburg und Svenja Kannt aus Dreieich (von links) beim Innenversilbern von Glasflaschen. Foto: Andreas Kelm

Landessieger der Chemie-Olympiade für Schüler experimentieren im Juniorlabor auf dem Lichtwiesencampus in Darmstadt. 21 Teilnehmer aus Hessen und Thüringen sind zusammengekommen.

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DARMSTADT. Mitten auf dem Lichtwiesen-Campus liegt das Merck-TU Darmstadt-Juniorlabor, eingegliedert in das Gebäude der Anorganischen Chemie: Hier geht es um Forschung. Die Schülerinnen und Schüler, die es bis zur Landesebene bei der Internationalen Chemie-Olympiade geschafft haben und hier zum fünftägigen Seminar angetreten sind, interessieren sich für die komplexen Zusammenhänge von Materie weit über das Schulwissen hinaus.

Was die Chemie-Olympiade angeht, ist 2020 ein Rekordjahr für Hessen und Thüringen. 21 Landessieger sind in Darmstadt zusammengekommen, davon treten acht Schüler aus Hessen und neun aus Thüringen zum Bundeswettbewerb (insgesamt 60 Teilnehmer) an: „Eine ganz starke Truppe“, sagt Marco Dörsam, der hessische Landesbeauftragte für die Olympiade. Dörsam und seine Kollegin aus Thüringen, Uta Purgahn, haben ein umfangreiches Programm ausgearbeitet, das nicht nur Experimente im Labor vorsieht, sondern den Besuch der Mathildenhöhe, außerdem Besichtigungen des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung und des Chemie- und Pharma-Unternehmens Merck.

Richard Eckardt, Teilnehmer aus Thüringen, findet gerade das beeindruckend, „in Thüringen haben wir keine so großen Chemieunternehmen“. Er steht mit Carlo Mörmel aus Fulda, Johanna Gombel aus Braunfels, Carl Sünderhauf aus Wiesbaden, und Tao Wang aus Bad Vilbel im Labor zusammen, Carlo überlegt gerade, wie er die verstopfte Pipette wieder frei kriegt. Obwohl Carlo sehr ruhig wirkt, sagt er, Geduld sei nicht seine Stärke. Grundsätzlich durchdenkt er lieber theoretisch Reaktionsprozesse – ihm sagen die neuen Freunde und Mitstreiter gute Aussichten für ein Weiterkommen auf Bundesebene voraus.

Das bestens ausgestattete Merck-TU Darmstadt-Juniorlabor begeistert aber auch ihn. Es bietet modernste Laborbedingungen, „und neben der anspruchsvollen Theorie lernen wir hier auf alle Fälle dazu“, sagt Tao, „da merkt man erst, was es noch alles in der Chemie zu entdecken gibt“. Johanna schüttelt gerade kräftig eine Glasflasche mit einer basischen Silbernitratlösung, elementares Silber schlägt sich schließlich an der Glaswand nieder und bleibt haften. Über die Versilberung von Glas hat bereits 1856 Justus Liebig seine Erkenntnisse veröffentlicht. Aber darüber hat er vermutlich nicht nachgedacht: Der übrige oxidierte Zucker landet heute im Sonderabfall, damit das restliche Metall noch ausgefällt werden kann.