Wenn die Müllabfuhr in Darmstadt den Arbeitsweg blockiert

Der Arbeitseinsatz der Müllabfuhren ist durch die Straßenverkehrsordnung ausdrücklich legitimiert. Foto: Andreas Kelm

Der Einsatz der städtischen Müllabfuhr kann für andere Verkehrsteilnehmer zur Geduldsprobe werden. Warum lässt er sich nicht immer zu Stoßzeiten auf Hauptverkehrsstraßen vermeiden?

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DARMSTADT. Klar, die Müllabfuhr muss im ganzen Stadtgebiet den Müll abholen. Doch warum geschieht das manchmal in Zeiten hohen Berufsverkehrs auf einer Durchgangsstraße? Gibt es kein System? Wie können Reibereien mit anderen Verkehrsteilnehmern verhindert werden? Wir haben beim Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) nachgefragt.

Flexible Tourenpläne sollen Abfuhren vom Berufsverkehr trennen

Grundsätzlich gibt es keine Vereinbarung zwischen EAD und Stadt Darmstadt, die vorschreibt, welche Straßen zu welchen Uhrzeiten mit den Sammelfahrzeugen befahren oder gemieden werden sollen. Das Entsorgungsunternehmen setzt aber auf flexible Tourenpläne, um die Abfuhren vom Berufsverkehr zu trennen und auf mögliche Hindernisse reagieren zu können. "Die zeitlich offene Tourenplanung des EAD gewährleistet eine dynamische Entsorgung, da in Ballungszentren viele Faktoren, wie beispielsweise Baustellen, Einfluss haben und täglich berücksichtigt werden müssen", erklärt Marcus Stippak von der Pressestelle Darmstadt.

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Die Beschäftigten des EAD seien angehalten, Hotspots wie Schulen oder die Hauptverkehrsstraßen zu den Stoßzeiten zu meiden - dazu zählen die Heidelberger Landstraße, die Frankfurter Straße, die Frankfurter Landstraße, die Kasinostraße und der Rhönring. "Diese werden soweit möglich außerhalb dieser Zeiten angefahren." Um die Menge an Abholorten in Darmstadt zeitgerecht bewältigen zu können, so Stippak, müssen aber auch die Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen für Abfuhren genutzt werden. Aufgrund von Lärmschutzbestimmungen ist der EAD auch an zeitliche Einschränkungen gebunden. Die Abfallsammelfahrzeuge des EAD fallen unter die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Demnach dürfen sie in Wohn-, Kleinsiedlungs- und Sondergebieten an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie an Werktagen 20 Uhr bis 7 Uhr nicht leeren.

In Sommerhitze wird früher mit dem Leeren begonnen

"Der EAD hat in der Abfallwirtschaft einen Arbeitsbeginn von 6.45 Uhr, sodass die Fahrzeuge frühestens gegen 7 Uhr in den genannten Bereichen eintreffen und ihre Arbeit aufnehmen." Bei Hitze gibt es allerdings eine Ausnahmeregelung. "In den heißen Sommermonaten wird der Arbeitsbeginn auf 6 Uhr vorverlegt, damit die Beschäftigten nicht länger als nötig in der Mittagshitze bei mehr als 30 Grad Celsius arbeiten müssen", sagt Stippak.

Und wie sieht es für den EAD-Vollservice mit termingerechtem Bereit- und Zurückstellen von Abfallbehältern aus? "Auf Wunschzeiten von Kunden kann dann Rücksicht genommen werden, wenn diese vertretbar sind. Dies muss im Einzelfall geprüft werden," so der städtische Sprecher. Manch ein Einsatz der Sammelfahrzeuge mag durch andere Verkehrsteilnehmer womöglich als Verkehrsbehinderung wahrgenommen werden.

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Straßenverkehrsordnung regelt eindeutig

Dabei ist der Arbeitseinsatz der Müllabfuhren durch die Straßenverkehrsordnung ausdrücklich legitimiert. Darin heißt es: "Fahrzeuge, die [...] der Müllabfuhr dienen und durch weiß-rot-weiße Warneinrichtungen gekennzeichnet sind, dürfen auf allen Straßen und Straßenteilen und auf jeder Straßenseite in jeder Richtung zu allen Zeiten fahren und halten, soweit ihr Einsatz dies erfordert." Laut Stippak komme es gelegentlich dennoch zu Auseinandersetzungen mit wütenden Autofahrern. Für solche Situationen schult der Betrieb seine Beschäftigten gezielt im Vorfeld. "Der EAD bietet interne Seminare oder auch flexible, modulartige Einheiten an, die sich mit Themen wie Fahrsicherheit, Umgang mit und Verhalten in stressigen Situationen beschäftigen." Bei vielen Autofahrerinnen und -fahrern sei dagegen auch Verständnis für die Arbeit des EAD vorhanden.

Fakt ist, dass durch gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis viel erreicht werden kann. Der Arbeitnehmer trägt das Wegerisiko und muss selbst dafür sorgen, dass er pünktlich am Arbeitsplatz erscheint. Mögliche Umwege und Zeitfresser sollten vorab mit einkalkuliert werden, für den Fall, dass der gewohnte Weg blockiert ist. Die Abfuhrbetriebe versuchen ihrerseits durch geeignete Maßnahmen, Behinderungen des Verkehrs zu minimieren. Für Stippak wäre mit Blick in die Zukunft besonders wünschenswert, "dass alternative Beförderungsmittel wie Fahrräder und Busse vermehrt genutzt werden, um so dazu beizutragen, die Verkehrsdichte und den CO2-Ausstoß zu reduzieren."