„Verteidige das Herz Europas“

Eingehüllt in Europa-Fahnen haben sich (von links) Dieter Schröder, Terenzio Facchinetti, Gudrun Bergmann, Elaleh Ghanbari-Frenzen und Elke Bickelhaupt. Foto: Andreas Kelm

Pulse of Europe wirbt in Darmstadt für hohe Beteiligung an der Wahl am 26. Mai. Südhessens Kommunen sind zu einem Wettstreit aufgerufen.

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DARMSTADT. 55 Prozent Wahlbeteiligung in Darmstadt, so lautet die Prognose von Oberbürgermeister Jochen Partsch für die Europawahl am 26. Mai. „Wir schaffen 50 Prozent“, heißt es aus Griesheim von Bürgermeister Geza Krebs-Wetzl. Bei der Pulse-of-Europe-Demo am Sonntag auf dem Karolinenplatz hatten die Aktivisten die Städte und Gemeinden der Region erstmals zum Wettbewerb um die höchste Steigerung der Wahlbeteiligung eingeladen. Diese lag in Darmstadt 2014 bei 48,5 Prozent und damit nur knapp über den bundesweiten 48 Prozent.

Jörg Mattutat aus der Pulse-of-Europe-Gruppe Darmstadt erklärt dazu: „Wir alle zusammen haben ein großes, gemeinsames Ziel: die Wahlbeteiligung bei der richtungsweisenden Europawahl so hoch wie nur möglich zu treiben, damit sich eine Mehrheit für eine reformfreudige EU ergibt und rückwärtsgewandte Kräfte in die Schranken gewiesen werden.“

Die Wichtigkeit der Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen an der Wahl in drei Wochen bestärken auch die anwesenden Politiker – und das mit ähnlichen Ansätzen: So erinnert Jochen Partsch an das Kriegsende vor rund 70 Jahren: „Wir sind drei Tage vor dem 8. Mai und dem Ende des Zweiten Weltkriegs – ein mörderischer Krieg, vor allem in Europa. Die Schlussfolgerung damals waren Europaverträge und schließlich die Europäische Union, die auf zwei Dingen fußt: der unbedingten Einhaltung der Menschenwürde und der Demokratie als beste Staatsform. Dies muss gestärkt werden, deswegen ist die Wahl so wichtig.“

Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Mannes betont: „Wir müssen uns bewusst werden, dass unsere Generation, die erste ist, die keinen Krieg erlebt hat – das ist nicht selbstverständlich und das haben wir auch der EU zu verdanken. Damals, nach dem zweiten Weltkrieg, gab es fast keine Familie, die keinen Verlust von Großvater, Vater, oder Sohn zu beklagen hatte und es wurde erkannt, dass es eine Gemeinschaft braucht, um stark zu sein. Dieses Erbe müssen wir übernehmen und es ist unser Auftrag dieses Friedensprojekt weiterzutragen.“

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Auf einen weiteren positiven Aspekt Europas macht die Grünen-Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner aufmerksam, die sich noch an früher erinnert, als man auf Reisen, Geld eintauschen musste oder an den Grenzen kontrolliert wurde. „Es ist wunderbar, dass wir uns heute frei in Europa bewegen können.“ Ja, in Sachen Freiheit und Frieden, aber auch im Bereich der Wirtschaft und des Wohlstandes sei viel erarbeitet worden, jetzt aber gehe es darum, sich weiterzuentwickeln. „Es ist wichtig als Gemeinschaft für den Umweltschutz zu sorgen, denn Dinge, wie das Klimaproblem können nationalstaatlich nicht gelöst werden, das müssen wir gemeinsam schaffen“, fordert sie.

Dass man in Europa nicht als einzelnes Land, sondern nur zusammen stark sei, darüber herrscht Einigkeit bei der Pulse-of-Europe-Demo. Unterstrichen wird das konforme „Pro-Europa-Gefühl“ unter anderem durch eine lebende EU-Flagge, bestehend aus Menschen, die mit einem großen blauen Tuch und sternförmigen Mützen auf dem Kopf durch die Menge laufen, sowie durch gemeinsame Lieder.

Zum Leitmotiv der Kundgebung „Zusammenhalt kann man nicht online kaufen – Verteidige das Herz Europas. Geh wählen.“ gibt es wie immer spontane Reden am Open Mic und zum Abschluss eine Menschenkette, die sich zum Traditionssong von Pulse of Europe: „Insieme“, zu deutsch „Zusammenhalt“, bildet. Welche Stadt oder Gemeinde die Challenge mit der höchsten Wählerbeteiligung am Schluss gewinnt, bleibt laut Jörg Mattutat abzuwarten: „Das wissen wir nach der Wahl.“

Von Miriam Gartlgruber