Verschlossene Helfer: "Islamic Care"

Impressionen einer Hilfsmission: Beitrag zur Somalia-Reise von Mitgliedern des Darmstädter Vereins "Islamic Care", zu sehen auf dessen Facebook-Seite. Quelle: Facebook

Anfang Februar berichtete das ECHO auf der Hessenseite über Hinweise des Verfassungsschutzes, dass der Darmstädter Verein aufgrund seiner Nähe zu bekannten Salafisten der...

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DARMSTADT. "Der Verein Islamic Care möchte versuchen, dass Sie einen kompetenten Einblick über die Situation am Horn von Afrika, unsere Mission und Ziele gewinnen (...) Wir heißen Sie nochmals herzlich willkommen und wir danken Allah ta'ala dem Herrn der Welten, dass Er es uns erlaubt hat, auf Seinem Wege zu wirken. Und wir hoffen auf Seine Unterstützung, denn es gibt weder Unterstützung noch Kraft, außer bei Ihm."

Mit diesen Worten werden Besucher auf der Internetseite der Hilfsorganisation "Islamic Care" begrüßt; deren Adresse www.al-ansar.de verweist auf den früheren Namen des Darmstädter Vereins. "Islamic Care", ansässig in der Siedlung Tann, sammelt nach eigenen Angaben Spenden für Hilfsprojekte mit Schwerpunkt in Ostafrika.

Angesprochen werden in Deutschland lebende Muslime, die vom Verein wiederholt an ihre religiöse Pflicht zur regelmäßigen Spende ("Schon gewusst? Sowohl der Spendende, als auch derjenige, der seine Spende zurückhält, werden tagtäglich von zwei Engeln erwähnt") erinnert werden.

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Anfang Februar berichtete das ECHO auf der Hessenseite über Hinweise des Verfassungsschutzes, dass der Darmstädter Verein aufgrund seiner Nähe zu bekannten Salafisten der islamistischen Szene zugeordnet werde. Auf eine vorangegangene E-Mail-Gesprächsanfrage der Redaktion hatte "Islamic Care" nicht reagiert.

Nach Erscheinen des Artikels konnte der Vereinsvorsitzende Mohamed Youssuf telefonisch erreicht werden. Er erklärte jedoch, sich nicht direkt äußern zu wollen. Man möge ihm Fragen schriftlich zusenden, "dann werden wir über die Beantwortung beraten". Der Verein bekam daraufhin eine Reihe von Fragen zu seiner Tätigkeit und zu möglichen verfänglichen Kontakten zugesandt. Beantwortet wurden sie nicht.

"Islamic Care" veröffentlichte stattdessen auf seiner Facebook-Seite eine Stellungnahme zu dem ECHO-Artikel. Darin wird anerkannt, dass in dem Bericht die Distanzierung des Vereins von Gewalt - dazu findet sich ein Satz im Internet-Auftritt - erwähnt wird. Gleichwohl heißt es, der Artikel habe einen "manipulatorischen Duktus" und enthalte "unzumutbare Anschuldigungen und unbegründeten Verdacht". Man habe rechtliche Schritte dagegen eingeleitet. Widerlegt werden die Verdachtsmomente in der wortreichen Stellungnahme freilich nicht.

Im Gegenteil - der Verein bekennt sich ausdrücklich zu dem umstrittenen Imam Mohamed Ciftci aus Braunschweig, der Ehrenmitglied von "Islamic Care" ist. Ciftci sei ein "tatkräftiger Unterstützer unserer humanitären Arbeit", heißt es in der Stellungnahme, "der uns mit Rat und Tat zur Seite stand und nach wie vor steht."

Über Ciftci erklärte der seinerzeitige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, bei dessen Predigten werde "die Scharia in ihrer orthodoxesten Form gelehrt. Das bedeutet: Theokratie statt Demokratie, Diskriminierung von Frauen und Andersgläubigen. Und es gibt die Aussage von Ciftci, dass die Tötung von Glaubensabtrünnigen islamisch zulässig sei."

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Als der Verein noch Al Ansar hieß, habe er unter anderem den bekannten salafistischen Prediger Hassan Dabbagh als Referenten eingeladen, erklärt die Frankfurter Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall: "Leider ist es verbreitet in Darmstadt, dass man sich in der konservativ-islamischen bis islamistischen Szene sehr hübsch vernetzt hat."

Wie steht es um die Rolle von "Islamic Care" als "gemeinnützige Hilfsorganisation, die bedürftigen Menschen effektiv und nachhaltig zu helfen versucht", so die Eigenbeschreibung?

Beim Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI), anerkannte Prüfinstanz für Spendenorganisationen, ist der Verein nicht dokumentiert, erklärt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Eine systematische Prüfung habe daher bislang nicht stattgefunden.

Wilkes erster Eindruck von den Internet-Auftritten: "Die Projektbeschreibungen wirken sehr ungenau, sehr allgemein, sehr nichtssagend. Eine fundierte Programmatik ist nicht erkennbar." Vor allem aber fehle ein aussagekräftiger, mit Finanzdaten unterlegter Tätigkeits-Jahresbericht - Voraussetzung für ein Spendensiegel als vertrauenswürdige Hilfsorganisation.