Unterstützung für zwei Darmstädter Demenz-Projekte

aus Leseraktion "Echo hilft"

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Hanni Skroblies und Willi Wagner sind im Vorstand von Hiergeblieben aktiv. Der Kranichsteiner Verein will in unterschiedlichen Sprachen über Demenz informieren.  Foto: Andreas Kelm

Aus dem "Echo hilft!"-Sondertopf, gespendet von der Software-AG-Stiftung, gibt es jeweils 2500 Euro für Hiergeblieben e.V. und Villa Mathildenhöhe.

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DARMSTADT. Gleich vier Vereine wurden zum Ende des Jahres im Rahmen von "Echo hilft!" aus einem Sondertopf mit einer Spende bedacht, zwei davon aus Darmstadt. Je 2500 Euro erhalten die Demenz-WG Villa Mathildenhöhe und ein Demenzprojekt für Menschen mit Migrationshintergrund, das der Verein "Hiergeblieben Kranichstein" initiiert. Geldgeber ist die Software AG-Stiftung. "Für uns war die Zuwendung wie ein kleines Weihnachtswunder", sagt Susanne Aenis vom Verein Villa Mathildenhöhe.

Die Villa, ein ehemaliges Schwesternwohnheim des Elisabethenstifts Darmstadt, wurde im Jahr 2006 zur Wohngemeinschaft Villa Mathildenhöhe umfunktioniert. Mit zwölf Zimmern, Wohnzimmer und Essküche entstand nach einigen Umbauten ein Haus mit Garten am Fuße der Künstlerkolonie, das für zwölf an Demenz erkrankter Menschen eine familiengerechte Atmosphäre schafft. Als Susanne Aenis, die seit 2015 Mitglied im Verein ist und zeitweise im Vorstand mitgearbeitet hat, das Haus für ihren Vater entdeckte, wusste sie sofort: "Das ist es", alles war ein wenig "wie zu Hause". Es ist ein Ort, an dem auch sie sich wohlfühlt.

Bäder sollen renoviert werden

Die Wohnform Wohngemeinschaft ermöglicht ein individuelles Eingehen auf die vielen Bedürfnisse der Bewohner. Gut so, betont Aenis, denn in der WG leben zwölf Menschen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern. Die Villa ist vom Verein angemietet, ein ambulantes Pflegeteam kommt regelmäßig ins Haus und gewährleistet eine Rundumbetreuung. Um das alles finanziell zu stemmen, müssen sämtliche Zimmer belegt sein und das Haus in einem entsprechend guten Zustand. Die fünf Badezimmer bedürfen seit Längerem einer Erneuerung, zwei Bäder sollen endlich barrierefrei umgebaut werden. Aufgrund der besonderen Wohnform gab es dafür bislang keine Unterstützung der Krankenkassen und mit privaten Spenden kam der Verein bald an seine Grenzen. Dank des Spendengeldes kann die Sanierung beginnen.

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Die Geldspritze sei eine schöne Überraschung für die Villa gewesen, besonders in diesem Jahr: "Corona bringt uns schon an unsere Grenzen." Die Besuche mit Maske, Abstand und Besuchsverbot sind für Demenzkranke schwierig, denn gerade für sie sei Körperlichkeit extrem wichtig, sagt Aenis. Mit Maske erkenne ihr Vater sie kaum, wenn sie ihn überhaupt besuchen dürfe. Umso wertvoller sind für ihn die anderen elf Mitbewohner und das Pflegeteam, das während der Pandemie selbst unter erschwerten Bedingungen arbeitet und dennoch einen verlässlichen Rahmen bietet.

Willi Wagner ist Mitglied im Vorstand vom Verein Hiergeblieben. Er ist zuständig für die Organisation des Nachbarschaftscafés, das normalerweise für einen geselligen Nachmittag in der Woche in Kranichstein sorgt, für soziale Kontakte, Begegnungen, aber auch Beratung. Rund 80 Nationen leben im Stadtteil miteinander. Dreimal in der Woche findet normalerweise ein Mittagessen im Ökumenischen Zentrum in Kranichstein statt, ein Servicezentrum mit Beratung ist eingerichtet, das Cordelia Scherwitz als Projektkoordinator von Hiergeblieben leitet, an einem umfassenden ambulanten Betreuungsdienst in Kooperation mit dem Roten Kreuz wird gearbeitet. Das würde vielen Menschen ermöglichen, im Alter in ihren Wohnungen und ihrem Stadtteil zu bleiben.

Forschungsprojekt an der Hochschule

Auch Demenz ist ein Thema. Im Januar 2021 ist Hiergeblieben am Forschungsprojekt der Hochschule Darmstadt "Demenz und Ehrenamt" beteiligt, ein Austausch mit dem Demenzforum Darmstadt findet regelmäßig statt. Das Geld aus dem Sondertopf ist für ein Projekt gedacht, das Demenz in betroffenen Familien mit Migrationshintergrund verankern und fachgerecht vermitteln möchte. 25 Prozent der Kranichsteiner haben eine Zuwanderungsgeschichte, unter ihnen gibt es eine hohe Zahl an älteren Menschen. Doch nicht alle nehmen die verfügbaren Pflege- und Gesundheitsleistungen wahr, "Demenz wird oft unterdiagnostiziert", sagt Willi Wagner.

In den Statuten des 2016 gegründeten Vereins Hiergeblieben ist nachzulesen, dass allen Menschen in Kranichstein eine Teilhabe am Leben im Stadtteil ermöglicht werden soll. Wichtig ist deshalb, in einfacher Weise in unterschiedlichen Sprachen über Demenz zu informieren. Dafür müssen die kulturellen Unterschiede im Verständnis der Krankheit berücksichtigt werden und die damit verbundenen Sprachbarrieren. Ein regelmäßige "Teehaus", das im Rahmen des Projekts geplant ist, könnte für türkische Seniorinnen ein wichtiger Anlaufpunkt sein, weitere Gruppen wie die russische Community sollen ins Projekt eingebunden werden.