Unser Verein: „Silat Weißer Kranich“ praktiziert seit...

Peter Green (links) und Martin Oberkönig in der Wilhelm-Busch-Schule in Arheilgen bei einem „Tui chu“ (Freikampftechnik). Foto: Andreas Kelm   Foto: Andreas Kelm

Bewegungen, inspiriert vom Reich der Tiere – fließend, geschmeidig, aber dennoch präzise: Die alte indonesische Kampfkunst Silat Kung Fu baut auf Formen und Kräften der...

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EBERSTADT/ARHEILGEN. Bewegungen, inspiriert vom Reich der Tiere – fließend, geschmeidig, aber dennoch präzise: Die alte indonesische Kampfkunst Silat Kung Fu baut auf Formen und Kräften der Natur auf. Im Verein „Silat Weißer Kranich“ (PGB) wird diese Tradition nunmehr bereits seit 39 Jahren auch in Darmstadt gelehrt. „Das Training hilft im Leben, Ordnung, Harmonie und seinen Weg zu finden“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Martin Oberkönig.

Knapp 90 Mitglieder in jedem Alter

Im Januar 1978 wurde der Ortsverein gegründet, der aktuell knapp 90 Mitglieder im Alter von vier bis weit über 60 Jahren hat. Die Kampfkunst kann jeder ausüben, der sich verteidigen und seinem Körper etwas Gutes tun will. Denn: „Die Übungen haben eine heilgymnastische Wirkung und sind darauf abgestimmt, geistige und körperliche Energien zu aktivieren“, berichtet Vereinsvorsitzender Peter Green. So können die Bewegungen Kindern und Jugendlichen unter anderem bei Koordinations- und Konzentrationsschwierigkeiten helfen; bei Erwachsenen sind sie ein idealer Weg, Muskelverspannungen zu lösen, sich fit und beweglich zu halten. „Silat ist für Menschen jeden Geschlechts und jeden Alters geeignet“, so Green. Manche setzten den Schwerpunkt in der Praxis dann eher auf das akrobatische, andere gingen es ruhiger an, ergänzt Oberkönig.

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Er selbst ist seit 23 Jahren in der alten Kampfkunst aktiv, war vor zehn Jahren sogar Deutscher Vizemeister und trainiert heute andere. In der Jugendgruppe gebe es etwa zehn bis 15 Teilnehmer, die natürlich andere Bedürfnisse hätten als die Älteren: „Sie wollen sich hauptsächlich auspowern“, lacht er.

Der Unterricht wird in der Frankensteinschule in Eberstadt sowie in der Wilhelm-Busch-Schule in Arheilgen ausgerichtet. Ein Training dauert etwa zwei Stunden und besteht aus kurzen und langen Kung-Fu-Bewegungen. Beim Silat wurde der Kreis der Natur in 360 Grundbewegungen übertragen, die sogenannten Pan Toan (kurze Bewegungen), aus denen sich die Hoa Kun (lange Bewegungen) ergeben, die schließlich den Tiercharakter zeigen.

So sind die Bewegungen des Tigers kraftvoll und ausholend, die des Büffels eher wuchtig und die des Kranichs grazil, schnell und elegant. Auch Stöcke in verschiedenen Längen werden gerne als Hilfsmittel eingesetzt, um den Ausdruck zu verstärken. Außerdem gibt es Partnerübungen, die man zu zweit ausführt.

Um Wettkämpfe gehe es in Darmstadt nicht, der Schwerpunkt liege eher auf dem Training für sich selbst, schildert Green. Trotzdem bestehe ein enger Kontakt zu anderen Vereinen, unter anderem zum indonesischen Hauptverein „Persatuan Gerak Badan“. „Neben gemeinsamen Trainingswochen, besuchen uns auch dessen Trainer und unterrichten in den verschiedenen Ortsvereinen – es ist ein schönes Miteinander“, so Green.

Nach Darmstadt gebracht hat die Kampfkunst einst Silat Haryanto Tanara aus Indonesien, der Anfang der siebziger Jahre zum Studieren nach Darmstadt kam. In seiner Heimat war er einer der Schüler von Großmeister Subur Rahardja; auch in Darmstadt wollte der junge Mann sein Training fortsetzen. Im Laufe der Zeit gründete sich eine kleine Trainings-Gruppe, die sich stetig vergrößerte. Daraus entstand 1978 schließlich der Ortsverein, bei dessen Gründung auch Subur Rahardja anwesend war.

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Aktuell wird im Verein überlegt, explizit Selbstverteidigungskurse für Frauen anzubieten. Diese sind nämlich bei den erwachsenen Teilnehmern noch in der Unterzahl.

Von Miriam Gartlgruber