TU Darmstadt stellt "Serious Games" Showroom vor

Im Showroom für "Serious Games" der Technischen Universität demonstrieren die Doktorantinnen Katrin Hofmann (links) und Polona Caserman Übungen eines Fitness-Spiels.  Foto: Andreas Kelm

Eine Projektgruppe der Technischen Universität Darmstadt entwickelt Computerspiele mit ernsthaftem Hintergrund. Getestet werden sie in einem neu eröffneten Showroom.

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DARMSTADT. "Achtung, Hindernis", ruft Anna Lisa Martin-Niedecken ihrem Mann Stephan zu, sofort macht er einen Sprung. Umgeben von drei Projektionswänden, läuft er eine virtuelle Rennstrecke voran und folgt Bewegungsvorgaben. "Jump", fordert ihn die Computerstimme zum Hochspringen auf. Im nächsten Moment soll er - "punch right" - mit dem Bewegungssensor am Handgelenk einen Boxhieb nach rechts machen.

Der virtuelle Trainingsraum namens Exercube war das eindrücklichste Beispiel bei der Vorstellung des Showrooms für Serious Games (ernsthafte Computerspiele), den die Technische Universität jetzt in der Mornewegstraße eröffnet hat. Die TU-Projektgruppe "Wissens- und Technologietransfer (WTT) Serious Games", die den positiven Einfluss solcher Computerspiele auf Bildung und Gesundheit untersucht, möchte dort Entwickler und Anwender zusammenbringen und den Bereich auch wirtschaftlich vorantreiben. Als Ziel wird dabei kein geringeres formuliert, als Hessen zum Serious-Games-Standort Nummer 1 in Deutschland machen zu wollen.

"Das ist ein zentrales Element bei diesem Projekt", betonte Ralf Krämer vom Hessischen Wirtschaftsministerium, das das zunächst zwei Jahre laufende Projekt mit einem Fördervolumen von einer Millionen Euro neben dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt. Die Gamesbranche entwickle sich in Hessen sehr dynamisch, im Bereich Software und Computerspiele liege der Umsatz bei knapp drei Milliarden Euro. "Wir hoffen, dass Darmstadt Impulse setzen kann - ins ganze Land und auch weltweit." Zuversichtlich äußerte sich Ralf Steinmetz von der TU: "Das Thema ist sehr beliebt bei Studierenden und hat eine hohe Attraktivität", stellte der Prodekan vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik fest. Der Showroom sei ein spannendes Projekt und tue auch der Digitalstadt Darmstadt gut, wenngleich die Stadt daran nicht direkt beteiligt sei.

Unterschiedlichste Szenarien werden simuliert

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Unabhängig davon werden Computerspiele der TU-Entwickler bereits in Darmstadt genutzt. Das erläuterte Projektleiter Stefan Göbel bei einem Gang entlang der sechs Exponate, je drei für den Bereich Sport und Gesundheit sowie Bildung und Training. "Balance Fit" heißt ein Spiel, mit dem Senioren des Altenheims in der Emilstraße ihre Kraft und Koordination trainieren können. Auf einem Sensorbrett stehend, steuern sie durch Verlagerung des Körpergewichts auf dem Bildschirm vor sich eine Kugel durch ein Labyrinth und müssen dabei Monstern ausweichen. Das Training könne individuell konfiguriert werden, so dass etwa bei Problemen mit dem rechten Bein dies gezielt gestärkt werde.

Welchen Mehrwert Serious Games noch mit sich bringen können, verdeutlichte Göbel anhand zweier weiterer Exponate: Mit einem können Polizisten trainieren, in ein unbekanntes Gebäude vorzudringen. Dabei ließen sich ohne großen Logistik- oder Kostenaufwand rein virtuell x-beliebige Szenarien simulieren. Bei einem anderen Spiel für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten zum Training von Teamfähigkeit sei ein erhöhter Lerneffekt allein deshalb feststellbar, weil ihnen das in der 3-D-Version mehr Spaß mache und sie länger dabei blieben.

Beim Computerspiel-Ganzkörperworkout im Exercube geht es unterdessen weiter mit Hand und Fuß zur Sache. Köpfchen ist auch gefragt, weil sich der Nutzer Bewegungsmuster merken und abspulen muss. Entwicklerin Martin-Niedecken bringt es so auf den Punkt: "Es muss effizient aber auch spielerisch sein." Darauf noch einen Boxhieb nach links.