Tierrechtsorganisation übt Kritik an Darmstadt

Ein Zaun am Woog soll derzeit die Nilgänse fernhalten. Foto: Guido Schiek

Die Tierrechtsorganisation Peta droht wegen der Jagd auf Nil-, Kanada- und Graugänse an Darmstädter Naturbadeseen mit „rechtichen Konsequenzen“.

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DARMSTADT. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert die Verantwortlichen der Stadt für ihre Entscheidung, Nil-, Kanada- und Graugänse an den Naturbadeseen Woog und Arheilger Mühlchen zu schießen. Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) hatte in der vergangenen Woche, abgestimmt mit dem verantwortlichen Bäderdezernenten, Bürgermeister Rafael Reißer (CDU), dem Grünflächen- und Ordnungsamt sowie dem städtischen Eigenbetrieb Bäder, entschieden, das Jagen der Tiere in den Naturbädern wieder aufzunehmen.

In den vergangenen Wochen hatte es massive Kritik an der Verunreinigung durch den Kot der Tiere und davon ausgehende mögliche Gesundheitsgefahren gegeben.

„Es ist schlicht nicht in Ordnung, wenn Kindern und Familien die naturnahe Erholung in unseren städtischen Anlagen durch die nicht hinnehmbare Zunahme an Gänsen verwehrt wird“, hatte sich der Oberbürgermeister in einer städtischen Erklärung zitieren lassen. Durch das Ausbleiben von Badegästen, etwa am Woog, entstünde der Stadt zudem „ein messbarer finanzieller Schaden.“

Die Stadt habe außerdem „auch einen ökologischen Auftrag, die weitere Ausbreitung gebietsfremder invasiver Arten und die damit verbundene zunehmende Verdrängung heimischer Wildarten zu unterbinden und einzudämmen, gestützt durch eine entsprechende Verordnung der Europäischen Union, so der Oberbürgermeister in seiner Begründung.

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Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert diese Entscheidung und appelliert in einem Schreiben an den Oberbürgermeister, von der Jagd abzusehen und „tierfreundliche Maßnahmen“ zu ergreifen. Außerdem verweist Peta-Sprecherin Katharina Wicke gegenüber dem ECHO auf „eine strafrechtliche Relevanz des Vorhabens“: Peta sieht in dem Abschussplan einen Verstoß gegen jagdrechtliche Vorschriften und gegen das Tierschutzgesetz.

„Hier sollen Tiere getötet werden, weil ihr Kot Badegäste stören könnte“, empört sich Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta. „Dass der Abschuss keine Lösung darstellt, zeigen auch die sinnlosen Tötungen mehrerer Gänse im Frankfurter Brentanobad vor einem Jahr. Die Gänse betrachten das Gelände dort weiter als ihren Lebensraum.“

Nach Einschätzung von Peta „dürfte es sich „bei den städtischen Badeanlagen um einen befriedeten Bezirk handeln, womit die Jagd dort unter Genehmigungsvorbehalt steht“. Die Jagd an Woog und Mühlchen müsse demnach „geeignet, erforderlich und verhältnismäßig“ sein. Die Verkotung von Grünflächen sowie finanzielle Einbußen für die Stadtkasse sind nach Ansicht von Peta „kein legitimer Grund, der es erlaubt, Tiere zu töten.“ Peta droht daher „rechtliche Konsequenzen“ an und fordert von Partsch und Reißer ein „effektives tierfreundliches Gänsemanagement“.

Die Stadt solle die betroffenen Flächen für die Tiere „unattraktiv gestalten und gleichzeitig attraktive Ausweichflächen als Rückzugsorte für die Tiere schaffen.“ So sei „ein friedliches Zusammenleben mit den Gänsen möglich.“

Wie der Oberbürgermeister in der vergangenen Woche über die städtische Pressestelle mitteilen ließ, sei in die Entscheidung zur Gänsejagd auch der Wildtierbeauftragte der Stadt eingebunden.

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Dass das Töten der Tiere bereits begonnen hat, bestätigt Daniel Klose von der städtischen Pressestelle. Zunächst seien am Woog und am Mühlchen „nur Kanada- und Graugänse“ getötet worden: „Am ersten Tag erst einige wenige, Tendenz steigend“, so der städtische Sprecher. Der Abschuss werde durch den städtischen Wildtierbeauftragten vorgenommen.

Es habe, so die Darstellung des städtischen Sprechers, „viele positive Reaktionen aus der Bürgerschaft, aber auch einzelne kritische Stimmen, vorwiegend aus dem Tierschutz“, gegeben.

Von Frank Horneff